Dombacher kennt seine „Pappenheimer“ bestens

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Foto Werner Dombacher bei seinem Vortrag in der dicht besetzten Synagoge. (Foto: -afn-)
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Werner Dombacher spürt in der Synagoge den Wurzeln der gleichnamigen jüdischen Familie nach.

Bopfingen-Oberdorf. Die Erinnerung an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 gilt als Fixpunkt im Jahresprogramm des Trägervereins ehemalige Synagoge. Diesmal konnte Vorsitzender Michael von Thannhausen viele Besucher zu einem interessanten Vortrag von Werner Dombacher begrüßen. Dombacher gehört zu den Initiatoren der Aalener Stolperstein-Gruppe und verschiedener christlich geprägter Institutionen.

„Ich kenne meine Pappenheimer“. Dieses zum geflügelten Wort gewordene Zitat aus Schillers Wallenstein lässt sich auch auf Werner Dombacher anwenden. Der hat sich mit Eifer, Fleiß und wissenschaftlicher Recherche auf die Spurensuche der jüdischen Sippe Pappenheimer gemacht. Diese ist über mehrere Generationen nicht nur in Nördlingen, Bopfingen und Oberdorf nachgewiesen, sondern auch in Aalen. „Jedenfalls hat aber dieser bis in Jahre 1730 zurückreichende Name der jüdischen Sippe nichts mit dem Ort Pappenheim im Taunus zu tun“ stellte Dombacher fest.

Auf Basis einer SchwäPo-Serie „Juden in Aalen“ hat Dombacher weiter geforscht und erläuterte mit Fotos und Dokumenten die Geschichte des Aalener Zweigs der Pappenheimer.

Diese Familie hatte ihr Textilgeschäft von 1922 bis 1925 in der „Trompete“. Danach kaufte Moritz P. das Haus Bahnhofsstraße 51, in Aalen (das dritte Gebäude nach der früheren Bäckerei Mildenberger – heute Kocherladen), das 1945 beim Einmarsch der US-Truppen zerstört wurde, weil sich davor eine Panzersperre befand. Moritz P. verkaufte das Gebäude 1935 an die Geschwister Maier.

Sohn Siegfried und Tochter Ruth besuchten den evangelischen Kindergarten, danach die Bohlschule, wo sie als Juden rausgeworfen wurden. Siegfried besuchte von 1936 bis 1938 ein Internat in Italien, Ruth ab 1938 ein jüdisches Institut in Frankfurt, wohin Siegfrid, wieder nach Deutschland zurückgekehrt, gleichfalls wechselte. Durch Vermittlung von Verwandten konnten sie mit einem Kindertransport nach England vor dem Holocaust gerettet werden.

Nachdem den Eltern und Ruth schon zuvor gelang, nach Palästina auszureisen, konnte Siegfried als 13-Jähriger über Genua nach Haifa nachkommen. So viel Glück war anderen Verwandten nicht beschieden. Sie wurden in Konzentrationslagern umgebracht.

Diese Geschichte der Aalener Pappenheimer, an die auch ein Stolperstein in der Bahnhofsstraße in Aalen erinnert, ist nur ein Beispiel für die Schicksale anderer jüdischer Familien, die Werner Domberger in seinem interessanten Vortrag spannungsvoll aufzeigte. Erwin Hafner

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