Durchbruch für die Ortsumgehungen

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Landesverkehrsministerium will B 29-Umfahrungen für Trochtelfingen und Pflaumloch realisieren – in zehn Jahren könnten beide Projekte bereits realisiert sein.

Bopfingen/Riesbürg

Endlich sehen wir Licht am Ende des Tunnels." Riesbürgs Bürgermeister Willibald Freihart freut sich, denn Landesverkehrsminister Winfried Herrmann hat nun ein klares Signal pro Realisierung der Ortsumfahrungen von Pflaumloch und Trochtelfingen gegeben. Im besten Falle könnten beide Umfahrungen bis in zehn Jahren gebaut sein. Die große Lösung einer neuen B 29 von der Röttinger Höhe bis nach Nördlingen kommt dagegen – wenn überhaupt – zeitlich sehr, sehr viel später.

Neue Priorisierung beim Land

Landesverkehrsminister Winfried Hermann hat in Stuttgart präsentiert, wie das Land die Projekte des Bundesverkehrswegeplans realisieren will. Baden-Württemberg hat vom Bund den Zuschlag für 117 Straßenbauprojekte erhalten. Rund 9,5 Milliarden Euro stehen zur Verfügung. Die Reihenfolge, in der die Maßnahmen angegangen werden, überlässt der Bund den Ländern.

Baden-Württemberg habe daher eine Priorisierung der Projekte ersonnen, so Herrmann. Alle Bauprojekte, die im Bundesverkehrswegeplan als vordringlich einstuft, sind, wurden in zwei Kategorien eingestuft. 46 Maßnahmen davon stehen nun in der Liste, die zuerst angegangen werden sollen. Darunter sind die B 29-Projekte Unterkochen-Ebnat, Gmünd-Mögglingen, Essingen-Aalen, Ortsumfahrung Mögglingen und eben auch die Ortsumfahrungen für Trochtelfingen und Pflaumloch.

In der zweiten Kategorie steht aktuell die große B 29-Lösung von der Röttinger Höhe bis nach Nördlingen. Bei Projekten in der zweiten Kategorie sollen die Bewertungsergebnisse des Bundesverkehrswegeplans zwar übernommen werden, jedoch soll diese Prüfung um landespezifische Kriterien ergänzt werden.

Vom Bund hat Baden-Württemberg für den Straßenbau nun mehr Geld erhalten, als das Land verbauen kann. Es gibt nämlich personelle Engpässe in den Planungsbehörden. Das ist ärgerlich, weil der Bund die Gelder im "Windhundverfahren" ausgesetzt hat. Das bedeutet, wer eine fertige Planung vorlegen kann, kommt als Erster zum Zuge.

Zwar hat das Land eine Personaloffensive gestartet, doch schlägt diese bislang noch nicht spürbar durch, weil Fachleute rar und schwer in Behörden zu locken seien. Bleibt es bei der derzeitigen Personalsituation bei den Verkehrsplanern, könnten bis zur Realisierung der Maßnahmen in Pflaumloch und Trochtelfingen noch 18,5 Jahre vergehen, schätzt das Ministerium. Können die Personalkapazitäten aber rasch aufgestockt werden, ließen sich die Projekte innerhalb von rund zehn Jahren zum Abschluss bringen.

Für die Realisierung einer großen Lösung, einer B 29neu von der Röttinger Höhe nach Nördlingen, bedeutet dies in jedem Fall einen deutlich längeren Zeitraum.

50 neue Verkehrsplaner

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter und sein CDU-Kollege im Landtag Winfried Mack sind zufrieden: "Wir befinden uns derzeit in intensiven Gesprächen mit den Verkehrsministerien des Bundes und des Landes. Unser Ziel ist es, dass möglichst zeitnah alle Maßnahmen in Ostwürttemberg, die der Bundestag im Bundesverkehrswegeplan beschlossen hat, geplant und gebaut werden." Winfried Mack fügt hinzu: "Im Landtag haben wir dafür gesorgt, dass das Verkehrsministerium deutlich mehr Mittel für die Planung von Bundesstraßen zugewiesen bekommt. Außerdem erhält die Straßenbauverwaltung 50 neue Stellen, damit mehr Straßen geplant und gebaut werden können."

Plant der Landkreis selbst?

Auch Landrat Klaus Pavel ist hochzufrieden mit dem Ergebnis für Pflaumloch und Trochtelfingen. Er erinnert daran, dass es "Ausgangslage aller Bemühungen war, Trochtelfingen und Pflaumloch vom Verkehr zu entlasten. Wenn dies nun geschieht, haben wir eine ganze Menge erreicht", findet der Landrat.

Seit einigen Wochen liefen Gespräche zwischen dem Landkreis und der Leitungsebene im Verkehrsministerium. Auch daher wisse er um die angespannte personelle Situation im Straßenplanungswesen. Der Landkreis habe bereits bei B 29-Maßnahmen, beispielsweise in Hüttlingen oder am Kellerhaus, die Planung für das Land übernommen und bewiesen, "dass wir das können", sagt Pavel. Er hält es für denkbar, dass der Landkreis auch die Umfahrungen Pflaumloch und Trochtelfingen plant, zumal es alte Pläne gebe. Die müssten zwar überarbeitet werden, stellten aber eine Grundlage dar, wie Pavel sagt. Er will dem Verkehrsministerium einen entsprechenden Vorschlag unterbreiten, damit beide Ortsumfahrungen zeitnah realisiert werden können.

Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler freut sich über die Nachrichten aus Stuttgart. Die Initiative für eine Veränderung in Sachen B 29 sei von Klaus Pavel, Roderich Kiesewetter und ihm selbst angestoßen worden, erinnert Bühler. "Und das erste Ziel war es, Trochtelfingen und Pflaumloch zu entlasten. Daher bin ich zufrieden, dass dieses Ziel nun zum ersten Mal in 40 Jahren in greifbare Nähe rückt."

Aufhausen muss warten

Dass das Land eine neuerliche Priorisierung vorgenommen habe, überrasche ihn nicht. Die beiden Ortsumfahrungen und eine große B 29-Lösung müssten unterschiedlich bewertet werden, meint Bühler. Dennoch müsse das Land nun all jenen in Bopfingen und Aufhausen eine Perspektive aufzeigen, die ebenfalls unter dem Verkehr litten. Zudem hänge die Planung für eine Ortsumfahrung Trochtelfingen und deren Gestaltung eng mit einer möglichen neuen B 29 von der Röttinger Höhe nach Nördlingen zusammen. "Dass der Bund hier eine große Lösung fordert, ist in der Sache richtig", bekräftigt Bühler.

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