Prozess um toten Zweijährigen: Vorwürfe im Beziehungswirrwarr

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Die Männer der Mutter des zu Tode gequälten Nicks schildern, wie sie die Situation wahrgenommen haben - auch sie belasten den Angeklagten.

Ellwangen/Bopfingen

Am Dienstag, dem fünften Prozesstag im Fall des zu Tode gequälten kleinen Nicks, wurden auch die Männer der Mutter vernommen – der leibliche Vater Nicks und der Mann, mit dem die Mutter des toten Kindes bis heute noch verheiratet ist.

Über Gewalt und Kälte

Der Noch-Ehemann (48, Metallarbeiter) schilderte, wie er die Dinge bis zur Eskalation erlebt hat. Bis Nick sechs Monate alt war, habe seine Familie mit fünf Kindern noch zusammengelebt. Er habe gearbeitet, manchmal zwei Schichten, trotzdem habe er sich um Hausarbeit und Kinder gekümmert. „Ich wollte die Familie zusammenhalten, dass die Kinder im Mittelpunkt stehen, sie wollte selbst im Mittelpunkt sein“, sagte er über seine Frau. Und: „In 16 Ehejahren verstand sie es immer, Menschen zu manipulieren und dabei auf Unschuldsengel zu machen“.

Nick habe er ins Herz geschlossen, und obwohl nach einem Vaterschaftstest klar war, dass er nicht dessen leiblicher Vater ist, habe er ihn als Sohn angenommen. Der Junge habe sich normal entwickelt, er habe sich viel mit ihm beschäftigt. Dass er tot ist, quäle ihn.

Nach einem Streit habe sich das Paar getrennt, die Frau sei nun wieder mit Nicks biologischen Vater zusammengekommen. Sie habe ihm seine Kinder vorenthalten, ihn schlecht gemacht, so dass seine Kinder nichts mehr mit ihm zu tun haben wollten und der Kontakt vollkommen abgebrochen sei.

Vorsitzender Richter Bernhard Fritsch hielt dem Mann entgegen: „Ihre Kinder und ihre Ehefrau haben Gewalterfahrungen mit ihnen gemacht, deshalb wurde eine Verfügung gegen sie erwirkt.“ – „Es stimmt, ich habe meine Kinder geschlagen, aber Menschen können sich ändern und ich habe mich geändert“, antwortete der Mann. Seine Frau habe beim Jugendamt über ihn gelogen, wie seine Schwiegermutter auch, behauptete er.

Den Angeklagten habe er privat einige Jahre zuvor kennengelernt. So habe ihn auch seine Frau getroffen. Später, als sie mit dem Angeklagten zusammen war, hätten seine Kinder sich bei ihm wieder gemeldet. „Papa, der schlägt uns“, habe ihm seine Tochter am Telefon gesagt. Er habe den Angeklagten zur Rede gestellt. Der sei alkoholisiert gewesen und habe alles abgestritten. Zuvor schon habe er gefühlt, „dass es meinen Kindern nicht gut geht“, sagte der Mann. Richter Bernhard Fritsch wollte Genaueres hierzu wissen, doch der Mann lieferte nichts Konkretes.

Nach Nicks Tod seien seine Frau und der älteste Sohn bei ihm für ein paar Monate eingezogen. Er habe sich gekümmert. Schockiert habe ihn „die Kälte“ seiner Frau bei der Leichenschau und später bei der Beerdigung. Inzwischen lebe er allein, seine Frau will „er nie wieder sehen“.

Nicks Vater flog einfach raus

Nicks leiblicher Vater (46, Industriemechaniker) berichtete dann, dass er mit der Mutter seit Ende 2017 eine Beziehung hatte, die immer wieder durch Trennungen unterbrochen worden sei - verursacht durch den Ehemann der Frau. Kennengelernt habe er seinen Sohn erst, als der sechs Monate alt war. Nick sei ein Wunschkind für beide gewesen, sagte er aus. Die Mutter habe sich zunächst liebevoll um ihn gekümmert, sich dann aber mehr und mehr zurückgezogen.

Nick habe sich normal entwickelt. Vornehmlich er habe sich um den Jungen gekümmert, ihn gewickelt, gefüttert, gebadet, mit ihm gespielt, die Frau habe nach den anderen Kindern gesehen. Gemeinsam habe man mit fünf Kindern in Aufhausen gelebt. Sein Verhältnis mit den anderen Kindern sei „einwandfrei“ gewesen. „Es hat alles sehr gut funktioniert“, sagte er.

„Von jetzt auf gleich“ aber habe ihn Nicks Mutter im Mai 2021 „rausgeschmissen“ und der Angeklagte sei nun bei ihr eingezogen. Der sei vorher schon immer wieder da gewesen, Probleme habe er mit ihm nie gehabt, sagt der Mann aus. Eine „merkwürdige“ Szene habe er mit diesem aber in Erinnerung. Der habe ihm – eine halbe Flasche Whiskey intus - mal gesagt, er würde vor Mord keinen Halt machen. Die Mutter seines Kindes sei mit dem Angeklagten an Wochenenden unterwegs gewesen, er sei arbeitslos gewesen und habe sich eben um die Kinder gekümmert.

Der Ehemann dagegen habe ihn, die Mutter und die Kinder immer wieder bedroht, sogar eine Morddrohung gegen ihn ausgesprochen, die er angezeigt habe. Er habe ihm auch verboten, zur Beerdigung von Nick zu kommen und ihm wieder gedroht. Das Grab seines Sohnes habe er später hergerichtet.

Nach seinem Rausschmiss habe er gar keinen Kontakt mehr zur Familie gehabt, auch zu Nick nicht. Der Angeklagte habe ihm manchmal Fotos des Jungen aufs Handy geschickt. Er wollte Umgang mit seinem Jungen, sagte er, aber die Mutter habe ihn hingehalten, also habe er abgewartet und gehofft.

Nach dem Tod des Jungen habe sie ihn zwar angerufen, aber „alles was ich darüber weiß, weiß ich aus der Zeitung“, sagte er. Zwei Tage habe es gedauert, bis die Polizei ihn informiert habe.

Die Verhandlung wird am 13. Mai, 9.15 Uhr fortgesetzt. Aussagen sollen dann unter anderem Mitarbeiter des Jugendamtes Schwäbisch Hall.

Mehr zur Gerichtsverhandlung:

Prozesstag 1: Totes Kind: Lebenslänglich oder nicht?

Prozesstag 2: Fall des zu Tode misshandelten Jungen: Es gibt keine Zeugen für den Tritt

Prozesstag 3: Getöteter Zweijähriger: Mutter sagt vor Gericht nicht aus

Prozesstag 4: Tod des kleinen Nicks: Retter schildern die Todesnacht

Prozesstag 5: Getöteter Zweijähriger: Nicks Bruder belastet Angeklagten

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