Landgasthof Sonne: Das Geheimnis des Sauerbratens

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Führen die Sonne gemeinsam: Bernd Weber und seine Schwester Michaela Berhalter.
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Seit 1794 gibt es den Röttinger Landgasthof. Wie er sein Gesicht verändert, aber seine Werte bewahrt hat.

Röttingen. Es eine geheime Zutat, die seinen Sauerbraten so beliebt macht. Und natürlich verrät er sie nicht. Bernd Weber, Koch und Chef der Sonne in Röttingen in Personalunion, schüttelt den Kopf und lächelt nur. Der Rest bleibt erst mal Schweigen. Wie auch immer - die Soße des Sonne-Sauerbratens und auch das Fleisch haben gerade nur so viel Säure, wie sie brauchen. Über das, was den besonderen Geschmack ausmacht, kann man rätseln. Oder einfach nur genießen.  "Manche unserer Stammgäste essen immer nur diesen Sauerbraten. Das ist ein Gericht, das sehr viel Lob bekommt", sagt Michaela Berhalter, Bernd Webers Schwester, die mit ihm die Geschicke in der Sonne leitet. 

Tradition und Moderne

Zu finden ist die Sonne gleich neben der Kirche in Röttingen. Und da gibt es noch vor dem Sauerbraten die erste  Überraschung. Zumindest für diejenigen, die den Landgasthof nicht schon von jeher kennen. Die Sonne gibt es dort zwar schon seit Hunderten von Jahren. Und auch wenn sie ihr Gesicht in jüngster Zeit verändert hat und hinter dem alten Gebäude plötzlich ein großer und moderner Anbau auftaucht - der Geist der Webers ist in geblieben.

2009 haben die Geschwister Bernd Weber und Michaela Berhalter den Betrieb von ihren Eltern übernommen und führen ihn mit unermüdlichen Einsatz. Volles Haus an den Wochenenden ist der Lohn der Leidenschaft. „Wir haben uns unseren Erfolg hart erarbeiten müssen“, sagt Bernd Weber. Der Grundstein dafür wurde freilich viel früher gesetzt. Die "Sonne" ist schon immer ein Familienbetrieb, wie er im Bilderbuch steht. Die Eltern von Bernd Weber und Michaela Berhalter tragen zwar längst nicht mehr die Verantwortung, wirken aber noch im Hintergrund mit. Die Mutter in der Küche - Spezialität Kartoffelsalat - der Vater kümmert sich um die Angusrinder, Landwirtschaft und Kartoffelernte. "Es ist schon toll, wenn man die Kartoffeln, die man selbst geerntet hat, auch anbieten kann", sagt Bernd Weber. Ebenso stammen die Kräuter aus dem heimischen Betrieb. "Wir brauchen alles selber, auch unsere Angusrinder. Wir verkaufen nichts", fügt er an.

Blickt man sich in der rustikalen Gaststube, die früher Küche und Gaststube beherbergte, an eine der Wände, zeigt ein altes Bild, dass die Tradition, die die Webers mit der Sonne verbindet, freilich viel älter ist. Ein verblichenes Foto zeigt den Landgasthof, wie er Anfang des 19. Jahrhunderts aussah. Da hatte er aber auch schon einige Jährchen auf dem Buckel. Die Sonne in Röttingen ist seit 1794 in der Hand der Familie Weber. Auch Bernd Weber als aktueller Chef hat die Sonne fest in seiner DNA.

Die "Sonne" in der DNA

"Wir sind in der Küche aufgewachsen", sagt er. "Er hat als Siebenjähriger schon Pommes gemacht", verrät Michaela Berhalter. Sie selbst wiederum hat sich schon als 12-Jährige mit um die Gäste gekümmert. Später lernt Bernd Weber Koch - und verlässt die beschauliche Heimat. Lernt sein Handwerk im Ochsen in Stetten und in der Sonne Post in Murrhardt und verbringt schließlich einige Zeit auf den Bahamas. Man könne schließlich überall etwas lernen, fährt Weber fort.  Dann schließlich stehen er und seine Schwester vor der Entscheidung, ob sie den Landgasthof übernehmen sollen. "Das war nicht klar. Ich hatte am Anfang schon meine Bedenken, ob ich das auf dem Level machen kann, wie ich das gerne hätte", erinnert sich der 52-Jährige. "Aber man kann auf dem Land Gastronomie machen. Das funktioniert", sagt Weber bestimmt.

Tatsächlich funktioniert es gut. Die Sonne brummt, vor allem am Wochenende. "Da sind wir eigentlich immer ausgebucht", sagt Michaela Berhalter. Hochzeiten, Geburtstage, Trauerfeiern - die Sonne versteht sich als Familienrestaurant. "Alles, was in der Familie passiert, das findet bei uns statt", sagt sie.  Längst wurde der alte Gastraum um neue Räume und einen jüngst um einen großen Festsaal erweitert. Hell, modern, luftig, mit viel Grün, eine gute Mischung zwischen Moderne und Tradition.  "Ein Landgasthof muss nicht altbacken und verstaubt sein", sagt Weber. Und mit dem Festsaal habe er seinen Gästen, die den Gasthof mit durch die Lockdowns der Pandemie getragen hätten, etwas zurückgegeben. Im ersten Stock gibt es sieben neue, moderne Gästezimmer - inklusiver einer Suite. "Booking.com bringt die Leute von überall her", erzählt Bernd Weber. 

Kerngeschäft aber bleibt die Gastronomie, die Bernd Webers einfacher, wie klarer Philosophie folgt. "Die Nummer eins ist der Gast. Dann kommt der Betrieb, dann erst kommen wir. Das versuchen wir zumindest zu vermitteln." Eine klare Linie, der Bernd Weber auch in der Küche folgt.  Deko in Form von Parmesanschiffchen oder "crunchy lila Kartoffelchip", so Weber  sucht man auf seinen Gerichten vergeblich. "Ich konzentriere mich auf die Qualität und den Geschmack des Produktes", sagt er. Dazu gehöre es, sich wo es nur geht, auf regionale Zutaten zu konzentrieren. Wie Wild vom örtlichen Metzger, mit Zukauf aus der Region oder Eier aus Nördlingen für die selbst gemachten Spätzle.

Die gibt es zum Sauerbraten. Aber nicht nur. Mit auf den Tisch kommen selbst gemachte Kroketten und Pommes, jeweils in Schüssel und ein extra Sauciere mit dem Geheimrezept. "Ich kann gar kein Rezept verraten, weil ich alles aus dem Gefühl mache", sagt Weber. Er habe er eine gute Vorstellung, welches Gericht welche Gewürze brauche. "Und das ist mein Glück". Man darf also weiter rätseln, was seinem Sauerbraten diesen besonderen Geschmack verleiht. 

Gut zu wissen: Beilagen gibt es immer Dreierlei

Besonders beliebt:  Sauerbraten mit Spätzle, Pommes, Kroketten und Beilagensalat: 17,80 Euro

Das Schmankerl: Sonnentöpfle mit Rinder-, Schweine- und Putenfilet und Pilzen an Cognacrahmsoße, Beilagen und Salat: 22 Euro.

Das teuerste Gericht: Zwiebelrostbraten mit Spätzle, Pommes, Kroketten und Beilagensalat: 23 Euro. 

Günstigstes Gericht:  Kässpätzle mit Röstzwiebeln und Salatteller: 9 Euro. 

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 18 bis 22 Uhr. Dienstag und Mittwoch Ruhetag. Sonntag 11 bis 15 Uhr und 18 bis 22 Uhr.  Samstag und außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung.

Tischreservierungen unter: Tel. (07363) 6129. 

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