Ein Münsterländer liebt das Kloster

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Edwin Michler steht vor dem Bild der Anna-Figur, die er so gerne für das Kloster Kirchheim erwerben möchte. Vielleicht findet er Sponsoren.

Edwin Michler hat sich der Geschichtsforschung verschrieben. Besonderes Augenmerk richtet er dabei auf das Kloster Kirchheim – und er hat ambitionierte Ziele.

Kirchheim

Am 13. September ist der Tag des Denkmals. Normalerweise führt Edwin Michler dann zahlreiche Besucher durch das Kloster in Kirchheim am Ries. Dieses Jahr ist jedoch wegen Corona alles anders, keine Führung ist geplant und man merkt dem Heimatforscher an, was ihm dadurch entgeht.

"Ich bin durch Heirat ins Kloster gekommen," lacht der 76-Jährige. 1968 kam er aus dem Münsterland zu Zeiss in Oberkochen. Über den BDKJ lernte er seine Frau Marlene kennen. Sie heirateten und er zog zu ihr innerhalb die Klostermauern. So wurde sein Interesse für das Gemäuer geweckt. Er begann Ausstellungen zu organisieren, las sich durch die Dokumente und suchte bei Versteigerungen, die Schätze des Klosters wieder zurückzuholen. "Heute kann ich natürlich durch das Internet leichter recherchieren," sagt Edwin Michler.

In der Zwischenzeit hat er über ein Dutzend heimatkundlicher Arbeiten veröffentlicht. Seine erste war ein Text über den Brandfall vom 26. Mai 1855, als das halbe Dorf abbrannte.

1978 gründete Edwin Michler zusammen mit weiteren Interessierten den Freundeskreis Kloster Kirchheim. Als Vorsitzender hat er über 40 Kirchenkonzerte organisiert, um durch die Einnahmen das Kloster zu erhalten.

Ein Streifzug mit ihm durch das Kloster ist stets eine höchst interessante Angelegenheit. Michler hat die Geschichte von 1802 an mit Bildern, Zeitungsausschnitten und Zeichnungen zusammengetragen. Er weiß, dass bei verschiedenen Kunstsammlern Objekte aus dem Kirchheimer Kloster stehen. Selbst in der Gallery of Art in Washington ist ein Teil des ehemaligen Altars aus der Kirche ausgestellt.

Durch seine Vergangenheitsforschung gelang es Michler, vergessene Persönlichkeiten wieder in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. So beispielsweise den Komponisten Franz Bühler aus Unterschneidheim, den schreibenden Pfarrer F. K. Wild aus Kirchheim, die Ellwanger Astronomen Josef August Brandegger und Michael Eble oder August "Ago" Glucker, der in den 1930er bis 1950er Jahren jeden Morgen im Südwestfunk, die Zuhörer zum Frühsport animierte.

Neben seinen Forschungen zum Kloster war Edwin Michler 20 Jahre lang freier Mitarbeiter bei der Schwäbischen Post.

In seiner Wohnung im Kloster Kirchheim stehen über 20 000 Buchtitel und über 1000 alte Zeitungen, die älteste stammt vom 26. September 1699. Kartonweise sind historische Landkarten, alte Postkarten und Briefe in der Wohnung verteilt. Zum Leidwesen seiner Frau Marlene.

Derzeit arbeitet er daran, alte Poststempel mit alten Ortsnamen und vergessenen Postleitzahlen zu dokumentieren.

Sein größter Wunsch ist eine Anna-Figur, die als Bild im Kirchheimer Museum ausgestellt ist. Diese gehörte einem Kunstsammler, der testamentarisch verfügt hat, dass sie im Jahre 2026 verkauft werden darf. 80 000 Euro sind dafür veranschlagt. "Wäre schön, wenn wir das eventuell mit Sponsoren und Spendern, hinbekommen würden", hofft Michler.

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