Dreitäler-Tour im Nachbarland Bayern

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Der Motorradreporter

Zum Abschluss der Serie die zweitlängste Strecke. Was dem Reporter auf dem Weg ins Altmühltal und von dort ins Donautal und zurück so alles begegnet.

Aalen

Es fängt an zu regnen ausgerechnet in dem Moment, als der Reporter losfahren will. Es ist 9.30 Uhr an einem Donnerstag. Das Motorrad steht abfahrbereit in der Garage. Anstatt loszutuckern, guckt er jetzt erst mal Regenradar. In einer halben Stunde etwa müsste es vorbei sein, schätzt er aufgrund der Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit der Regenwolken. Als es um 10 Uhr nur noch tröpfelt, sitzt er dann auf.

Nasse Straße macht ihn nervös. Er weiß, das müsste nicht sein, und er hat ein YouTube-Video gesehen, auf dem Motorradfahrer auf nassem Asphalt den schwierigsten Slalomkurs absolvieren. Außerdem hat er erst neulich den Jaufenpass (2099 m) zwischen Meran und Sterzing in Südtirol bei Regen und Nebel gemeistert – und die BMW ist mit ABS ausgerüstet. Aber vor fünf Jahren hat's ihn auf regennasser Straße in den Alpen gelegt. Zwar hatte er nur ein paar Prellungen, aber der Sturz steckt immer noch im Kopf.

Die Wolken ziehen in Richtung Südosten. Eigentlich wollte er die Tour gegen den Uhrzeigersinn fahren. Er beschließt, erst mal nach Bopfingen zu düsen, um dort zu entscheiden. Die Entscheidung für die andere Richtung fällt dann schon auf der Röttinger Höhe, denn auf dem Härtsfeld sieht man noch Regenschleier ziehen.

Schräglage nur im Kreisel

Über Kirchheim am Ries knattert der Reporter nach Wallerstein, nimmt die Nördlinger Nordumgehung, um abzubiegen in Richtung Wemding.

Im Ries sind die Straßen eben, kaum einmal gibt's Gelegenheit zu einer nennenswerten Schräglage, außer in Kreisverkehren. Motto: Lieber einen Kreisel, als gar keine Kurve. Als er in Wemding ankommt, ist es zu früh für den schönen Biergarten bei der Wallfahrtskirche Maria Brünnlein. Und die Kirche hat er vor nicht allzu langer Zeit besichtigt. Also weiter in Richtung Monheim, aber kurz davor auf die Bundesstraße 2, Richtung Nürnberg. Die B 2 ist in dieser Gegend abschnittsweise dreispurig ausgebaut, sodass flottes Vorwärtskommen möglich ist, aber der Fahrspaß fehlt.

Das ändert sich dann sofort, wenn man bei Treuchtlingen abbiegt in Richtung Osten, nach Pappenheim, und sich im schönen Altmühltal wiederfindet. 20 wundervolle Kilometer liegen vor dem Motorradfahrer auf der bayerischen Staatsstraße 2230 durch ein von Karstfelsen und Wacholderheiden sowie Wäldern gesäumtes, gewundenes Flusstal. Man passiert Solnhofen, wo die bekannten "Solnhofer Platten" in Steinbrüchen gewonnen werden. Einen Hobbysteinbruch gibt's übrigens auch, für Fans der Geologie und Paläontologie. Versteinerungen soll's dort reichlich haben.

Wo die Donau früher floss

In Dollnstein kurzer Stopp, noch kurz weiter bis Breitenfurt, aber dann kehrtgemacht. Natürlich könnte man jetzt weiterfahren über Eichstätt nach Beilngries, wo der Main-Donau-Kanal ins Spiel kommt und das beschauliche Flusstal ruiniert. Aber der Reporter hat sich das Wellheimer Tal vorgenommen, das sich zwischen Dollnstein und Neuburg an der Donau erstreckt. Ein weites Tal, ebenfalls gesäumt von Karstfelsen und Wäldern. Ein Flusstal, in dem kein Fluss mehr fließt. Und ab Wellheim nur die Schutter, ein vergleichsweise mickriger Bach. Wir sind im "Urdonautal" – dort, wo der große Fluss vor den Eiszeiten geflossen ist. Die Marktgemeinde Wellheim wird optisch beherrscht von einer Burgruine.

Jetzt will der Motorradreisende ins heutige Donautal wechseln und biegt dazu ab in Richtung Rennertshofen. Auch eine landschaftlich schöne, wenig befahrene Strecke. Selbst wenn man nicht ins Café will oder etwas anderes sucht, lohnt es sich, in Rennertshofen nicht der Umfahrung zu folgen, sondern durchs Stadttor zu tuckern und das Kopfsteinpflaster der Altstadt unter die Räder zu nehmen.

Kleines großes Städtchen

Das 5000-Einwohner-Städtchen versprüht, zwar in bescheidenem Rahmen, aber doch den Charme der größeren bayerischen Fluss-Städte – mit einer breiten Hauptstraße, für die man im Schwäbischen zu geizig gewesen wäre; gesäumt von hübschen Häusern.

Jetzt macht der Reporter noch mal einen Abstecher. Er tuckert bei Bertholdsheim über den Damm der Donau-Staustufe, um zwei Kilometer weiter scharf links einzubiegen auf den Parkplatz des Burgheimer Badesees. Das ist ein 7,25 Hektar großer ehemaliger Baggersee, der zu zwei Dritteln mit Schilf umstanden ist. Auf dem verbleibenden Drittel hat die Gemeinde Liegewiesen anlegen lassen, Umkleiden aufgebaut und für Kinder einen beschatteten Sandplatz eingerichtet. Die mobilen Toiletten (Dixi-Klos) sind wegen "Corona" abgebaut worden. Und leider fehlt ein Kiosk. Dafür ist der Eintritt kostenlos.

Der Reporter geht eine Runde schwimmen und gönnt sich danach eine Pause. Aber weil die Ameisen ihn ärgern, bricht er vor der Zeit wieder auf, fährt zurück über den Fluss. Die B 16 und ihre Lasterkolonnen meidet er besser. Er düst am Nordrand des Donautales auf einer höchst unterhaltsamen Route nach Westen, schlägt sich in Donauwörth Richtung Ulm durch die Stadt und landet an der Südspange auf der B 16, die in diesem Abschnitt aber weniger Schwerverkehr ertragen muss.

Über holperigen Asphalt

Er biegt in Erlingshofen rechts ab und saust durch Feld und Wald nach Mönchsdeggingen am südlichen Riesrand. Von dort aus über Hohenaltheim und Ederheim nach Westen.

Will man von Ederheim direkt nach Utzmemmingen, einfach die B 466 geradeaus überqueren und auf einem schmalen Sträßchen an den Ofnethöhlen vorbei ins Dorf tuckern. Dort bringt einen eine Links-rechts-links-Kombination auf die Ortsdurchfahrt, an dieser Stelle die Aalener Straße.

Seit der Reporter Motorrad fährt, und das sind jetzt 43 Jahre, hat er in Utzmemmingen nichts anderes erlebt als holperigen Asphalt, und das zieht sich hin bis Härtsfeldhausen. Aber vielleicht besteht Hoffnung, denn an der nächsten Kreuzung wird gebaut. Das "Frankfurter Kreuz" (so genannt seiner Dimension wegen) zwischen Dorfen und Unterriffingen wird zum Kreisverkehr. Leichte Fahrzeuge umfahren die Baustelle auf landwirtschaftlichen Wegen in einer Nordschleife.

Auf der L 1080 geht's dann über Hohenlohe, Beuren und Waldhausen zurück in die Heimat. 249 Kilometer zeigt der Zähler.

Weitere Informationen: Nördlinger Ries: www.geopark-ries.de – Altmühltal: www.naturpark-altmuehltal.de – Urdonautal (Wellheimer Trockental): www.urdonautal.info

Eine Touristengruppe macht sich in Dollnstein daran, Kähne für eine Bootstour auf der Altmühl zu besteigen.
Brücke über die Altmühl zur Dollnsteiner Altstadt.
Die Ruine der Burg derer von Wellheim im Urdonautal.
Der Hügel auf der rechten Seite birgt die berühmten Ofnet-Höhlen. Das Sträßchen führt direkt nach Utzmemmingen.
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