Spannende Lesung in der ehemaligen Synagoge Oberdorf

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Viele interessierte Zuhörer waren bei der Lesung von Lilly Maier in der ehemaligen Synagoge Oberdorf.
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Wie Historikerin Lilly Maier über das Leben von Ernst Papanek berichtet, der jüdische Kinder rettete.

Bopfingen-Oberdorf. Die ehemalige Synagoge in Bopfingen-Oberdorf ist für ihre interessanten Veranstaltungen bekannt.

Zum zweiten Mal war Lilly Maier nun zu Gast. Die Journalistin, Historikerin und Autorin stellte ihr Buch „Auf Wiedersehen, Kinder!“ vor. Das Buch ist eine Biografie über Ernst Papanek, der im Zweiten Weltkrieg jüdische Kinder aus Wien rettete. Die Kinder wurden nach Frankreich in Heime gebracht, in denen Papanek sie betreute und dabei bereits die Strategie der kindlichen Trauma-Bewältigung anwandte. Ernst Papanek gilt als „die vergessene Ikone der österreichischen Pädagogik“, wie Lilly Maier es ausdrückte.

2003 traf Lilly Maier eines der überlebenden Kinder aus den Heimen in Frankreich und USA. Darauf war ihr Interesse an diesem Thema geweckt. „Deshalb wurde ich Historikerin“, sagt sie.

Sie zeigt Fotos, darunter das einzige Bild von Ernst Papanek mit Haaren. Bereits mit 20 Jahren hatte er eine Glatze. Mit viel Verve erzählt sie die Lebensgeschichte, die von vielen Höhen und Tiefen gezeichnet war. Dazwischen liest sie aus ihrem Buch.

Darin beschreibt sie mit viel Liebe zum Detail die Ereignisse, akribisch recherchiert und gut nachvollziehbar. Dafür hatte Maier Archive gesichtet, mit dem Sohn von Ernst Papanek und mit ehemaligen Kindern gesprochen, die der Wiener rettete. Die Kinder zwischen 2 und 15 Jahren mussten erst wieder lernen, Kind zu sein und zu spielen, beschreibt Lilly Maier das Trauma. Hier zeige sich, wie weit Ernst Papanek seiner Zeit voraus war. Erst in den 1980er Jahren sei in der Psychologie Traumabewältigung für Kinder wieder praktiziert worden.

Lilly Maier erzählt von der Flucht mit den Kindern aus Montmorecy, die Überfahrt nach New York, wo Papanek wieder von vorne anfangen musste. Er traf dort Elenore Roosevelt und wurde Leiter in ihrem Herzprojekt, einer Schule für straffällig gewordene Jugendliche. In Amerika entwickelt sich Papanek zum Experten für Jugendkriminalität und erhält eine Professur an der City University New York. Alles hört sich an wie ein spannender fiktiver Roman, aber immer wieder zeigt Lilly Maier mit ihren Bildern, dass es Wirklichkeit ist.

Mit vielen Gesten und einer sehr deutlichen Aussprache fesselt sie die Besucher, die im Anschluss einige Fragen zu Ernst Papanek haben.

Michael Freiherr von Thannhausen berichtete zu Beginn der Lesung, wie der Verein der ehemaligen Synagoge Oberdorf die zwei Pandemie-Jahre genutzt habe.

Johanna Fuchs und Kathleen Biber hatten wieder ein bemerkenswertes Event in der ehemaligen Synagoge organisiert. Davon darf es in Zukunft ruhig wieder mehr geben. 

Michael Freiherr von Thannhausen (rechts) freute sich über den zweiten Besuch von Lilly Maier (links) in der ehemaligen Synagoge in Oberdorf.
Die Autorin Lilly Maier präsentierte ihr Buch "Auf Wiedersehen, Kinder" in der ehemaligen Synagoge in Oberdorf.

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