Der Kakteenstreichler aus Röttingen

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Hans Graf, der "Kakteenstreichler".
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Gärtner Hans Graf hat sich auf die Aufzucht und den Handel mit den stacheligen Pflanzen spezialisiert und erfreut mit seiner Arbeit Besucher von Bundes- und Landesgartenschauen.

Lauchheim-Röttingen

Schauen Sie mal, fassen Sie mal an, ganz sanft, sehen Sie, die können auch ganz zart sein." Hans Graf ist Gärtner. Beruflich und aus Leidenschaft. Und im Augenblick ist er in seinem Element.

Widerborstige und solche mit einem Hauch von Stacheln zeigt er. Lateinische Bezeichnungen, Informationen zu Herkunft, Bedürfnissen, Blüte und vieles mehr sprudeln aus ihm heraus und surren dem Reporter um die Ohren.

Kakteen und Sukkulenten, auf diesem Gebiet hat Graf sich international einen Namen gemacht. Über Pflanzen weiß der 60-Jährige alles, vor allem über Kakteen und Exoten. "Ich weiß schon viel, ja, aber längst nicht so viel, wie ich noch nicht weiß", grinst er.

Genug zumindest, dass sein Fachwissen gefragt und geschätzt ist. Auf mehr als 20 Landes- und Bundesgartenschauen hat Graf die Besucher mit seiner Arbeit bereits fasziniert. Aktuell ist er in Wassertrüdingen auf der bayerischen Landesgartenschau aktiv und dazu noch auf der Bundesgartenschau in Heilbronn. In Heilbronn haben er und sein Team unter anderem die Kulisse für einen Westernzug gestaltet. Kakteenlandschaften hat er dort auch auf einem Eisenbahnwaggon kreiert.´"Ich bin schon so viele Jahre dabei, da ist man in der Branche natürlich bekannt und unsere Arbeit ist offensichtlich immer gut angekommen", erklärt er, weshalb er immer wieder bei überregionalen Veranstaltungen gefragt ist.

Was ihn an diesen Mega-Events besonders begeistert? "Diese Veranstaltungen sind ein großes Schaufenster. Man kann Menschen verblüffen, ihnen etwas Schönes zeigen und auch eine Botschaft vermitteln", meint Graf.

Seine Botschaft ist ein klares Ja zur Natur. In seinen Betrieben werde nicht gespritzt, versichert er. "Kein Gift, das ist wichtig", sagt er, alles sei insektenfreundlich ausgelegt und die Gewächshäuser so konzipiert, dass nicht geheizt werden müsse. "Ökologie siegt und Nachhaltigkeit sowieso", weiß der Gärtner.

Gelernt hat Hans Graf seinen Beruf einst bei der Aalener Gärtnerei Königer. Danach kümmerte er sich um die Fürstlichen Gärten des Hauses Wallerstein, bevor er sich dann selbstständig gemacht hat. Graf hat zwei Betriebe, einen im bayerischen Oettingen und sein "Kakteenland" in Lauchheim-Röttingen, wo er auch wohnt.

Ökologie siegt, und Nachhaltigkeit sowieso.

Hans Graf Gärtner

Kakteen seien unterschätzt, sagt Graf. Dabei gebe es gerade hier eine unglaubliche Vielfalt. Ihn faszinieren Robustheit, Farben und Formen der Pflanzen. Was manchen überraschen mag: Viele Kakteen sind winterhart. Hunderte solcher Arten verkauft Graf in seinen Betrieben. Bis zu minus 20 Grad können diese Pflanzen aushalten. "Kakteen stammen vom amerikanischen Kontinent und sie finden sich dort von Kanada im Norden bis Patagonien im Süden, also in allen Klimazonen und vom Gebirge bis zu Wüsten", erklärt er. "Es gibt wunderbare Kakteen, die in den schillerndsten Farben blühen, andere wiederum scheinen eher unscheinbar, aber wenn man diese dann genauer betrachtet, sind sie nicht weniger faszinierend", schwärmt er.

Seinen Beruf liebt Hans Graf, "weil es nie langweilig wird, weil es immer was zu tun gibt, weil Pflanzen einfach großartig sind, weil man genau beobachten muss und weil es immer wieder etwas Neues zu lernen und zu schöpfen gibt", lacht er. Neuland beschreiten und neue Ideen ausprobieren, das ist genau nach Grafs Geschmack. Längst reist er als Tippgeber, Coach und Referent für Profis seiner Branche durch Deutschland.

Kakteen auf dem Friedhof

In den vergangenen Jahren hat er sich verstärkt mit der Friedhofsgärtnerei befasst. "Grabgestaltung geht auch ganz wunderbar mit Kakteen", sagt er und zeigt Beispielfotos aus Lübeck und Wismar, wo seine Ideen bereits in die Tat umgesetzt wurden. Auch auf den Gartenschauen in Heilbronn und Wassertrüdingen finden sich Mustergräber.

Pflegeleicht sei so ein Grab, sagt Graf, kostengünstig auch, schön anzusehen und für Insekten ein Paradies. Gemeinden setzten ja oft auf Friedwälder, aber Grabgestaltung mit robusten Kakteen sei eine echte Alternative, findet er. "Es muss ja nicht immer eine fleischfressende Pflanze eingesetzt werden", schmunzelt er dann und berichtet, wie er bei einem Wettbewerb die Jury mit seiner Idee zunächst zum Stirnrunzeln, danach aber doch überzeugt habe.

Stichwort Appetit: "Kennen Sie eigentlich unsere Bitterorangen oder Redlove-Äpfel mit dem rosa Fruchtfleisch? Aber das ist eine andere Geschichte.

Westernatmosphäre auf der die Riesen-Modelleisenbahn auf der Bundesgartenschau in Heilbronn hat Hans Graf geschaffen. Erinnert an den Saguaro-Nationalpark in Arizona.
Modelleisenbahn auf der Buga in Heilbronn, bestückt mit vielen Kakteen, ganz in der Nähe der echten Eisenbahn.
Stacheln und Blüten in der Gärtnerei in Röttingen.
Blühende Kakteen sind wahre Schönheiten.

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