Durchbruch im Kerkinger Lärmstreit

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Das Luftbild von Kerkingen zeigt, wie nah die Firma Ladenburger an der Wohnbebauung des Bopfinger Teilortes liegt.

Der Streit zwischen Bürgern des Bopfinger Teilortes und der Firma Ladenburger scheint beendet. In einem Vertrag wird festgezurrt, wie die Unstimmigkeiten beigelegt werden können.

Kerkingen

Der aktuelle Streit um Lärmbelastungen durch das Sägewerk in Kerkingen und die geplante Nachtschicht der Firma Ladenburger soll durch einen öffentlich-rechtlichen Vertrag zwischen Landratsamt, Stadt, Unternehmen und Bürgern deeskaliert werden. Der Vertrag beschreibt Maßnahmen des Unternehmens zum Lärmschutz und steuert das Vorgehen bei Unstimmigkeiten. Im Gegenzug dulden Ortschaftsrat und Bürgerinitiative eine reduzierte Nachtschicht der Sägerei bereits vor der offenbar nicht mehr abwendbaren Genehmigung.

Vertrag entschärft Situation in Kerkingen

Der Antrag der Fa. Ladenburger auf Erweiterung der Betriebszeiten hatte Anfang des Jahres die Gründung einer Bürgerinitiative in Kerkingen zur Folge. Die über 120 Mitglieder waren mit dem Umfang der geplanten Nachtschicht nicht einverstanden. Ebenso wurde das zugrunde gelegte Gutachten in Frage gestellt. Weitere Messungen sollten Klarheit bringen. Allerdings lieferten die Messungen im Zuge einer "Test-Nachtschicht" aus Sicht der Bürgerinitiative und des Kerkinger Ortschaftsrates keine realen Ergebnisse. Ihren Unmut brachten die Kerkinger Bürger unter anderem über eine groß angelegte Plakataktion und bei Fraktions- und Gemeinderatssitzungen zum Ausdruck. Im Gegenzug wurden bei der Firma Ladenburger verschiedene Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt und geplant, um die Situation zu verbessern. Der Austausch zwischen den Parteien war allerdings ins Stocken geraten. Die Situation führte schließlich zu Gesprächen zwischen Landrat Klaus Pavel, Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler, Vertretern des Ortschaftsrates und Vertretern der Unternehmensführung sowie dem Eigentümer. In diesen Gesprächen wurde schnell klar, dass alle Beteiligten möglichst schnell wieder zu einem verträglichen Miteinander kommen möchten. Klar ist, dass die Bürger ein Anrecht auf Nachtruhe haben und das Unternehmen auch zukünftig wettbewerbsfähig wirtschaften muss, um als wichtiger Arbeitgeber am Standort bestehen zu können.

Die Firma Ladenburger erklärte sich bereit, die gesetzlich geforderten Lärmwerte zukünftig nicht nur einzuhalten, sondern auch noch unterschreiten zu wollen. Diese Bereitschaft und die dafür notwendigen Maßnahmen wurden nun im Rahmen eines öffentlich-rechtlichen Vertrages festgeschrieben und von Vertretern des Unternehmens, des Landratsamtes, der Stadt, des Ortschaftsrates und der Bürgerinitiative unterzeichnet. Gegenstand des Vertrags sind in erster Linie Maßnahmen zur Verbesserung der Lärmsituation in Kerkingen. Dazu gehört auch die Erstellung eines Lärmkatasters, das in Zukunft fortgeschrieben werden soll, um daraus auch weiterhin Maßnahmen ableiten zu können. Neben Lärmschutzwänden sind auch bauliche Maßnahmen Bestandteil des Vertrages. So soll die Zuführung zum Sägewerk bis Mitte 2021 technisch optimiert werden und bestimmte Anlagen sollen zusätzlich gekapselt werden, um Lärmimmissionen zu reduzieren.

Verabredet: vierteljährliche Gespräche über den Lärm

Auch organisatorische Maßnahmen sollen umgesetzt werden: Außentore, Fenster und Öffnungen der Betriebshallen sollen im Rahmen der Möglichkeiten des Betriebsablaufs, spätestens jedoch ab 20 Uhr bis 6 Uhr geschlossen bleiben. Regelmäßige Lärmmessungen des Unternehmens sowie eine dauerhaft eingerichtete Messstation durch die Stadt Bopfingen sollen den Erfolg der Maßnahmen überprüfen. Die Ergebnisse werden allen Parteien zugänglich gemacht.

Ein vierteljährlich stattfindendes Lärmgespräch zwischen Unternehmen, Stadt und Ortschaftsrat und ein regelmäßiger Informationsaustausch mit der Bevölkerung soll weiterhin die Möglichkeit bieten, auf die aktuelle Situation einzugehen und notwendige Maßnahmen abzuleiten. Um den direkten Austausch zwischen der Bevölkerung und dem Unternehmen bei Vorkommnissen zum Thema Lärm zu ermöglichen, wird ein Beschwerdemanagement eingerichtet.

Die Bevölkerung kann sich dazu unter der E-Mail-Adresse laerm-kerkingen@web.de an die Ortsvorsteherin Bettina Maria Weber wenden, die dann mit der Geschäftsführung der Firma Ladenburger in Kontakt geht. Im Gegenzug zu den im Vertrag definierten Forderungen gegenüber dem Unternehmen, erklären sich die anderen Parteien damit einverstanden, keine weiteren Lärmschutzmaßnahmen zu fordern, sofern die gesetzlichen Richtwerte eingehalten sind.

Ebenso formuliert der Vertrag einen gegenseitigen Rechtsmittelverzicht bezüglich des aktuell vorliegenden Antrages auf Nachtschicht. Wichtig: Dieser Verzicht auf den Klageweg kann natürlich nur für die unterzeichneten Organisationen gelten. Eine Klage von Privatpersonen kann dadurch nicht verhindert werden.

Schwierige Situation auf dem Holzmarkt

Die Firma Ladenburger hatte in den vergangenen Monaten bereits mehrfach auf die aktuell schwierige Situation am Holzmarkt hingewiesen. Vor allem durch die Hitze und Trockenheit der jüngst zurückliegenden Jahre befinden sich im Moment enorme Mengen an Schadholz in den Wäldern, die abgefahren und verarbeitet werden müssen. Aufgrund dieser Situation äußerte das Unternehmen schließlich den Wunsch, bereits vor Erteilung einer umsetzungsfähigen Genehmigung zur Nachtschicht vorab eine Duldung zum Betrieb des Sägewerkes von 4.30 Uhr bis 23.30 Uhr zu bekommen. Diesem Wunsch kamen die oben genannten Parteien nach und unterzeichneten dafür einen weiteren Vertrag, der die Details dieser Duldung inklusive einer Überprüfung der Lärmwerte definiert.

Die Erleichterung über den Vertragsabschluss, die damit verbundenen Maßnahmen sowie die Rückkehr zu Dialog und Transparenz war allen Parteien anzumerken. "Wir haben einen langen und steinigen Weg hinter uns. Diese Abmachungen sind ein wichtiger und großer Schritt in die richtige Richtung und sichern den Dialog auch für die Zukunft", sagte Ortsvorsteherin Weber.

Die Bemühungen der Stadt Bopfingen und der Vertreter des Ortschaftsrates von Kerkingen sowie die Bereitschaft und Offenheit für Gespräche von Seiten Unternehmen und Bevölkerung haben schlussendlich eine Kehrtwende in dem Konflikt zustande gebracht.

Die genauen Inhalte der öffentlich-rechtlichen Verträge sollen in den nächsten Wochen im Rahmen einer Bürgerversammlung, den interessierten Bürgern vorgestellt werden. Der Termin ist noch offen.

Sind erleichtert (v.l.): Christoph Rettenmeier (Fa. Ladenburger), Georg Fuchs (BI Pro-Kerkingen), Klaus Graf (Ortschaftsrat), Bettina Maria Weber (Ortsvorsteherin), Dr. Gunter Bühler (Bürgermeister), Alexander Bühlmeyer (Ortschaftsrat), Steffen Häußlein (Fa. Ladenburger).

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