Schluss mit dem Kükenschreddern

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Die Familie Feldwieser von links: Pauline, Sandra, Max, Markus, Anna und Jakob bei ihren Hühnern.
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Der Eierhof der Familie Feldwieser aus Bopfingen-Oberdorf kommt dem Gesetzgeber zuvor und will nun selbst männliche Küken auf dem Hof mitaufziehen.

Bopfingen-Oberdorf. Landwirtschaft ist kein Selbstläufer. Wer im Metier bestehen will, muss innovativ sein. Und weil für die Familie Feldwieser aus Bopfingen-Oberdorf auch Tierwohl zählt, hat sich der Betrieb inzwischen einer Initiative angeschlossen, deren Ziel es ist, das Schreddern männlicher Küken zu verhindern. Diese Praxis will der Gesetzgeber ohnehin ab Januar 2022 verbieten.

Doch der Reihe nach. In vierter Generation betreibt Markus Feldwieser einen landwirtschaftlichen Betrieb. 1970 wurde aus Oberdorf umgesiedelt an den Ortsrand, in die Schulstraße 60. Schweinezucht betrieben die Feldwiesers dort bis 2016. Doch hohe Auflagen und geringe Gewinnmargen auf einem übersättigten Markt zwangen zum Umdenken.

Schwieriges Hühner-Business

„Nur 30 Prozent der in Baden-Württemberg verkauften Eier kommen aus dem Ländle“, wusste Markus Feldwieser schon damals und auch, „dass es nicht leicht ist, in diesen Markt reinzukommen. Hier zählt Selbstvermarktung, es gibt keine Genossenschaften“.

Gewagt hat er das Risiko dennoch, und mit Erfolg. Aus den Schweineställen wurden Ställe für die Hühnerhaltung. Freilandflächen, in denen inzwischen 12.000 Hühner gackern und fleißig Eier legen. Bis zu 40 .000 die Woche. Die geforderten vier Quadratmeter pro Tier würden locker eingehalten, sagt Markus Feldwieser.

Viele Standbeine für den Hof

Daneben haben die Feldwiesers einen Hofladen entwickelt und Automaten aufgestellt. In Essingen und am Hof in Oberdorf kann sich die Kundschaft Eier oder Grillfleisch aus den Automaten ziehen. Was vor allem in der Corona-Zeit ein echter Selbstläufer geworden sei, wie Feldwieser sagt. Ein paar Schweine hierfür gibt es auch noch auf dem Hof, eine Biogas-Anlage und etwas Ackerbau gehören zudem zum Betrieb.


Schwierig sei das Geschäft mit den Eiern gewesen, als die Familie im Herbst 2016 startete. „Hühner legen Eier und fragen nicht, ob du sie auch verkaufst“, erinnert sich Feldwieser. Doch rasch fand der Landwirt den Einstieg in den Einzelhandel. Edeka, Rewe, Kaufland und andere haben inzwischen Eier vom Feldwieser Hof aus Oberdorf im Sortiment.


Der Hof gehört längst zu den „Eierhöfen aus Baden-Württemberg“. „Mittlerweile machen hier 40 Betriebe mit. In der Region sind wir aber die einzigen“, sagt Sandra Feldwieser. Alle Betriebe der Eierhöfe sind zertifiziert (QZBW und KAT) und werden regelmäßig unangemeldet kontrolliert. Bio-zertifiziert ist der Feldwieser Hof zwar nicht, verwendet würde aber nur gentechnikfreies Futter, Getreide und Soja aus der Region. „Lieber regional, statt Bio aus Übersee“, ist der Landwirt überzeugt.

Aufzucht statt Kükentöten


Im Verband der Eierhöfe ist die Initiative „Aufzucht statt Kükentöten“ entstanden, der sich die Feldwiesers im Januar 2020 angeschlossen haben. Ziel dabei ist es, Landwirten die Aufzucht männlicher Küken in der Legehennenhaltung zu ermöglichen. In Hühnermastbetrieben werden Hahn und Henne in 32 Tagen auf ein Gewicht von 1,6 Kilo gemästet, danach werden die Tiere geschlachtet. In der Legehennenhaltung werden nur Hühner großgezogen. Männliche Küken werden getötet.


Die Feldwiesers kaufen ihr Junghennen inzwischen bei einem Betrieb, der auch Hähne aufzieht. Doch Gewinn sei mit Hähnen nicht zu machen, meint Markus Feldwieser. Trotzdem will die Familie ab 2022 männliche Küken auf dem eigenen Hof mitaufziehen. Die Aufzucht eines Hahns koste etwa vier Euro. Hähne hätten aber weniger Fleisch als Masthähnchen. „Diese sind nach sechs Wochen schlachtreif und fressen viel weniger“, weiß der Landwirt. Das Fleisch der Hähne sei jedoch geschmacklich sehr gut. Es sei langsam gewachsen, zirka 90 Tage, ohne den Einsatz von Antibiotika oder genverändertem Futter.


„Für uns ist es ethisch einfach nicht richtig, die männlichen Küken in der Legehennenhaltung zu töten, nur weil sie langsamer wachsen, mehr Futter brauchen oder einfach weniger Fleisch ansetzen. Unsere Vision ist es daher, die Hähne auch aufzuziehen. Hierfür benötigt es aber gemeinsamer Anstrengung - angefangen beim Landwirt, über die Schlachtereien und die Verarbeiter bis zum Handel“, sagt Markus Feldwieser.

Tierwohl hat seinen Preis

Für das Überleben der männlichen Küken zahlt der Kunde. Nur wenn der mitmacht, kann das Ziel erreicht werden. Die Kosten für die Eier sind daher um ein paar Cent teurer geworden.


Betriebe der „Huhn & Hahn Initiative“ tragen ein rotes Qualitätssiegel. Tragen dürfen das Siegel auch Produzenten, die Hahnfleisch verwerten. Klar ist, Eier und Fleisch von Höfen wie dem der Feldwiesers kosten mehr als Ware im Discounter. „Man kann nicht Tierwohl verlangen und nichts dafür aufbringen“, hält Markus Feldwieser die Preispolitik für absolut gerechtfertigt.


Der Erfolg gibt der Familie bislang recht. Und besonders freuen sich die Eheleute Feldwieser, dass der Hof auch in der nächsten Generation erhalten bleiben kann. Sohn Jakob (19) lernt gerade das Handwerk von der Pike auf. Das zweite Lehrjahr hat er bei einem Geflügelbetrieb in Möckmühl absolviert, das dritte Lehrjahr nun in einem Betrieb in Wippingen bei Blaustein.

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