Starke Männer mit Hand, Herz und Humor

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v.l. Als „Bautrupp Röttingen“ vor dem Bürgersaal bei der Arbeit: Der achtzigjährige Erich Weizmann mit dem zwanzig Jahre jüngeren Martin Neher.
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Wie Erich Weizmann und Martin Neher als „Bautrupp Röttingen“ im Ort alles wieder gerade richten.

Lauchheim-Röttingen.

Man nennt sie den „Bautrupp Röttingen“ – Erich Weizmann und Martin Neher, die beiden „starken Männer“ mit Hand, Herz und Humor, die immer dort anzutreffen sind, wo Dinge wieder gerade gerückt werden müssen. Schaufel und Pickel gehören dabei ebenso zu ihrem Handwerkszeug wie Schleifpapier und Pinsel. Mal ist es ein Bachlauf, den sie in Gummistiefel-Tiefe freilegen, ein Buswartehäuschen, das einen neuen Farbanstrich vertragen könnte oder der Dorfplatz, dem sie mit Laubrechen zu Leibe rücken.

Unsere Reporterin will die beiden kennenlernen und hat sich umgehört. Von Ortsvorsteher Gunther Ziegelbauer erfährt sie, dass vor dem Bürgersaal immer das Wasser stehen bleibe und es am Eck zu Problemen komme. Klarer Fall also für den „Bautrupp Röttingen“, der von der SchwäPo nun überrascht wird.

Weizmann und Neher sind vertieft bei der Arbeit. Der eine mit einer Maurerkelle, der andere mit dem Gummihammer. Sie knien auf Styropor-Unterlagen – daneben ein Berg mit Pflastersteinen. Die Sonne blendet, weswegen die Reporterin nicht gleich erkannt wird. Dann folgt ein großes „Hallo“ aus breit grinsenden Gesichtern.

Es ist schon der zweite Tag, am dem die beiden Männer zu Gange sind. „Ein Rohr hat sich zugesetzt“, erklärt Weizmann und zeigt auf einen Bach, der am Hang entlang verläuft. „Der ist beim Bau des Bürgersaals über einen großen Abschnitt verdohlt worden und jetzt fließt das Wasser nicht mehr richtig ab.“ Weizmann ist gelernter Schmid und kann sicher kräftig anpacken. Landwirt Neher bringt, wenn‘s gilt, seinen Traktor mit. „Andere Gerätschaften, so wie hier den Rüttler, verschafft uns der Bauhof in Lauchheim“, so Neher, der erzählt, wie sie das „Corpus Delicti“ auf seiner gesamten Länge bereits ausgetauscht haben und nur noch die Pflastersteine wieder einbringen müssen.

Über die Köpfe der Männer hinweg blickt unsere Reporterin in Richtung Spielplatz. Wieder war es der Ortsvorsteher, der den passenden Wink dazu gab. „An einem Spielgerät war der Turm samt Aufgang nicht mehr TÜV-fähig. Weizmann und Neher haben in Eigenregie alles eins zu eins nachgebaut und ausgetauscht“, so Ziegelbauer während einer Sitzung des Ortschaftsrats.

Ja, stolz sind sie schon etwas, die beiden Arbeiter. Haben sie für Röttingen und die Stadt Lauchheim doch ordentlich Geld eingespart. Und schon geht es los, das Gewitzel über „Readeg“ und „Loacha“, das normalerweise immer dann aufflammt, wenn zwei davon aufeinander treffen. Fast nebenbei erfährt die Reporterin, dass Erich Weizmann in diesem Jahr Achtzig geworden ist und schon einmal im Fernsehen zu sehen war. Martin Neher ist zwanzig Jahre jünger. Er schaut auf die Uhr. „Bis zum Abend wollen wir fertig sein. Morgen soll es regnen“, warnt Neher. „Wir gehen nur bei schönem Wetter raus“, lacht Weizmann. Den wahren Grund liefert er gleich obendrauf. „Heute Abend ist Singstunde. Wir möchten ja nicht, dass jemand auf dem Weg zum Bürgersaal über die Pflastersteine stolpert.“ Gut, dass eine freundliche Nachbarin mit Kaffee für den nötigen Antrieb sorgt. „Etwas Zeit bleibt ihnen ja noch“, denkt die Reporterin und verabschiedet sich.

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