So unterstützt man Geflüchtete: Zwei Frauen stellen ihr Integrationskonzept vor

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Stefanie Kitzinger und Romy Bihr stellen ihr Konzept zur Integration von Geflüchteten vor.
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Romy Bihr und Stefanie Kitzinger möchten mit ihren Erfahrungen anderen Helferinnen und Helfern den Weg ebnen.

Bopfingen. Wie hilft man Menschen, die aus der Ukraine geflüchtet sind? Was brauchen Geflüchtete als Erstes? Und wie bereitet man sich selbst darauf vor? Die Liste der Fragen, die sich Helferinnen und Helfer aktuell stellen, ist lang. Damit sich nicht jeder, der oder die helfen will, die gleichen Fragen stellt, möchten Romy Bihr aus Dirgenheim und Stefanie Kitzinger aus Bopfingen mit ihren Erfahrungen und einem selbst erstellten Konzept helfen.

Stefanie Kitzinger hat zunächst selbst drei Geflüchtete bei sich zu Hause aufgenommen. Mittlerweile kümmert sie sich um ein Mädchen, das ohne Eltern aus der Ukraine gekommen ist. Romy Bihr engagierte sich für Hilfe von Geflüchteten, die im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Kirchheim in der Obhut von Pfarrer Nicolai Gießler untergekommen sind. Mit ihrem Integrationskonzept möchten die beiden nun ihre Erfahrungen teilen. Die Kommunen Bopfingen und Kirchheim am Ries nutzten das Konzept bereits. 

Das Konzept ist in drei Zeiträume eingeteilt: Die Vorbereitung, die Aufnahme und die Integration. Bevor die Menschen ankommen, sollten laut Konzept Angebote für Unterkünfte abgeklärt werden. Diese gelte es nach genaueren Umständen wie Zimmeranzahl, ob es ein eigenes Badezimmer gibt oder für wie viele Menschen die Unterkunft geeignet ist, einzuteilen. Dann lasse sich besser zuordnen, wer für welche Unterkunft am besten geeignet ist. Um eine erste Grundversorgung anzubieten, verweisen Romy Bihr und Stefanie Kitzinger über ihr Konzept auf Kleiderkammern, Firmen für Haushaltsauflösungen und die Telekom, um SIM-Karten bereitzustellen.

"Sie hatten eigentlich nichts dabei, außer die Kleidung am Leib", erinnert Romy Bihr. Neue Kleidung sowie eine heiße Dusche haben zu den ersten Dingen gehört, nach denen die Geflüchteten gefragt hätten. Ebenfalls nicht zu unterschätzen: WLAN. "Das sind Menschen wie du und ich", merkt sie an. 

In ihrem Integrationskonzept fassen die beiden Frauen die Aufnahme der Geflüchteten als einwöchige Zeitspanne zusammen. Ein Empfang- und Willkommenspaket, Kleidung und Spielzeug, Aufnahmeformulare, Aufenthaltserlaubnisse sowie Notfallpässe sollten bereit sein. Auch der Bedarf nach gesundheitlicher, beziehungsweise psychischer Behandlung muss laut Konzept geklärt sein.  

Ab Tag sieben könne man als Helfer anfangen, mit den Menschen das Leben außerhalb der Unterkunft anzupacken. Eine Liste von Ärzten, Behördengänge, Einweisung in öffentliche Verkehrsmittel, wo Ausflugsziele, Spielplätze, Supermärkte sind. "In enger Abstimmung mit der Gemeinde", lasse sich einrichten, dass Kinder in den Kindergarten, beziehungsweise die Schule gehen können. In Romy Bihrs Fall etwa habe eine Nachfrage beim Schulleiter der Alemannenschule in Kirchheim, Siegfried Scholz, dafür gesorgt, dass die Kinder unkompliziert den Unterricht besuchen dürfen. Sind sie erst einmal gemeldet, laufe die ordentliche Schulanmeldung automatisch im Hintergrund. 

Auch Besuche in Sport- oder Musikvereinen sind im Integrationskonzept der beiden Frauen vermerkt.

Mit ihrem Konzept wollen Romy Bihr und Stefanie Kitzinger zeigen, "dass es geht und anderen, die sich auf den Weg machen, helfen". Nach ihrem Einsatz für Geflüchtete berichten die beiden von kurzen Nächten und viel Arbeit. "Irgendwann ist man aber eher nur noch Ansprechpartner und Freundin", merkt Stefanie Kitzinger an. "Dann kann man die Früchte seiner Integration tragen", ergänzt Romy Bihr, "und das macht sehr stolz". Die beiden betonen, wie wichtig und hilfreich das Engagement von Pfarrer Nicolai Gießler, der sieben Menschen in seinem Gemeindehaus untergebracht hat, bei der Versorgung der Geflüchteten war.

Helferinnen und Helfer könn unter der Mailadresse ipf-ries-hilfe@gmx.de ihre Unterstützung anmelden. Spenden, mit denen Geflüchtete und Menschen in der Ukraine unterstützt werden, sammelt die Passionsspielgruppe Dirgenheim mit der IBAN DE62 6006 9239 0022 9190 07. 

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