Scheidender Bürgermeister Willi Feige im Portrait: Vom „Ries-Mond“ und den Menschen

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Kirchheims Bürgermeister Willi Feige beim Interview zum nahenden Ende seiner Amtszeit.
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Kirchheims Bürgermeister Willi Feige geht nach 24 Jahren im Amt im Februar 2022 in den Ruhestand. Mit der SchwäPo blickt er auf seine Amtszeit, auf Herausforderungen und Erfolge.

Kirchheim am Ries. Ende Februar 2022 ist Schluss. Kirchheims Bürgermeister Willi Feige geht in Ruhestand. Nach 24 Jahren Amtszeit, in denen er viel erreicht hat für die Gemeinde. Wer ihn im Rathaus beerben wird, ist offen. Die Wahl ist am 5. Dezember 2021.

Willi Feige, Jahrgang 1956, verheiratet, drei Kinder, zwei Enkelkinder, ist einer der dienstältesten Bürgermeister im Kreis. Und er ist ein Schultes alter Schule. Zurückhaltend, sachlich, unaufgeregt, stets auf Ausgleich bedacht. Kein Mann lauter Worte, schon gar keiner, der im Hurra-Stil poltert, sondern einer, der zuhört, sich nicht in den Mittelpunkt drängt, bescheiden bleibt, sich stets konzentriert und engagiert in der Sache zeigt, wenn es um die Entwicklungen und die Interessen „seines“ Kirchheims und der Teilorte geht.

„Man muss bei den Leuten sein“, findet Feige. „Das Rathaus stand allen jederzeit offen, die Menschen konnten mit ihren Anliegen auch in der Coronazeit kommen. Im Dialog lässt sich vieles lösen“, hat er in seiner Amtszeit gelernt. Und heute weiß er genau: „Meine Entscheidung habe ich nie bereut, auch wenn es natürlich auch mal Tage gab, die man sich nicht wünscht.“

Dass er aufhört, „dieser Entschluss hat sich zum Jahresanfang verstärkt“, sagt er. „Wie gestalten wir die Zeit, die uns noch bleibt“, hat er sich mit seiner Familie gefragt und entschieden, dass er nun, bei guter Gesundheit, Platz macht im Rathaus.

Einfach sei ihm dieser Schritt nicht gefallen. „Das ist schon ein tiefer Einschnitt“, gibt er zu. „Man identifiziert sich ja in so einem Amt, ist tief verwurzelt hier“, sagt Feige, der dennoch immer noch in seinem Geburtsort Pflaumloch wohnt. Die Kirchheimer haben ihm das nie krummgenommen. „Die paar Kilometer, die meiste Zeit war ich doch in Kirchheim“, lächelt er. „Und ich sag Ihnen was, wenn ich spät aus dem Rathaus komme und in Richtung meiner Wohnung direkt auf den Vollmond zu fahre, einmalig, an diesem Bild kann ich mich nicht sattsehen“. Glaubt man ihm und spürt, wie sehr er seine Heimat liebt.

In ein Loch fallen, nein, das werde er im Ruhestand nicht. Zeit für die Familie, für die Enkel vor allem, und im eigenen Haus, da gebe es ja immer was zu tun, meint Feige. Eines aber sei fix: „Ich werde VHS-Kurse belegen. Welche, weiß ich noch nicht, ich bin an vielem interessiert“, sagt er. Und ausschließen, „dass er für die ein oder andere Aufgabe angefragt wird“, will er auch nicht.

Ein einfacher Start

Wie alles begann, das weiß Willi Feige noch genau. 1997 im Dezember war die Wahl in Kirchheim. Zuvor war er bereits zwölf Jahre in Nördlingen auf dem Rathaus tätig. Seine Karriere im gehobenen nichttechnischen Verwaltungsdienst hatte er in Sontheim an der Brenz begonnen. Das Amt in Kirchheim trat er zum 1. März 1998 an.

„Ich hatte einen einfachen Start“, erinnert er sich. „Kirchheim hatte das Glück, die Abschlussveranstaltung der Rieser Kulturtage auszurichten. Bayerns damaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber und die einstige Kultusministerin Anette Schavan waren hier. Alles war perfekt organisiert worden, der Rahmen war großartig, die Gäste waren beeindruckt. Diese positive Stimmung hat mich durch die Anfangszeit getragen“, blickt er zufrieden zurück.

Gesellschaftlich konnte Feige fortan viele Neuerungen in Kirchheim begleiten. Die Freilichtspiele am Kloster oder die Gründung der Partnerschaft mit Solarolo in Italien nennt er hier. Erreicht hat Feige, „zusammen mit dem Gemeinderat und dem Team im Rathaus und Bauhof“, eine Menge für den Ort. Der Kindergarten und das Volleyballgelände entstanden unter seiner Ägide, die Schule wurde gestärkt und früh mit Tablets ausgestattet, alles steht heute top da. Und das neue Rathaus sowieso.

Die Rieswasserversorgung hat investiert, die ODR ebenso, das Land und der Kreis haben Straßen gebaut, letzterer immer geholfen, wenn es galt, bei Anträgen beispielsweise. „Wir sind mit Kooperationen immer gut gefahren“, ist Feige dankbar.

Bauland wurde geschaffen, vielleicht aber nicht genug, denn die Einwohnerzahl Kirchheims sank von einst 2000 auf inzwischen rund 1800. Innerörtliche Flächen nutzen, Landesprogramme ausschöpfen, Feige hat dies angepackt und forciert. „Die Entwicklung hier läuft immer weiter. Nun ist das Bretzge-Areal im Blick“, sagt Feige in der Gewissheit, dass er dessen Vollendung nicht mehr aus der Warte des amtierenden Bürgermeisters erleben wird.

Breitband, Straßen, die Infrastruktur allgemein, den Arzt am Ort zu halten, den Bäcker zu überreden, dass er das Sortiment um Lebensmittel erweitert - das alles sind große Herausforderungen für den Bürgermeister einer kleinen Gemeinde, die ohne große ansässigen Unternehmen von Zuwendungen statt von Steuern lebt. „Kirchheims Entwicklung ist und bleibt geprägt von den finanziellen Möglichkeiten. Wir mussten beim Gestalten immer darauf achten, was können wir uns leisten und wie erzielen wir mit den vorhandenen Mitteln den besten Ertrag“, sagt Feige. Große Sprünge seien da nicht drin, erreicht habe man aber dennoch Beachtliches, ist er sicher. „Die Welt verändert sich stetig, jede Zeit hat ihre Herausforderungen. Was bleibt, ist, wenn sich Chancen auftun, muss man sie nutzen und in Kirchheim haben wir das getan“, sagt er.

Konflikte gab es auch

Es allen recht machen, das geht auch nicht, hat Feige ebenfalls gelernt. Moderieren musste er beispielsweise den Prozess, als die Polyethylen-Pipeline über die Ortsmarkung verlegt wurde. Die Leitung ging im Sommer 2013 in Betrieb. Hier gab es später die Verfassungsbeschwerde einer Alfdorfer Interessengemeinschaft. Das Verfahren war am Beispiel eines Landwirts aus Kirchheim durchgefochten worden. Die Richter lehnten die Beschwerde ab.

Machtlos beobachten musste Feige das Ende der Hauptschule. Die Grundschule am Ort läuft, wenn auch - wegen Corona - im neuen Schuljahr mit nur fünf Kindern in der 1. Klasse. „Viele Eltern haben ihre Kinder zurückgestellt. Nächstes Jahr wird es besser“, hofft Feige.

Geholfen im Amt habe ihm sein Mandat als Kreisrat, ist Feige dankbar. Von 1999 bis 2009 und von 2015 bis 2019 war er für die CDU im Gremium. Der Austausch mit den Kreisräten sei ein Gewinn gewesen: „Man muss das Rad nicht immer neu erfinden. Funktioniert die Idee woanders, kann man das auch versuchen.“ Von Vorteil seien auch der direkte Kontakt und die kurzen Wege in die Kreisverwaltung, Kirchheim habe seinen Stellenwert im Landratsamt. ist er sicher.

Während sein Blick aufs Kloster fällt, lächelt er. „Das war schon ein Schock, als damals das Pflegeheim geschlossen wurde“, erinnert er sich. Die Ideen danach waren nicht von Erfolg gekrönt, umso zufriedener ist Feige, „dass es mit dem Wohnprojekt im Kloster sichtbar vorangeht“. Und auch die Klosterkirche macht ihn lächeln: „Die wird nach der Sanierung nun bald wieder geöffnet. Ich bin zwar evangelisch, aber in dieser Kirche bin ich sehr gerne.“

Kirchheim, die Landschaft, vor allem aber die Menschen seien es, die dem Ort einen ganz besonderen Charme geben und das Amt des Bürgermeisters besonders reizvoll machten. „Die Menschen hier packen an, halten zusammen und helfen sich gegenseitig. Sie achten und pflegen ihren Ort und sie sind geradeheraus“, weiß Feige.

Offen und vertrauensvoll

Tipps für seine Nachfolgerin oder seinen Nachfolger. Hmm, da muss er überlegen, für Ratschläge ist er zu bescheiden, aber dann merkt er doch an: „Ich wünsche ihr oder ihm, dass er den Menschen hier Vertrauen entgegenbringt, sie offen aufnimmt und den offenen Kontakt pflegt.“

Offen und vertrauensvoll, so sei auch die Arbeit mit der Rathausbelegschaft gewesen. „Wer kam, blieb lange, so schlecht kann es hier also nicht sein“, meint Feige. Die Arbeit sei gewachsen in den Jahren und komplizierter geworden, quasi von Handarbeit zu Computertechnologie, nun die Doppik, die neue Haushaltsführung, und jetzt auch noch Corona, „Von den Beschäftigten wird viel mehr verlangt. Gemeinden müssen sich immer öfter externer Dienstleister bedienen und auch die Arbeitsanforderungen im Bauhof verändern sich“, weiß er.

Spaziergänge und Radfahrten über die Gemarkung, die wird er auch nach dem 1. März 2022, dem Ende seiner Amtszeit, weiter unternehmen, dann aber ohne Liste für den Bauhof, „denn irgendwas sieht man ja immer“, lacht er. Was aus Kirchheim wird, wird er interessiert verfolgen - von Pflaumloch aus, denn dort will er alt werden. Wo auch sonst, diesen Blick auf den Vollmond und die Landschaft darunter den gibt's eben nur hier.

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