Keltenforscher: „Ipf ist nicht gleich Kelten“

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Neue Erkenntnisse vom Ipf zeigte Prof. Dr. Krause im Rahmen der Rieser Kulturtage.
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Prof. Dr. Rüdiger Krause berichtete von neuesten Erkenntnissen der Untersuchungen am Ipf.

Kirchheim am Ries. Im Rahmen der Rieser Kulturtage berichtete Prof. Dr. Rüdiger Krause von der Goethe-Universität Frankfurt über die neuesten Erkenntnisse der Untersuchungen am Ipf.

In der Kirchheimer Festhalle führte er das Publikum erst in die Zeit ein, in welcher der Ipf besiedelt war. Dabei stellte Krause klar, dass es sich bei dem Fürstensitz nicht um einen keltischen, sondern um einen frühkeltischen Sitz gehandelt hat. Er zeigte auf, dass zwar in der süddeutschen Eisenzeitforschung die Hallstattzeit mit dem Begriff Kelten versehen ist, diese aber auf die Schriften von Herodot zurückgehen.

Für klassische Keltenforscher beginnt die Keltenzeit mit dem Frühlatènestil ab dem 5. Jahrhundert vor Christus. Der Ipf war ab dem späten 7. Jahrhundert vor Christus besiedelt. Der Bau der Pfostenschlitzmauer könne in die Zeit der Kelten zurückgeführt werden.

„Keltisch im historischen Sinne ist die Viereckschanze im Egertal,“ betonte Krause. Diese stamme aus dem 3. Jahrhundert vor Christus, als auf dem Ipf keine Besiedelung mehr nachgewiesen werden kann.

Deshalb hält er es für wissenschaftlich fragwürdig und rein populistisch, wenn etwa für die Heuneburg als „bedeutendste keltische Akropolis Europas“ geworben wird. Er befürworte, den Ipf als Monument begreifbar zu machen. „Aber Ipf ist nicht gleich Kelten.“

Prof. Dr. Rüdiger Krause berichtete in seinem Vortrag über die Rammkernbohrungen in der Trichtergrube B am Ipf. Die Frage der Wasserversorgung sollte hier nähergekommen werden. Dabei wurde festgestellt, dass sich in einer Tiefe von 4,5 Metern Holzreste befinden. Dieses deutete auf eine Auskleidung der Grube hin. Dabei konnte auch paläokologische Untersuchungen durchgeführt werden. Diese brachten an den Tag, dass das Pollenspektrum von Nichtbaumpollen geprägt ist. Es wurden Hinweise auf Ackerbau, Süßgräser und Glockenblumengewächsen gefunden. Koprophile Pilzsporen lassen Schluss auf Viehhaltung zu. Bei den Baumpollen konnten verstärkt Kiefer, Eiche, Birke und Hasel festgestellt werden. Diese sind in heutigen Pollendiagrammen vertreten.

Durch die Kessler+Co.-Stiftung gefördert, soll nun eine Zusammenführung, Evaluierung und Neubewertung der beiden Forschungen am Ipf erfolgen. Ziel sei, das Geschichtsbild fortzuschreiben. Dazu sollen die Faktoren der Entwicklung der Kulturlandschaft des frühkeltischen Fürstensitzes auf dem Ipf neu bewertet werden. Hierzu wird es drei Untersuchungsgebiete geben. Zum einen den Ipf, mit Sechta- und Egertal, zum zweiten den Ohrenberg und die Riesebene und zum dritten das Kartäusertal und der Albtrauf.

Am Ohrenberg wurden bei Grabungen Hinweise auf eine Buntmetallwerkstatt gefunden. Ein Rohglasstück lässt auf eine Glasverarbeitung hindeuten. Im Kartäusertal bei Ederheim und Hürnheim werden die prähistorischen Befestigungen und Burgen näher betrachtet.

So erhoffen sich die Wissenschaftler um Prof. Dr. Krause Faktoren wie die Abhängigkeit von Klima, Vegetation und Kulturentwicklung, die Populationsentwicklung, Fernbeziehungen und die Bedeutungshoheit des Ipf, herausstellen zu können.

Michael Scheidle

Für Prof. Dr. Rüdiger Krause ist es wichtig, dass es sich beim Ipf um einen frühkeltischen Fürstensitz handelt.
Viele interessierte Zuhörer kamen zum Vortratg von Prof. Dr. Rüdiger Krause nach Kirchheim am Ries.
Durch die Kessler+Co-Stiftung sollen die Forschungen über den Frühkeltischen Fürstensitz am Ipf intensiviert werden.

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