Emotionale Diskussion um Schweinezucht

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Kommt hier ein Tierwohlstall hin. Der Gemeinderat steht dem Projekt kritisch gegenüber.
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Welche Bedenken gegen ein Erweiterungs- und Neubauvorhaben vorgebracht wurden.

Kirchheim. Auf großes Publikumsinteresse stieß ein Bauvorhaben im Kirchheimer Gemeinderat. Ein Landwirt aus Jagstheim möchte seine Schweinezucht umstellen, weshalb er zwei Baugesuche eingereicht hatte. Bereits in der Sitzung am 4. April wurde beschlossen, diese Vorhaben zusammen zu beraten.
Der Landwirt möchte zum einen an seinen bestehenden Schweinezuchtbetrieb einen Abferkelställe sowie Ausläufe für die Tiere errichten. Zusätzlich soll außerhalb von Jagstheim in östliche Richtung ein Tierwohlstall gebaut werden.

Im Bauausschuss der Gemeinde wurde mehrheitlich für diese Projekte entschieden. Nun ging es in den Gemeinderat. Bürgermeister Danyel Atalay war hier um größtmögliche Transparenz bemüht. Deshalb waren für diesen Tagesordnungspunkt Vertreter des Landratsamt Ostalb erschienen. Paul Hug von der Kreisbaumeisterstelle, Michael Bullinger, von der Baurechtsbehörde und Reinhard Dingler vom Landwirtschaftsamt erläuterten die Rechtsgrundlagen und Auswirkungen der geplanten Bauten.

Reinhard Dingler erläuterte ausführlich, dass durch den derzeitigen Umbruch in der Schweinehaltung diese Projekte begrüßenswert seien. Derzeit werden in Jagstheim 250 Zuchtsauen in Mastschweinehaltung gehalten.

Die Nutztierhaltungsverordnung sieht bis 2036 mehr Tierschutz vor, so dass eine von der Gesellschaft tolerierte Tierhaltung durchgeführt wird. Die Tiere erhalten mehr Platz und auch einen Auslauf. Der Antragsteller ist hier einer der Vorreiter für mehr Tierwohl. Über zwei Jahre wurde nach einem Standort gesucht, der nun zwischen Jagstheim und Dirgenheim gefunden wurde. „Man sieht es dem Plan an, dass hier sehr exakt gesucht wurde,“ sagte Paul Hug zu dem geplanten Standort des Stalles.
Später sollen hier die Sauen fertig gemästet werden, dass heißt es sind keine Transporte zwischen verschiedenen Ställen mehr notwendig. Dadurch haben die Tiere weniger Stress und sind gesünder.
Auf dem Areal werden dann nur noch circa 120 Tiere gehalten. „Es muss auch die Wirtschaftlichkeit gegeben sein,“ betonte Reinhard Dingler. Zu Irritationen führte ein Plan, der vorgestellt wurde und nicht dem aushändigenden Plan entsprach. Bürgermeister Atalay erklärte, dass dieser Plan erst wenige Stunden vor der Sitzung der Verwaltung übergeben wurde. Hier hatte der Bauherr bereits die geäußerten Einwendungen eingearbeitet.
Viele der Anwesenden Zuhörer hatten Bedenken bezüglich der Geruchsemmissionen. Reinhard Dingler hatte hierfür eine Computerberechnung dabei, die zeigte, dass die Bevölkerung keinen oder nur sehr wenig Geruch ausgesetzt ist. Da auch weniger Schweine gehalten werden und die Ställe mit einer besseren Technik ausgerüstet werden, geht Dingler von einer minimalen bis keine Geruchsbelästigung aus.

„Das sind mir zu viele vielleicht und wahrscheinlich,“ äußerte sich Dirgenheims Ortsvorsteher Peter Strobel. Da Atalay die Diskussion auch ins Publikum öffnete wurde eine sehr emotionale Diskussion geführt. Doch der Bürgermeister blieb stehts Herr der Lage, auch als die Stimmungslage kurz hochkochte, beruhigte er die Gemüter.
Michael Bullinger erklärte, dass der Bau des Tierwohlstalles rechtlich gesehen in Ordnung gehe. Da für den Außenbereich kein Bebauungsplan vorliegt und es keine Hinderungsgründe gibt.

Der Gemeinderat Hubert Schurrer, aus Jagstheim, äußerte die Angst, dass weitere Ausbauten nachkommen, und befürchtet das die Dimensionen zu groß werden. „Auch ich bin für Tierwohl keine Frage,“ betonte er und schlug vor, gemeinsam mit dem Bauherrn nach einer Lösung zu suchen. Auch Bürgermeister Danyel Atalay schlug weitere Gespräch vor. Die beiden Bauvorhaben wurden mit einer Ja-Stimme, drei Gegenstimmen und fünf Enthaltungen abgelehnt. So geht das Verfahren in die nächste Runde.

Michael Scheidle

Der Gemeinderat versagte die Zustimmung zu einem Tierwohlstall bei Jagstheim

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