Getöteter Zweijähriger: Mutter sagt vor Gericht nicht aus

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01.11.2021, Baden-Württemberg, Bopfingen: Kerzen, Blumen und Kuscheltiere sind am Dorfplatz Aufhausen anlässlich einer Gedenkfeier niedergelegt. Ein 32 Jahre alter Mann soll ein Kleinkind seiner Lebensgefährtin so schwer misshandelt haben, dass es starb. Derweil entlädt sich der Zorn in den sozialen Medien. Über das Jugendamt, den mutmaßlichen Täter - und die Mutter des Kindes.
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Psychiater Thomas Heinrich schildert die Drogenkarriere des Angeklagten. Die Mutter des toten Kindes macht keine Aussage. Auch gegen sie läuft ein Ermittlungsverfahren.

Ellwangen/Bopfingen

Prozesstag 3 im Fall des in Aufhausen zu Tode gequälten Jungen: Die Mutter des Kindes soll befragt werden. Die Frau, Jahrgang 1984, stammt aus Bad Friedrichshall, ist Deutsche, nicht vorbestraft und gibt als Familienstand „getrennt lebend“ an. Nun wohnt sie in einem Frauenhaus. Sie ist mit ihrem Anwalt erschienen.

Vorsitzender Richter Bernhard Fritsch belehrt sie, dass sie keine Angaben machen müsse, zumal gegen sie ermittelt wird. Es besteht ein Anfangsverdacht, dass sie sich schuldig gemacht haben, sie müssen sich daher nicht selbst belasten.“

Die Frau hat sich zuvor bereits mit ihrem Anwalt besprochen und der lässt das Gericht nun wissen, dass seine Mandantin außer den Angaben zu ihrer Person keine weiteren Angaben machen werde. Das Gericht nimmt dies zur Kenntnis und entlässt die Frau, die im Prozess auch als Nebenklägerin auftritt.

Crystal Meth und sehr viel Bier

Danach kann der forensische Psychiater Thomas Heinrich als Sachverständiger seine Erläuterungen darlegen. Heinrich hat den Angeklagten am 11. und am 12. Januar 2022 eingehend untersucht. Er schildert dem Gericht das Bild eines Mannes, der bereits in seiner Jugend mit Drogen in Kontakt kam. Alkohol, „manchmal zehn bis 20 Bier pro Tag“, Marihuana, später Crystal Meth und Pep (das sind Amphetamine und Methamphetamine) habe der Angeklagte nach eigenen Angaben immer wieder - mal mehr, mal weniger intensiv - in verschiedenen Lebensphasen konsumiert. Kokain, Heroin oder andere Drogen habe er nie genommen, behaupte er.

Aufgewachsen sei der Angeklagte als ältester dreier Brüder in der Nähe von Nördlingen. Der Vater, er starb 2010, war Staplerfahrer, die Mutter war Hausfrau. Der Angeklagte habe eine Förderschule besucht, er habe dann bei einem Bildungsträger eine einjährige Qualifizierungsmaßnahme zum Holzfachwerker gemacht, aber keinen Abschluss erlangt. Danach habe er immer wieder als ungelernter Bauhelfer gearbeitet, zuletzt bis 2020 bei einer Abrissfirma. 2021 sei er arbeitslos gewesen. In dieser Zeit habe er wieder im Elternhaus in der Nähe von Nördlingen gewohnt, bis er schließlich bei seiner Lebensgefährtin in Bopfingen-Aufhausen einzog.

Der Angeklagte habe ihm von vier Freundinnen in seinem Leben berichtet, Beziehungen, die in der Regel ein paar Monate hielten. Mit der Mutter des Jungen sei er drei Monate zusammen gewesen, so Heinrich.

Der Angeklagte habe in den Gesprächen mit ihm keine Angaben zu den Tatvorwürfen gemacht, sagt der Psychiater. Er habe gesagt, er wolle wegen der Suchtmittel eine Therapie beginnen, sein Leben in den Griff bekommen. In der Haft habe er keinen Besuch erhalten. Der 33-jährige Angeklagte sitzt schweigend da, den Blick gesenkt. Über seine Verteidigerinnen lässt er wissen, er habe „im Moment psychische Schwierigkeiten“ und wolle sich daher nicht zu den Ausführungen des Sachverständigen äußern, dies aber im weiteren Verlauf der Verhandlung noch nachholen.

Das Gericht akzeptierte dies und schloss den Verhandlungstag. Am Freitag, 29, April, ab 9 Uhr, läuft der Prozess weiter.

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