Lärmschutz im Sägewerk soll her

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Ladenburger hat Schallschutzwände installiert. "Eher Sicht- als Schallschutz" meinen manche Kerkinger am Mittwochabend.
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Die Firma Ladenburger will Betriebszeiten in Kerkingen ausweiten. Bürger kritisieren ein Schallgutachten dazu – und fordern bauliche Maßnahmen zur Lärmreduzierung.

Bopfingen-Kerkingen

Corona zwingt zu kreativen Lösungen. So tagte Kerkingens Ortschaftsrat am Mittwochabend erstmals unter freiem Himmel – um die Abstandsregeln einzuhalten. Ortsvorsteherin Bettina Weber und "ihr" Gremium wussten, dass der Punkt "Einführung der Nachtschicht bei der Firma Ladenburger" quasi zur Bürgerversammlung werden würde.

Ein Interessenkonflikt treibt Kerkingen seit 2019 um: Die Holzwerke wollen ihre Produktionskapazitäten so weit wie möglich auslasten, die lärm- und verkehrsgeplagte Bürgerschaft nachts ihre Ruhe.

Ortschaftsrat und Bürgerinitiative wollen, dass die Firma Ladenburger die Lärmgrenzen einhält. Die liegen in einem Gewerbegebiet bei 45 Dezibel und in angrenzenden Wohnsiedlungen bei 40 Dezibel. Wie Ladenburger dies schafft, ist der BI egal. Als eine geeignete Maßnahme hierfür nennt der Ortschaftsrat die Einhausung der Sägerei auf dem Firmengelände. Dies habe Ladenburger zuvor zugesichert, nun aber durch die Formulierung, "das Unternehmen habe das Ziel, die gesetzlichen Werte einhalten zu wollen" ersetzt, sagte Bettina Weber.

Weber rekapitulierte die bisherige Entwicklung im Dialog zwischen Kommunalpolitik und Firmenleitung. Es gab zahlreiche Gespräche, es wurden Lärmquellen eruiert und Maßnahmen zur Lärmreduzierung ersonnen. Ladenburger hat ein Lärmimmissionsgutachten in Auftrag gegeben, das aber nach eingehender Analyse durchfiel. Das Unternehmen veranlasste weitere Messungen. Deren Resultate, und dies bedauert Kerkingens Ortschaftsrat, seien aber bislang unter Verschluss.

Ebenfalls bedauert der Ortschaftsrat, dass er bei keiner der Messungen, entgegen einer Ladenburger-Zusage bei der Bürgerversammlung im Februar, dabei sein durfte, wie Weber sagte.

BI-Mitglieder haben daher privat Lärm gemessen. Deren Resultat: Der Betriebslärm übersteigt die Vorgaben signifikant. Die Genehmigungsbehörde, das Gewerbeaufsichtsamt beim Landkreis, darf diese "nichtfachmännischen Gutachten" aber nicht berücksichtigen und hat dies auch nicht getan.

Gutachten zur falschen Zeit?

Grundlage für das Gewerbeaufsichtsamt ist eine Lärmmessung vom 4. Mai 2020. Gemessen wurde von 21 bis 22 Uhr. Ladenburger versichere, sagte Weber, dass bei der Messung im Werk unter Echt-Bedingungen produziert worden sei. Kritik gibt es aber am Umstand, dass es im Messzeitraum stark bewölkt war und Regen eingesetzt habe. Beides Faktoren, die für die BI, die Messresultate nach unten geglättet hätten.

Diese Einschätzung teilt das Gewerbeaufsichtsamt nicht. Dort hält man die eingereichten Unterlagen für vollständig und sachlich korrekt. "Es kann somit möglicherweise zu einer Genehmigung der Verlängerung der Betriebszeiten kommen. Das Landratsamt erläuterte auch, dass grundsätzlich nicht gemessen werden muss. Es müsste auch eine Schallprognose beurteilen", fasste Weber zusammen.

Bopfingen soll selbst messen

Um auf Dauer belegen zu können, dass Ladenburgers Betriebslärm Grenzwerte überschreitet, wünscht sich Kerkingen von der Stadt die Einrichtung einer permanenten Schallmessanlage. Hier hat der Gemeinderat das letzte Wort.

Ladenburger hat von Ende Februar bis Ende April mit einer Verlängerung der Arbeitszeit bis 23.30 und ab 4.30 Uhr gearbeitet. Dann endete die Genehmigung. Will die Firma nun dauerhaft diese Betriebszeiten einführen, kann dies ohne Anhörung oder gar Einvernehmen des Ortschafts- oder Gemeinderates geschehen, gab Weber die rechtliche Lage wider.

Landratsamt und Stadtverwaltung haben aber hier ein "erweitertes Anhörungsverfahren" erwirkt. Das bedeutet, dass ein größerer Kreis Betroffener Widerspruch einlegen kann, was das Regierungspräsidium auf den Plan ruft. Auch der Rechtsweg ist möglich. Den behält sich die BI vor, zumal viele fürchten, dass dort irgendwann auch an Wochenenden gearbeitet wird.

Jüngst nun war der Ortschaftsrat zu einem "Klärungsgespräch" bei Ladenburger eingeladen. "Es war sehr konstruktiv. Die Firma erstellt momentan eine Schallanalyse aller Lärmquellen, um gezielte weiter Maßnahmen zu ergreifen. Das begrüßen wir sehr. Aktuell werden an den östlichen Öffnungen der Sägerei, wo technisch möglich, Lamellenvorhänge und Schnelllauftore installiert. Wir hoffen auf weitere gute Gespräche", sagte Weber.

Ein Novum in Corona-Zeiten: Sitzung unter freiem Himmel in Kerkingen.

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