Bestandsanalyse: Wie es um den Kindergarten steht

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Aloisia Weber, die 2. Vorsitzenden des Kirchengemeinderats Röttingen und die beauftragte Architektin Britta Neumann (re) stehen den rund 70 Zuhörern im Bürgersaal Rede und Antwort.

Der Kindergarten St. Gangolf in Röttingen wird von Bürgern besichtigt – wie stark das denkmalgeschützt Gebäude beschädigt ist.

Lauchheim-Röttingen

Das Gebäude des katholischen Kindergartens St. Gangolf in Röttingen droht Sorgenkind Nummer Eins im Ort zu werden. Eine Bestandsanalyse brachte an den Tag, was man sowieso bereits mit dem bloßen Auge erkennen konnte. Risse in den Wänden, eine Mauer, die sich nach außen wölbt und Wasser, das nach Starkregen in den Keller dringt. Wie marode das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1903 wirklich ist und was in Folge für Schäden im Inneren entstanden sind, konnten die Bürger nun vor Ort besichtigen.

Die zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats Röttingen, Aloisia Weber erzählt von einem trockenen Sommer 2018, nachdem man förmlich zuschauen konnte, wie sich binnen weniger Wochen die Risse in den Wänden aufweiteten. Die Türen schließen schon lange nicht mehr richtig, dafür klemmen die Fenster zu sehr, als dass man sie noch öffnen könnte. Trotz allem kann Pfarrer Dr. Pius Adiele beruhigen: "Der Kindergarten ist nicht einsturzgefährdet.

Ähnliches bekamen die rund 70 Bürger zu hören, die auf Einladung des katholischen Pfarrers und des Kirchengemeinderats Röttingen bei einem anschließenden Informationsabend im Bürgersaal zusammen kamen. "Es ist keine Gefahr in Verzug", schickte dort die Architektin Britta Neumann ihren Ausführungen vorneweg.

Eine Überprüfung der Standsicherheit, die Erstellung eines geologischen Gutachtens mit Bodensondierung, eine Kanalbefahrung und sogar eine Baggerschürfe von außen – das alles wurde bereits durchgeführt, die Ergebnisse von der Geotechnik Aalen und dem Ingenieurbüro Kern ausgewertet. Demnach seien die Ursachen gefunden. "Das Fundament besteht ausschließlich aus geschichteten Steinen bei tonigem Untergrund", erläutert Neumann. Durch die Trockenheit sei Wasser aus dem Ton entzogen worden und mache das ganze nun instabil. Eine Sanierung des Fundaments koste je nach Ausführung zwischen 295 000 und 340 000 Euro.

Sind die Schäden am Fundament erst mal behoben, kommen für den Austausch defekter Gebäudeteile, die energetische Sanierung und Erhaltungsmaßnahmen nochmal 1,15 Millionen Euro obendrauf. Und das alles nur für den denkmalgeschützten Bereich, wie Neumann ergänzt. Kosten für die Instandhaltung des, aus den 70er-Jahren stammenden Anbaus wären noch gar nicht eingerechnet. Einen kompletten Neubau eines Kindergartens schätzt die Architektin auf 1,6 bis zwei Millionen Euro.

Ohne Ergebnis waren die bisherigen gemeinsamen Treffen der Gremien aus Kirche und Kommune. "Wir sind immer noch auf der Suche nach einer endgültigen Lösung", sagt der Pfarrer, der sich nicht vorstellen mag, solche Summen zu investieren. "Die Gemeinde wächst. Wir müssen in die Zukunft denken." Dass die Räumlichkeiten schon jetzt sehr begrenzt und nicht mehr zeitgemäß sind, findet die Kindergarten-Leiterin Christine Schmid. Zehn Jahre Baustelle wünscht sie sich trotzdem nicht, denn so lange würde es dauern, bis alles umgesetzt ist.

Doch hat letztlich das Denkmalamt das Sagen, wenn es um einen Abriss geht. Eine Stellungnahme stehe aber noch aus. Wie Bürgermeisterin Andrea Schnele weiß, könnte eine Wirtschaftlichkeitsberechnung Aufschluss bringen, doch müsste diese vom Träger des Ganzen und somit der Kirche erst noch in Auftrag gegeben werden. Außer Frage stellt Schnele die Beteiligung der Stadt Lauchheim, die nach derzeitigem Vertragsstand 70 Prozent der Investitionskosten übernehmen müsste.

Denn nach Auskunft von Neumann sind es nur noch zwei Jahre, die dem alten Gebäude in jetziger Form zugestanden werden. Egal ob Neubau oder Sanierung – sicher scheint, dass die derzeit 36 Kinder irgendwann vorübergehend in einen Container umziehen müssen.

Was das Publikum denkt

Rund 70 Bürger kamen zum Informationsabend im Bürgersaal in Röttingen. Wie sie über das Gebäude denken:

"Bei den Summen sagt uns ein gesunder Menschenverstand, was zu tun ist. Schließlich geht es um die Sicherheit unserer Kinder", findet eine Bürgerin.

"Röttingen braucht nicht nur ein schönes denkmalgeschütztes Gebäude, sondern einen funktionierenden Kindergarten, der täglich genutzt wird", ist die Ansicht eines Bürgers.

Alois Diemer setzt auf Eigeninitiative der Röttinger. Für ihn ist das "Klösterle" ein ortsbildprägendes Gebäude, das erhaltenswert sei. "Wir kriegen das hin", da ist er sich sicher.

Wo hingegen Platz für einen Neubau wäre, beschäftigte bereits andere der Bürger.

Dass durch langwierige Genehmigungsverfahren die Zeit davon laufen könnte, befürchtet ein Familienvater, der auf eine baldige Entscheidung drängt.

Adolf Hross, Kirchenpfleger von Röttingen und wohnhaft in Westhausen möchte neutral urteilen: "Ein Gebäude wie dieses erhalten – Ja. Aber nicht um jeden Preis." Für ihn gleicht die Sanierung einem Fass ohne Boden.

"Bestand ist Risiko", so die Architektin Britta Neumann im anschließenden Gespräch mit der SchwäPo. "Bestand und Denkmalschutz ist doppelt schwierig."

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