So leben Ukraine-Flüchtlinge am Ipf

+
Aktuell sind insgesamt 155 Flüchtlinge aus der Ukraine in Bopfingen untergekommen. Die Hilfsbereitschaft hier ist groß. Grafik: rico/Foto: opo
  • schließen

Hauptamtsleiter Daniel Bäuerle gibt dem Gremium einen Überblick über die Lage in Bopfingen. Das „DRK-Gästehaus“ ist voll, weitere Unterkünfte werden hergerichtet, an den Schulen läuft alles.

Bopfingen. Nicht alles laufe rund bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine in Bopfingen und dem Umland. Die Bürokratie „sticht oft negativ durch“. Das sagte Bürgermeister Dr. Gunter Bühler im Gemeinderat. Dennoch habe man die Lage im Griff.

Hauptamtsleiter Daniel Bäuerle lieferte Zahlen. Demnach leben derzeit 155 Flüchtlinge aus der Ukraine in Bopfingen. Im ehemaligen DRK-Pflegeheim, das nun als „DRK-Gästehaus“ firmiert, hat der Landkreis 93 Menschen untergebracht, 25 Flüchtlingen hat die Stadt Bopfingen ein Dach über dem Kopf verschafft und 37 Flüchtlinge seien privat untergekommen, so Bäuerle. Laut LEA habe sich der Zustrom von Ukraine-Flüchtlingen etwas verlangsamt.

DRK-Gästehaus

Im DRK-Gästehaus laufe alles reibungslos. Strukturell geleitet wird das Haus von Michaela Schnell und inhaltlich von Yvonne Irtenkauf. Das Haus sei nun fast voll belegt, maximal 100 Menschen können hier unterkommen. Dort lebten Frauen mit mehreren Kindern und Angehörigen. Einmal pro Woche gebe es einen ehrenamtlichen Deutschkurs. Eine ehrenamtliche Kinderbetreuung wurde donnerstagvormittags geschaffen. Ehrenamtlich besuchten verschiedene Ärzte regelmäßig die Einrichtung. Weiter gebe es eine offene Sprechstunde zusammen mit Dolmetscherinnen und Dolmetschern. Die Kleiderausgabe laufe über die „Schatzkammer“.

Die Menschen dort seien froh, hier vorläufig eine Bleibe gefunden zu haben. Bei einer Umfrage, die das DRK unter den Bewohnern dort vornahm, hätten aber 90 Prozent angegeben, sie wollten so schnell wie möglich wieder zurück in ihre Heimat.

Großartig sei insgesamt die riesige Unterstützung durch das „Ehrenamtsnetzwerk“, durch Ehrenamtliche aus Kirchen und Wohlfahrtsverbänden und durch ungebundene Helferinnen und Helfer, sagte Bäuerle. „Ich will mir gar nicht ausmalen, wie die Lage ohne dieses großartige und vielfältige Engagement aussehen würde“, bedankte sich Bühler.

Erste Anlaufstation für viele Flüchtlinge aus der Ukraine bleibt die LEA in Ellwangen. Von dort werden Menschen auch nach Bopfingen ins DRK-Gästehaus gebracht. Viele unter ihnen sind nur wenige Tage dort, bevor sie in Anschlussunterkünften im gesamten Ostalbkreis unterkommen. Leistungsverträge würden meist sofort am Ankunftstag ausgefüllt, die Anmeldung bei der Stadtverwaltung geschehe zeitnah. Der Betrieb des Gästehauses sei zunächst auf ein Jahr angedacht, sagte Bäuerle.

35 private Unterkünfte

Bislang seien 35 private Wohnangebote bei der Stadt eingegangen. Die Stadtverwaltung bewertet die Angebote und mietet diese, „je nach Eignung zu angemessenen Kosten an“, so Bäuerle. Acht Wohnungen hat die Stadt angemietet und so 25 Menschen aus der Ukraine untergebracht. Weitere Belegungen seien in Vorbereitung. Bopfingen habe noch Kapazität für die Unterbringung von etwa 65 Personen.

Wie viele noch kommen, ist offen

Wie viele Ukraine-Flüchtlinge noch nach Bopfingen kommen, sei offen, so Bäuerle. Es gebe für diese Menschen keine Zuteilungsquote, da sie freie Wohnortwahl hätten und sich 90 Tage frei im Schengen-Raum bewegen könnten. Die bundes- und landesweite Zuteilung richte sich nach „Flächenfällen“, die dem Regierungspräsidium gemeldet würden. Der Landkreis fordere dann Flüchtlinge an, diese könnten aber selbst entscheiden, ob sie in den Ostalbkreis wollen, oder nicht.

Nach Angaben des Bundes seien (Stand 27. April 2022) rund 384.000 Flüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. Wie viele tatsächlich kamen, ist unklar, weil diese Menschen ohne Visum in die EU einreisen können und sich im Schengen-Raum frei bewegen können und aufhalten dürfen.

Als hypothetische Aufnahmequote für Bopfingen hat Bäuerle den Königssteiner Schlüssel zugrunde gelegt. Demnach müsste Bopfingen bei insgesamt 500.000 Flüchtlingen aus der Ukraine 69 Menschen aufnehmen, bei einer Million wären es 138 und bei vier Millionen Flüchtlingen gar insgesamt 550 Menschen.

Schulen und Kindergärten

Derzeit besuchen die Grundschule am Ipf elf ukrainische Schülerinnen und Schüler in einer Vorbereitungsklasse, vier ukrainische Kinder gehen an die Grundschule in Schloßberg. An der Grundschule Oberdorf sind bislang noch keine Kinder aus der Ukraine angemeldet.

Die älteren Kinder besuchen alle die Werkrealschule Bopfingen. Insgesamt sind dies 34 Schülerinnen und Schüler, davon vier aus Kirchheim und Riesbürg. Diese Kinder werden, je nach Leistungsstand, von dort bei Bedarf auch an andere Schulformen weitergeleitet. „Das läuft sehr gut an der Werkrealschule, vielen Dank dafür“, sagte Bühler.

Bei den Kindergärten gebe es erst drei Voranmeldung ukrainischer Kinder für das Kinderhaus und eine Anmeldung für den Kindergarten in Schloßberg. Ein Kind aus der Ukraine hat dort bereits einen Platz gefunden.

Fraktionen bedanken sich

Für die CDU sagte Dr. Berthold Herdeg: „Vielen Dank an die Profis und Ehrenamtlichen, die sich reinhängen, um Menschen eine Perspektive zu geben. Wichtig ist es jetzt, für ein gutes Miteinander zu sorgen.“

SPD-Fraktionschefin Dr. Carola Merk-Rudolph meint: „Danke für viel Herz, Solidarität und Hilfsbereitschaft. Auch die Verwaltung musste schnell handeln und tat dies unbürokratisch.“ Vielleicht sei es möglich, Menschen aus der Ukraine hierzubehalten und für Jobs, beispielsweise in der Pflege, zu gewinnen.

Eine Webseite für die Hilfe

Inzwischen wurde ein „virtuelles Möbellager“ eingerichtet. Über die Webseite www.ukraine-hilfe-bopfingen.de kann jeder per Mausklick erfahren, welche Dinge besonders gesucht sind und wie er helfen kann. Möbel, Haushaltswaren sind begehrt und können im ehemaligen Sanitätshaus Schad in Bopfingen, Nürnberger Straße 4, abgegeben werden. Info über die Website.

Kleiderspenden seien reichlich vorhanden. Jeder könne aber mit Geldspenden helfen.

Alle Informationen hierzu finden sich auf www.ukraine-hilfe-bopfingen.de. Die Homepage haben die Stadt Bopfingen, die Gemeinden Kirchheim und Riesbürg gemeinsam mit den Pfarrern der Kirchengemeinden der Raumschaft Ipf-Ries, sowie den Initiatoren der Humanitären Hilfe Ipf-Ries geschaffen.

Spendenkonto: Stadt Bopfingen, Kreissparkasse Ostalb, IBAN DE 27614500500110700070; BIC OASPDE6AXXX, Stichwort Ukrainehilfe.

„Humanitäre Hilfe Ipf-Ries“

Die „Humanitäre Hilfe Ipf-Ries“ ist aus einer privaten Initiative in Kicrhheim-Dirgenheim ausgegangen. Mittlerweile zählt das Netzwerk fast 90 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer. Darunter sind 35 Paten/Alltagshelfer, 20 Leute im Team „Sachspenden“, neun im Team „Bildung/Arbeit/Entertainment“ und zwölf Dolmetscherinnen und Dolmetscher.

Entwickelt wurde inzwischen ein einheitlich abgestimmtes Integrationskonzept in Bopfingen, Kirchheim und Riesbürg, das in seiner Art landkreisweit noch einzigartig ist.

Aktuell sind elf ukrainische Familien in aktiver Betreuung, zwei weitere in der vorbereitenden Betreuung. Je nach Wohnraumsituation, sei mehr oder weniger Unterstützung nötig, erklärte Hauptamtsleiter Daniel Bäuerle.

Kontakte zwischen Familien, Paten und Vermietern würden vorm Umzug hergestellt.

Paten geben bei verschiedenen Themen (Schulen, Sprachkurse, Behörden) den Familien Hilfestellung. mas.

Mehr zum Thema: 

Ukrainehilfe im Ostalbkreis 

So unterstützt man Geflüchtete: Zwei Frauen stellen ihr Integrationskonzept vor

Zurück zur Übersicht: Bopfingen

Mehr zum Thema

Kommentare