Zuschlag für Utzmemmingen

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Schulgebäude in Utzmemmingen
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Das Gremium hat entscheiden: Die einzügige Ganztagsgrundschule wird Mitte des Jahrzehnts in Utzmemmingen geschaffen. Dafür wird die Grundschule Pflaumloch für immer geschlossen.

Riesbürg

Ab Mitte des Jahrzehnts wird es in Utzmemmingen eine einzügige Ganztagsgrundschule geben. Gleichzeitig wird die Grundschule Pflaumloch für immer geschlossen. Das hat der Gemeinderat nach einer kontroversen, aber konstruktiven Diskussion mit acht zu fünf Stimmen entschieden. Dies bedeutet, dass auf lange Sicht alle Riesbürger Grundschüler der Klassen eins bis vier in Utzmemmingen unterrichtet werden.

Hintergrund dieses Beschlusses ist die Absicht der Landesregierung, ab dem Schuljahr 2026/2027 einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagesbetreuung einzuführen.

Das Thema war unter den Gemeinderatsmitgliedern hoch umstritten. Entsprechend unversöhnlich prallten die unterschiedlichen Ansichten aufeinander. Die Utzmemminger Räte plädierten uneingeschränkt für ihren Ort als künftigem Ganztagesstandort. Sie verwiesen dabei vor allem auf den Riesbürger Eingemeindungsvertrag von 1972, in dem klar geregelt sei, dass der Grundschulschulstandort Utzmemmingen sein sollte. Ortsvorsteherin Gabriele Hala kündigte für den Utzmemminger Ortschaftsrat an, gegen einen Zuschlag für Pflaumloch als Standort gerichtlich vorzugehen.

Vor der Abstimmung hatte Pflaumlochs Ortsvorsteher Julian Schwarz den Antrag gestellt, die Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt zu vertagen und im Rahmen einer Klausurtagung mit einem externen Mediator das Thema Ganztagsschule nochmals von allen Seiten zu beleuchten. Der Ortschaftsrat Pflaumloch halte eine Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt für zu früh, argumentierte Schwarz.

Dieses Ansinnen wurde allerdings mit sieben zu sechs Stimmen denkbar knapp abgelehnt.

Die Vertreter aus Pflaumloch und Goldburghausen hielten das Thema nämlich für noch nicht entscheidungsreif, weil aus ihrer Sicht nicht alle Aspekte zu einer solch weitreichenden Entscheidung beleuchtet worden seien.

Franziska Brenner (Pflaumloch) sagte, bisher habe man sich beispielsweise noch keine Gedanken über Konzepte für ein Ganztagsschulangebot gemacht. Sich momentan allein darauf zu berufen, die Utzmemminger Schule erfülle die Grundanforderungen für Ganztagesunterricht, sei ihr zu wenig.

Auch fehlten Aussagen, welch langfristigen Vorteile die Schülerinnen und Schüler an einem Standort Utzmemmingen hätten. Darüber hinaus vermisse sie einen öffentlichen Diskurs, nicht zuletzt mit dem neugewählten Elternbeirat.

Florian Gabler (Utzmemmingen) fühlte sich von dem Vertagungsantrag aus Pflaumloch „vor den Kopf gestoßen“. Er verwies auf den Eingemeindungsvertrag, in dem die Standortfrage für die Grundschule klar geregelt sei. Dieser könne allenfalls hinterfragt werden, wenn es keine Ressourcen für eine entsprechende Erweiterung und Ausstattung der Utzmemminger Schule geben würde. „Diese sind aber klar vorhanden“, meinte Gabler. Dem Gemeinderat bleibe daher keine andere Möglichkeit, als künftigen Standort Utzmemmingen festzulegen. Andernfalls bleibe nur der Rechtsweg.

Gemeinderat Helmut Gritzbach sprach von einer rein politischen Entscheidung, die der Gemeinderat zu treffen habe. Diese nochmals zu verschieben und eine Klausurtagung anzuberaumen, halte er für nicht zielführend. „Dies würde auch zu keiner anderen Ausgangslage führen als jetzt“. Soll heißen: Der Ortschaftsrat Utzmemmingen werde sich nicht umstimmen lassen. Thilo Albath (Goldburghausen) plädierte für eine Verschiebung des Beschlusses. In der Machbarkeitsstudie vermisse er eine Betrachtung „aus Sicht der Kinder“. Die Studie beantworte nicht, welcher Standort für die Schüler besser geeignet wäre. Zum jetzigen Zeitpunkt allein über den Schulsitz zu befinden, sei für ihn nicht ausreichend.

Ortsvorsteherin Hala meinte, es gebe kein Argument, das gegen Utzmemmingen spreche. Im Gegenteil: Von dort kämen auch in den kommenden Jahren die meisten Schüler. Zudem habe ihr Ort das vertraglich vereinbarte Recht auf den Schulstandort. Ein Votum für Pflaumloch führe unweigerlich zum Streit, den niemand ernsthaft wolle.

Während bei der Abstimmung die Utzmemminger Räte einheitlich abstimmten, fielen die Voten innerhalb der Goldburghausener und Pflamlocher Ratsmitglieder unterschiedlich aus. Klaus Puchinger (Pflaumloch) stimmte für Utzmemmingen, ebenso Julian Schwarz, der kurz zuvor noch für eine Vertagung der Entscheidung gekämpft hatte.

Bürgermeister Willibald Freihart, der sich für Utzmemmingen aussprach, wirkte nach der Abstimmung erleichtert. Die Kosten für Erweiterung und Ausstattung des Schulgebäudes in Utzmemmingen zur Ganztagsschule bezifferte Freihart nach derzeitigem Stand auf rund 3,5 Millionen Euro.

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