Pflaumlochs wandelndes Ortslexikon

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Wilhelm Schnierer mit seinen Werken über Pflaumloch.
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Wilhelm Schnierer kennt Pflaumloch wie kein anderer. 60 Jahre war er Schulleiter am Ort. In seiner Freizeit hat er Pflaumlochs Ortsgeschichte verfasst und als Buch herausgegeben.

Riesbürg-Pflaumloch

Wilhelm Schnierer sitzt auf der Terrasse seines Hauses und erzählt Geschichten über Pflaumloch. Kaum einer kennt sich mit dem Ort besser aus als er. Sein Buch „Pflaumloch – Ortsgeschichte mit Bildern“ liegt auf dem Tisch. Daneben Kopien der 15 Bleistiftzeichnungen, die er für einen Kalender gezeichnet hat. Als Vorlage für die Zeichnungen hat er alte Fotos verwendet. Erschienen ist der Kalender in den Jahren 2003 und 2005, genauso wie sein Buch eine zweite Auflage erlebte, wegen der großen Nachfrage.

Was er an Pflaumloch mag? „Wo fang ich an? Seit 1963 bin ich hier,“ erzählt der ehemalige Schulleiter. Geboren wurde er 1935 in der Slowakei, sein Vater war nach dem Krieg Lehrer in Härtsfeldhausen. „Von dort aus fuhr ich jeden Tag mit dem Fahrrad ins Progymnasium nach Bopfingen,“ erinnert sich Schnierer.

Nach einer Station in Westhausen kam er als zweiter Lehrer vor fast 60 Jahren nach Pflaumloch. „Damals war es Voraussetzung, dass der Lehrer auch den Kirchenchor führte und Organist in der Kirche war.“

Für Wilhelm Schnierer Ehrensache. Er baute den kleinen Kirchenchor zu einem großen Chor auf, der auch sehr anspruchsvolle Konzerte mit Orchesterbegleitung gab. Werke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart und Joseph Haydn standen auf dem Programm. „Als katholischer Kirchenchor durften wir sogar in die evangelische Kirche,“ sagt Schnierer und grinst verschmitzt.

Kirchliche Musik ist bis heute sein Steckpferd geblieben. Die historische Aufarbeitung von Pflaumloch hat er gemacht, weil es ihn einfach interessierte.

Von 1973 bis 1999 war Wilhelm Schnierer Schulleiter der Grundschule in Pflaumloch. Dadurch kam er zur Geschichte des Ortes. „Was ein Dorfschullehrer halt so macht,“ sagt Schnierer und lacht herzlich.

„Pflaumloch ist eine nicht sehr homogene Gemeinde,“ sagt Wilhelm Schnierer und meint damit die Zeit des 19. Jahrhunderts. Damals waren 50 Prozent der Pflaumlocher Juden und der Rest teilte sich in katholische und evangelische Christen auf.

Die Juden trieben hauptsächlich Handel und noch heute ist Pflaumloch eher industriell geprägt. „Pflaumloch ist nicht so landwirtschaftlich geprägt wie die Orte drum rum,“ sagt er. Auch die Bausubstanz weiche von den landwirtschaftlich strukturierten Orten ab. Einer Legende nach, sollte die Eisenbahnlinie einst von Bopfingen nach Nördlingen über Utzmemmingen verlaufen, da hier das Gelände ebener war. Doch den Pflaumlocher Juden sei es gelungen, die Linie durch Pflaumloch bauen zu lassen. So konnten sie ihren Handel weiter ausbauen. Bereits 1907 aber verließ die letzte jüdische Familie Pflaumloch, da die Handelsmöglichkeiten nicht mehr gegeben waren.

Wilhelm Schnierer ist eine Art Pflaumlocher Wikipedia. Er hat über den Ort alles zusammengetragen, veröffentlicht und so kommenden Generationen erhalten. Was er am meisten hier mag? „Ach, wo soll ich da denn anfangen“, lacht er.

Bekannter Kopf

Volker Wörle, Adler-Wirt in Utzmemmingen, schwärmt von seiner Heimat. Der 35-jährige Küchenmeister kickt in der AH. „Die Sportstätten hier gehören zu den schönsten der Region,“ sagt er. Ries und Ostalb träfen in Utzmemmingen harmonisch aufeinander. Utzmemmingen ist zudem seit 1972 staatlich anerkannter Erholungsort. Natur und kurze Wege in die Städte, das schätzt Wörle, und wie schön Riesbürg ist, das sagen ihm Gäste aus ganz Deutschland.

Instagram-Fotomotiv

Goldberg, Ohrenberg und das Rathaus in Pflaumloch - für Riesbürgs Bürgermeister Willibald Freihart sind dies die drei markantesten Orte in Riesbürg. Der Goldberg, 550 Meter hoch, ist eine vorgeschichtliche Siedlungsstätte. Zwischen etwa 4000 und 250 v. Christus beherbergte der Berg fünfmal Siedlungen. Wer sich dort wann niedergelassen hat, erfahren Besucher im Goldbergmuseum. Das Gelände rund um den Goldberg ist Naturschutzgebiet.

Schon gewusst?

Die Ofnethöhlen liegen knapp auf Gemarkung Nördlingen, sind aber von Utzmemmingen aus viel leichter zu erreichen. Steinwerkzeuge und Tierknochen (3000 - 5000 v. Chr.) wurden dort gefunden. Robert Rudolf Schmidt fand 1901 dort zwei Nester, in denen 33 Menschenschädel lagen - alle nach Westen ausgerichtet und aus der Mittelsteinzeit (um 7700 v. Chr.) Was dort geschah? Ein Massaker, rituelle Opfer, Kaniballismus? Die Wissenschaft rätselt.

Adler-Wirt Volker Wörle aus Utzmemmingen
Der Goldberg und dahinter Goldburghausen.
Der Eingang zur großen Ofnethöhle.

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