Das Klösterle sanieren oder abreißen?

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Das Klösterle in Röttingen wurde 1904 und 1905 gebaut. Die Fassade aus Wasseralfinger Dopfersteinen ist einzigartig in Röttingen. Die Kirchengemeinde plant, das Gebäude abzureißen, weil es Schäden aufweist und eine Sanierung zu teuer wäre.
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Die Pläne für einen neuen Kindergarten in Röttingen sind bereits in Arbeit. Doch gegen den Abriss des alten Gebäudes regt sich Widerstand – im Ort und darüber hinaus.

Lauchheim-Röttingen

Das Fundament hat sich gesenkt, Risse durchziehen die Wände: Klar ist, das etwas unternommen werden muss. In dem Gebäude, das in Röttingen Klösterle genannt wird, ist der katholische Kindergarten St. Gangolf untergebracht. Die Kirchengemeinde plant auf dem Grundstück, einen Neubau zu errichten. Das alte, denkmalgeschützte Gebäude soll abgerissen werden. Die Kosten für den Neubau werden laut Pfarrer Dr. Pius Adiele auf zwei Millionen Euro geschätzt. Eine Sanierung wäre ihm zufolge 33 Prozent teurer. Er beruft sich auf die Kostenschätzung einer Architektin, die die Kirchengemeinde beauftragt hat.

Zweifel an der Kostenschätzung: Doch viele Röttinger hängen sehr am Klösterle und möchten das Gebäude erhalten. Einer von ihnen ist Alois Diemer, der ehemalige Ortsvorsteher. Er ist "entsetzt" über das Vorhaben. "So ein Gebäude reißt man doch nicht einfach weg", sagt er. Dass die Sanierung ein vielfaches teurer sein soll als der Abriss und ein Neubau: "Das zweifle ich an."

Da das Röttinger Klösterle aus Wasseralfinger Dopfersteinen gebaut wurde, wird die Diskussion auch dort aufmerksam verfolgt. Ortsvorsteherin Andrea Hatam bedauerte es, wenn das Klösterle in Röttingen abgerissen werden würde und sagt: "Dass Abriss und Neubau billiger sind als Sanierung, erstaunt mich." Burkhard Michalsky, der Vorsitzende des Bunds für Heimatpflege Wasseralfingen, hat Verständnis dafür, dass die Kirchengemeinde aufs Geld schauen müsste, pflichtet aber Hatam bei: "Ich glaube nicht, dass ein neues Gebäude so viel weniger kosten würde."

Experten stützen Kostenschätzung: Pfarrer Adiele steht hinter der Entscheidung, das Klösterle abzureißen und einen Neubau zu errichten. Da das Gebäude denkmalgeschützt ist, müsse nachgewiesen werden, dass eine Sanierung wesentlich teurer wäre, nur dann kann das Denkmalamt die Genehmigung zum Abriss erteilen. Dass die Sanierung ein Drittel teurer wäre, sei nicht nur die Meinung einer Architektin. "Die Diskussion darüber, was wir tun können, führen wir nun schon seit zweieinhalb Jahren", sagt der Pfarrer. Mehrere Experten seien miteingebunden worden: ein Statiker, ein Geologe fürs Bodengutachten, das Denkmalamt, das bischöfliche Bauamt in Rottenburg und das Landratsamt. Keiner der Experten hat laut Pfarrer Adiele die Kostenschätzung angezweifelt, auch nicht Kreisbaumeister Alfons Hug.

Das Landratsamt als zuständige Baurechtsbehörde für einen Antrag auf Abrissgenehmigung und Untere Denkmalbehörde bestätigt das. "Herr Kreisbaumeister Hug hat die Kostenschätzung erhalten", sagt Sprecherin Susanne Dietterle. "Diese wurde auf Plausibilität geprüft und für nachvollziehbar befunden." Eine Rücksprache mit dem Landesdenkmalamt habe ergeben, dass dieses unter diesen Umständen einem Abbruch zustimmen würde.

Pfarrer Adiele betont, dass die Öffentlichkeit bei einer Veranstaltung informiert worden sei und auch der Kirchengemeinderat und der Gemeinderat miteinbezogen worden seien. Die bürgerliche Gemeinde will 80 Prozent der Kosten des Neubaus und am Betrieb des neuen Kindergartens übernehmen, wie Bürgermeisterin Andrea Schnele bestätigt. "Wir beteiligen uns aber nicht an den Kosten für den Abriss", sagt sie. Die Architektin habe ihre Kostenschätzung der Öffentlichkeit und dem Gemeinderat vorgestellt. "Von unserer Seite aus gibt es keinen Grund, an der Berechnung zu zweifeln."

So ein Gebäude reißt man doch nicht einfach weg!

Alois Diemer ehemaliger Ortsvorsteher Röttingen

Weitere Gründe für den Abriss: Pfarrer Adiele erläutert, dass es nicht nur um die Beseitigung der Schäden am Gebäude geht. Der Standard des Kindergarten sei nicht optimal und entspreche nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die Einrichtung sei nicht mehr tauglich. Eine Modernisierung wäre also notwendig. "Es geht um das Wohl der Kinder, das ist das Wichtigste", sagt der Pfarrer.

Der historische Wert: Altbürgermeister Werner Kowarsch kennt sich aus in der Heimatgeschichte. Er sagt: "Ich bedauere es immer, wenn ein altes, ortsbildprägendes Gebäude abgerissen wird. Damit geht auch ein Stück Identität verloren." Wichtig sei, dass man sehr sorgfältig prüfe, ob es wirklich nötig ist, ein altes Gebäude abzureißen, oder ob es nicht doch einen Weg gibt, es zu erhalten. Das findet auch Burkhard Michalsky vom Bund für Heimatpflege Wasseralfingen. "In die Erhaltung historischer Gebäude muss man meist einen Haufen Geld und Zeit hineinstecken, aber es lohnt sich immer!"

Wolfgang Steidle, Architekt und lange Zeit in der Röttinger Kirchengemeinde engagiert, erzählt, dass ihn viele Röttinger verwundert fragen, wieso gerade das schönste Gebäude abgerissen werden soll. "Das Klösterle mit seiner hier einzigartigen Dopfersteinfassade steht nicht nur für 120 Jahre lebendige Röttinger Geschichte, sondern auch für frühe beispielhafte bauliche Antworten zu den Themen Ökologie, Nachhaltigkeit und Schöpfung bewahren." Seine Frau, Katharina Wüst, ebenfalls Architektin, ergänzt: "Ich bin mir sicher, dass es Alternativen zum aktuellen Vorschlag gibt. Heimat bewahren und künftig das Beste für unsere Kinder bieten, schließen sich sicherlich nicht aus."

Alois Diemer ist selbst im Klösterle in den Kindergarten gegangen und verbindet schöne Erlebnisse mit dem Gebäude. Dr. Pius Adiele sagt: "Dass Herr Diemer und viele Röttinger eine emotionale Verbindung zum Gebäude haben, verstehe ich als Pfarrer."

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