Wie sich die Synagoge öffnen soll

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Landrat Dr. Joachim Bläse (vorn) in der ehemaligen Synagoge Oberdorf. Kulturreferentin Johanna Fuchs, Bürgermeister Dr. Gunter Bühler und Trägervereinsvorsitzender Michael von Thannhausen (hinten, von links) informierten über das Konzept und neue Ideen.
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Den ersten Besuch von Landrat Bläse nehmen die Verantwortlichen zum Anlass, um über weitere Konzepte für das geschichtsträchtige Bauwerk zu informieren.

Bopfingen-Oberdorf

Es war eine doppelte Premiere: Zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr vergangenen Jahres wurde die ehemalige jüdische Synagoge Oberdorf für Besuch aufgeschlossen. Der Besucher – Landrat Dr. Joachim Bläse – war zum ersten Mal in seiner Amtszeit zu Gast. Der Vorsitzende des Trägervereins der Synagoge, Michael Freiherr von Thannhausen, Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler und die Kulturreferentin des Vereins und Bopfinger Stadtarchivarin, Johanna Fuchs, stellten das Gebäude, seine Geschichte und das Konzept des Trägervereins vor.

Das Bauwerk: Die Außenrenovierung ist abgeschlossen, auch innen ist alles fein gerichtet, aber manches nicht mehr zeitgemäß. Die Dauerausstellung auf der Frauenempore im ersten Stock beispielsweise gibt Einblick in mehrere Jahrhunderte jüdisches Leben in Oberdorf und in der Region – auf Schautafeln. Da sei eine Neukonzeption notwendig, moderner wolle man werden, um auch junge Leute anzusprechen, sagt Kulturreferentin Johanna Fuchs. Auf Nachfrage des Landrats erläutert sie, dass der Synagoge immer wieder Nachlässe und Funde wie historische Tagebücher, seltener auch religiöse Gegenstände gestiftet werden. „Und es gibt immer wieder welche, die anrufen und eine Geschichte zu erzählen haben.“

Zu den Nachfahren ausgewanderter jüdischer Familien, etwa zur Familie Noymer – ehemals Neumaier – in New York, gebe es gute Kontakte, schildert Bürgermeister Dr. Gunter Bühler. Deren regelmäßige Besuche in Bopfingen spiegelten „deutsche Kultur jüdischen Glaubens“ und enge familiäre Verbundenheit mit der Region wider. Bühler: „Die kommen nicht, um anzuklagen, sondern um zu versöhnen.“ Das sei auch sein Ansatz im heutigen Umgang mit der Geschichte: „Die junge Generation muss sich nicht schuldig fühlen, aber sie muss Verantwortung empfinden.“

Konzept und Ideen: Erinnern, aber nach vorne schauen – darin müsse der Schwerpunkt für die Zukunft liegen, so die Runde sinngemäß. Trägervereins-Vorsitzender Michael Freiherr von Thannhausen äußerte die Hoffnung, der Landkreis möge das Projekt weiter unterstützen, nicht nur beim Erhalt des Bauwerks, sondern auch bei dessen Öffnung nach außen: Man wolle sich stärker etablieren als Begegnungsstätte, wolle Kulturveranstaltungen anbieten, auf Schulen und Vereine zugehen.

Gestemmt wird das Ganze ehrenamtlich und mit Hilfe von Spenden. Mit Mitgliedsbeiträgen von 20 Euro könne der 150 Personen zählende Trägerverein nicht viel ausrichten, so der Vorsitzende. Erfreulich sei, dass es immer wieder Einzelspenden in beachtlicher Höhe, auch aus der Wirtschaft, gebe.

Kreisweite Bedeutung: Wie Bürgermeister Dr. Bühler wünscht sich von Thannhausen, dass die kreisweite Bedeutung der ehemaligen Synagoge stärker in den Fokus rückt. Von Thannhausen erinnert an den Arbeitskreis regionaler Archivare mit dem Titel „Spuren jüdischer Geschichte im Ostalbkreis“ und regt neue Treffen nach Corona an. Bühler sieht die „einzige intakte Synagoge im Ostalbkreis“ als Gedenk- und Begegnungsstätte, hält aber in der laufenden Antisemitismusdebatte ein gewisses Maß an Diskretion für geboten.

Landrat Bläse sagt am Ende Unterstützung des Ostalbkreises auf vielerlei Ebenen zu, ohne allerdings ins Detail zu gehen. Er empfinde es als persönliche Verpflichtung, auf lokaler Ebene „gegen das Vergessen“ des Holocaust zu arbeiten. Wichtig sei es aber auch, wegzukommen von „Betroffenheit“ und hin zu „Gemeinsamkeit“ bei der Akzeptanz von Menschen jeglichen anderen Glaubens. Wenn es im zweiten Schritt gelänge, jüdisches Leben im Ostalbkreis wieder zu etablieren und Menschen zu ermuntern, sich dazu zu bekennen – „das wäre ein starkes Signal für den Ostalbkreis“, betont der Landrat.

Wir wollen die Synagoge stärker öffnen.“

Michael Freiherr v. Thannhausen, Vorsitzender Trägerverein

„Meet a jew“

Vom jüdischen Leben hier und heute zu erfahren ist die Idee hinter der Veranstaltungsreihe „Meet a Jew“ („Triff' einen Juden“). Getragen wird das bundesweite Projekt vom Zentralrat der Juden in Deutschland, die Schirmherrschaft hat der Bundespräsident. Auch der Trägerverein ehemalige Synagoge Oberdorf lädt zu einer Dialogveranstaltung mit zwei jüdischen Mitbürgern ein: am Sonntag, 11. Juli, 14 Uhr. Es gibt 30 Plätze, die Teilnahme ist kostenfrei nach Anmeldung per E-Mail: info@synagoge-oberdorf.de oder telefonisch: (07362) 801-38
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Mehr zur Geschichte der Synagoge und des Trägervereins: www.synagoge-oberdorf.de

Landrat Dr. Joachim Bläse in der ehemaligen Synagoge Oberdorf. Kulturreferentin Johanna Fuchs, Bürgermeister Dr. Gunter Bühler und Trägervereinsvorsitzender Michael von Thannhausen informierten über das Konzept und neue Ideen.
Landrat Dr. Joachim Bläse (links) in der ehemaligen Synagoge Oberdorf. Kulturreferentin Johanna Fuchs, Bürgermeister Dr. Gunter Bühler und Trägervereinsvorsitzender Michael von Thannhausen informierten über das Konzept und neue Ideen.

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