3G: genesen, gefrustet, gelackmeiert

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Zwar genesen, aber ohne Zertifikat - da fällt es schwer, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.Ì
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Als Genesener ohne QR-Code gerät unser Reporter Michael Scheidle ins Vakuum gesetzlicher Corona-Vorschriften. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter weiß Rat.

Bopfingen. Corona macht Ärger, auch bürokratischen. Dies erfährt unser Reporter Michael Scheidle am eigenen Leib. Irgendwie fällt der Bopfinger in der Pandemie nämlich durch alle Raster.

Doch, der Reihe nach. Am 24. Dezember 2020 nahm der freie Journalist einen Fototermin bei einer Abstrichstation in Bopfingen wahr. Mehr im Scherz meinten die Anwesenden: „Probier’s doch auch.“ Neugierig, wie Journalisten sind, ließ sich Scheidle einen Abstrich nehmen. Der Schock: „Dabei stellte sich heraus, dass ich Corona positiv bin. Bei einem PCR-Test am 28. Dezember in Aalen wurde dieses Ergebnis bestätigt und ich ging in Quarantäne“, berichtet Scheidle.

Am 5. Mai 2021 ließ er über seinen Hausarzt einen Antikörpertest vornehmen. Dessen Wert lag bei 250 BAU/ml. „Zu diesem Zeitpunkt ein sehr guter Wert und mir wurde gesagt, eine Impfung sei zu gefährlich, da sich sonst ein zu hoher Antikörperstatus einstelle“, so Scheidle.

Das Landratsamt Ostalbkreis hat ihm am 8. Juni 2021 bestätigt, dass er genesen sei - mit dem Hinweis, dass ein weiterer Antikörpertest nach sechs Monaten erfolgen soll, damit er weiterhin als genesen gilt. Diesen Test ließ Scheidle am 12. Oktober 2021 machen. Das Ergebnis war 2430 BAU/ml. „Laut dem Labor liegt der Wert vier Wochen nach der zweiten Impfung bei etwa 1000 BAU/ml. Was bedeutet, ich habe das fast zweieinhalbfache Antikörpervolumen eines Geimpften“, sagt Scheidle. Das Landratsamt aber teilte ihm mit, dass die „Genesenenbescheinigung“ für ihn nicht ausgestellt werden könne, da sein positiver PCR-Test über ein halbes Jahr zurückliege.

„Mir wurde nahegelegt, mich impfen zu lassen, um weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, sagt Scheidle. Er wandte sich an das Landesgesundheitsministerium, wo man ihn ans Bundesgesundheitsministerium verwies. „Von dort warte ich seit Wochen auf eine Antwort. Telefonisch ist niemand zu erreichen“, sagt er.

Scheidle ist kein Impfverweigerer oder Verschwörungstheoretiker. „Für mich zählt Verstand. Dieser kommt nun aber in Verwirbelung“, meint er. Obwohl er doppelt so viele Antikörper im Blut hat, wie ein Geimpfter, solle er sich impfen lassen. „Mein Körper hat mehr Antikörper produziert als ein Vakzin. Trotzdem darf ich wegen der neuen Regelungen nicht am öffentlichen Leben teilnehmen und gelte weder als Genesener noch als Geimpfter“, ärgert er sich.

Zwar habe er ein Attest, dass er nicht geimpft werden solle, jedoch werde dies nicht immer anerkannt. „Das bedeutet, dass ich unter Umständen keine Veranstaltung mehr besuchen kann, um darüber zu berichten. Drastisch gesagt ein Berufsverbot“, meint Scheidle. „Kann man für Menschen wie mich, nicht auch einen QR-Code erstellen?“

„Lass Dich doch impfen,“ sagten jetzt manche zu ihm. „Würden Sie sich, wenn Sie gut gehen können, ein künstliches Kniegelenk verpassen?“, antwortet er dann. Außerdem fürchtet er, dass sein Körper dann die Produktion von Antikörper einstellt, da sie von außen zugegeben werden. „Ich helfe gerne, die Zahlen zu drücken. Aber muss ich dabei meine Gesundheit gefährden?“, fragt Scheidle und hat sich an den CDU-Bundestagsabgeordneten Roderich Kiesewetter gewandt.

Das meint der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter

Kiesewetter hat ihm prompt geantwortet. „Es gibt inzwischen mehr Fälle wie den Ihrigen – also Covid-19-Genesene, die noch Monate später eine hohe Zahl von Antikörpern nachweisen. Einige wollen sich nicht impfen lassen aus Angst einer Überreaktion des Immunsystems. Ob diese Angst berechtigt ist, möchte ich nicht beurteilen“, schreibt der Bundestagsabgeordnete.

Die Bundesregierung habe sich entschieden, die Immunität von Genesenen nur für sechs Monate rechtlich zu akzeptieren. Dabei werde sich nicht an der Menge der Antikörper des jeweiligen Patienten orientiert, sondern an Durchschnittswerten, nennt Kiesewetter den aktuellen Stand der Dinge. „Somit lässt sich die Regelung natürlich nicht pauschal auf alle Patienten anwenden, es ist aber auch noch unklar, ab welcher Menge von Antikörpern tatsächlich eine Immunität vorliegt. Zudem spielen bei der Immunisierung nicht nur die Antikörper eine Rolle, sondern auch die sogenannten T-Zellen“, erklärt Kiesewetter .

„Ein hoher Antikörperspiegel steht auch einer Booster-Impfung nicht im Weg. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass die Impfung nicht mehr wirkt. Das hängt aber insbesondere von der Art des Impfstoffs ab. mRNA-Impfstoffe zeigen bisher immer ihre Wirkung“, rät Kiesewetter Scheidle, aber auch allen anderen in ähnlicher Lage.

Bescheinigung der Kontradiktion

„Ich würde Ihnen empfehlen, sich einen Beratungstermin bei einem Arzt Ihres Vertrauens zu machen und sich mit Ihm nochmals über die Vor- und Nachteile der Impfung zu unterhalten. Sollte Ihnen erneut von der Impfung abgeraten werden, bestehen bei der 2G-Regelung Ausnahmen für Personen, die sich nicht impfen lassen können. Wenn das bei Ihnen wirklich der Fall ist, was ich nicht einschätzen kann, da ich kein Mediziner bin, dann haben Sie Anrecht auf eine Bescheinigung Ihrer Kontraindikation. Ein solches Attest wird im gesamten Bundesgebiet anerkannt“, endet das Schreiben.

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