Die „Bretzge“ ist Geschichte – ein Rückblick

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Hier stand einmal die „Bretzge“. In den kommenden Jahren soll dort eine neue Ortsmitte entstehen.
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Mehr als 100 Jahre wurde die „Bretzge“ bewirtschaftet. Nun wird sie abgerissen.

Kirchheim. Nun ist nur noch Schutt übrig vom Gasthaus „Bretzge“ in Kirchheim am Ries. Mehr als 100 Jahre wurde die „Bretzge“ betrieben. Bis zum Jahre 1968 war eine eigene Bierbrauerei angegliedert.

Erster Hinweis 1830

Im Archiv der Gemeinde Kirchheim am Ries findet sich als erster Hinweis auf dieses Traditionshaus 1830 ein Eintrag, indem beschrieben wird, dass der Bretzgenwirt Kaspar Schuß die Wirtschaft verkaufte. Er zog daraufhin nach Dirgenheim. 1832 beantragte er in einem neuen Gebäude an der noch nicht vollendeten Straße von Itzlingen nach Nördlingen, ein Wirtshaus mit Branntweinbrennerei und Bäckerei zu betreiben. Heute ist in diesem Gebäude noch immer ein Gasthaus untergebracht, das „Kreuz“ betrieben von Martina und Andreas Senz.

Die „Bretzge“ wechselte in den kommenden Jahren die Besitzer. 1830 kaufte Melchior Rupp aus Trochtelfingen das Anwesen, 1854 ging das Anwesen an Georg Kugler über, der sich nicht lang freuen konnte – beim großen Kirchheimer Brand am 26. Mai 1855 wurde auch das Anwesen Opfer der Flammen. 1883 ist ein Neubau auf dem Gelände nachgewiesen.

Eine Tradition begann

1906 übernahm Tobias Fischer die Bierbrauerei und Gastwirtschaft, die 100-jährige Familiengeschichte der Fischers in der „Bretzge“ begann. Vier Generationen lang war Familie Fischer in und um die „Bretzge“ tätig. Nachdem das Bier anfangs mit Pferdefuhrwerken zur Kundschaft transportiert wurde, kam sehr bald ein Lastwagen zum Einsatz. Die Brauerei war auch eine sichere Arbeitsstelle für viele Kirchheimer. Besonders viele Arbeitsstunden wurden im Winter geleistet. Auf einem Gerüst im Hof wurde dann das Eis zur Kühlung gewonnen. 1861 wurde neben der Martinskapelle ein weiterer Bierkeller gebaut.

Nördlinger brauen weiter

Nachdem der Brauereibetrieb eingestellt wurde, mussten die Kirchheimer nicht auf ‚ihr‘ Bier verzichten – die Ankerbrauerei in Nördlingen braute das Hopfengetränk im Auftrag von Walter Fischer noch weiter.

Die Bretzgenwirtin war für die schmackhaften und deftigen Gerichte wie die „Paußl“ bekannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzten die amerikanischen Besatzer das Gebäude als Sitz für ihre Verwaltung.

Nun ist auch dieses Stück Kirchheimer Wirtshausgeschichte vorbei – wie zuvor der „Rote Ochsen“, heute Bäckerei Moll, der „Goldene Hirsch“, der „Schwarze Adler“, der „Goldene Ochse“, heute das Garnihotel Engelhardt, und die Klosterschenke im Torbogen des Klosters.

Am 14. Juli dieses Jahres begannen die Abbrucharbeiten der ehemaligen Gaststätte, nun soll dort eine neue Ortsmitte entstehen.

Michael Scheidle

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