Ist Ladenburger nachts doch zu laut?

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Gewaltige Ausmaße hat das Ladenburgerwerk in Kerkingen. Das Unternehmen will weiter expandieren.
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Ingenieurbüro Müller BBM präsentiert dem Gemeinderat Ergebnisse der Lärmmessungen in Kerkingen, die die Stadt in Auftrag gab. Resultat: Grenzwerte werden teils überschritten.

Bopfingen-Kerkingen

Die Firma Ladenburger ist gut im Geschäft. Sturm- und Schadholz haben stark zugenommen und müssen verarbeitet werden. Und hier kommen die Holzwerke ins Spiel. Der Betrieb in Kerkingen arbeitet in vielen Bereichen rund um die Uhr – und expandiert weiter.

Ladenburger expandiert

Ladenburger wird nämlich am Standort die Produktion um ein weiteres Werk zur Herstellung von Brettschichtholz (BSH) erweitern. In einer bis vor Kurzem an die Firma Jiffy vermieteten Halle sollen ab Mitte 2022 bis zu 45 000 Kubikmeter verleimte Produkte produziert werden. Das Investitionsvolumen liege bei etwa 15 Millionen Euro, 20 neue Arbeitsplätze werden, laut einer Mitteilung des Unternehmens, geschaffen. Die Entscheidung für die Investition habe auch deshalb getroffen werden können, weil die Genehmigung für den Betrieb einer Nachtschicht im Sägewerk in Kerkingen vorliege. Dies sei Grundlage für die Versorgung des neuen Werkes mit Rohstoffen.

Für eine neue Halle ist nun zudem ein Drei-Schichtbetrieb beantragt worden. Das freut nicht alle. Die Bürgerinitiative, die sich am Ort gegründet hat, fürchtet zusätzlichen Lärm.

Der Interessenkonflikt zwischen (Nacht)ruhesuchenden Bürgern und einem Unternehmen, das produzieren will, ist seit einigen Jahren virulent. Inzwischen haben BI und Unternehmen den Dialog wieder aufgenommen. Ladenburger hat unter anderem in Lärm verringernde Maßnahmen investiert und auch ein Lärmgutachten in Auftrag gegeben. Dieses bescheinigt, das Ladenburger die vorgegebenen Lärmimmissionen von 40 Dezibel nachts im Großen und Ganzen nicht überschreitet. Die BI jedoch hat dieses Gutachten kritisiert und die Stadt Bopfingen dazu aufgefordert, selbst Lärmmessungen vorzunehmen.

Messung der Stadt

Die Stadt kam dem nach und hat das Ingenieurbüro Müller BBM aus München mit Messungen beauftragt. Deren Resultat hat Jochen Sperber vom Ingenieurbüro jüngst Bopfingens Gemeinderat präsentiert. Demnach wurde über mehrere Wochen hinweg in der Otillienstraße und in der Holzgasse gemessen – und zwar Lärmimmissionen von Anlagen und von Fahrzeugen, die auf dem Gelände unterwegs sind und dies zu unterschiedlichen Tageszeiten und bei unterschiedlichster Witterung. Resultat: Immer wieder werde der Schallrichtwert von 40 Dezibel zwischen 22 und 6 Uhr kontinuierlich überschritten. Im Schnitt lägen die Werte bei 43,1 dB, mit 45,1 Dezibel sei morgens um 5 Uhr ein Spitzenwert gemessen worden.

Berücksichtigt werden muss hier aber, dass in die Messungen auch Lärm von Landwirtschaft, Verkehr und anderen Lärmquellen, quasi als Grundrauschen, mit eingeflossen ist. Dies sei, laut der TA Lärm, der hier gültigen Verwaltungsvorschrift, in diesem Falle aber legitim.

Die Messungen stünden dem Gutachten, das Ladenburger in Auftrag gab, in einigen Bereichen entgegen, weshalb dieses kritisch hinterfragt werden sollte, empfiehlt das Büro Müller BBM, nach Prüfung des von Ladenburger vorgelegten Gutachtens. Auch andere Aspekte gelte es abzuklopfen. Zum Beispiel, so meint BBM sei technisch in Sachen Schallschutz bei Ladenburger mehr möglich und beim Werksverkehr seien die Zahlen im ersten Gutachten wohl zu niedrig angesetzt worden.

Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler wertet die Situation so: Klar sei, dass Ladenburger produzieren wolle und so Arbeitsplätze schaffe und halte, klar sei auch, dass Kerkinger ein Recht auf Nachtruhe hätten. Die Stadt habe die Messungen beauftragt, um den Konflikt zu objektivieren und zu versachlichen. "Die Messungen sind kein Gutachten, dafür liegen zu wenig valide Daten vor, aber dennoch geben sie uns ein Instrumentarium in die Hand, mit der mit Ladenburger in dieser technisch sehr komplexen Sache auf Augenhöhe weiter verhandelt und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden kann", sagt Bühler. Für ihn steht fest, dass die Probleme "nur im Dialog gelöst werden können".

Ladenburger hat bei der Kreisverwaltung den Antrag auf Ausweitung der Nachtschicht gestellt. Der Ball liege nun dort, sagt Bühler.

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