Arnold Haushaltswaren schließt

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Diana und Stefan Arnold vor ihrem Geschäft in der Hauptstraße 66 in Bopfingen. Mitte April soll der Räumungsverkauf starten, dann Ende die Ära nach 55 Jahren.

Die Tradition endet nach dem Räumungsverkauf im Juni. Diana und Stefan Arnold erklären, wie es dazu kam.

Bopfingen

Bopfingen ohne das Haushaltswarengeschäft Arnold, geht das? Leider muss es gehen, denn das Traditionsgeschäft schließt Ende Juni. Generationen kauften dort Geschirr, Grills und andere Accessoires ein. Mit viel Herzblut haben zwei Generationen der Familie Arnold den Laden betreut, zusammen mit drei Vollzeit-, zwei Teilzeitmitarbeiterinnen und einer Auszubildenden. Gertrud Arnold hat diesem Geschäft ihren eigenen Stempel aufgedrückt und war immer bereit zu helfen. Nicht nur den Kunden, auch bei vielen Aktivitäten in der Stadt, allen voran bei der Ipfmesse.

Beratung vor Ort, Kauf online

Warum nun nach 55 Jahren der Schlussstrich? "Das Verbraucherverhalten hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert", erklärt Stefan Arnold, der 2003 die Geschäfte von seinem Vater Willi Arnold übernommen hat. "Viele holen die Beratung in einem Fachgeschäft ab und kaufen anschließend online, weil es dort augenscheinlich billiger zu sein scheint." Die Lieferantenloyalität sei ebenfalls nicht mehr gegeben. "Die Lieferanten beliefern inzwischen jeden – ob Fachhandel, Discounter oder Onlineshop. Teilweise eröffnen die Lieferanten selbst ihre Outletshops", klagt Stefan Arnold.

Gerade im vergangenen Jahr war dies für das Haushaltswarengeschäft spürbar. "Die Lockdowns waren der Brandbeschleuniger", sagt Stefans Frau Diana Arnold. Schon seit Jahren spüren die Arnolds in Bopfingen den Gegenwind, doch sie hingen an ihrer Heimat. Sie waren gerne bereit, als Sponsor für Sport und Kultur dabei zu sein.

Jeder Durchfahrende kennt das markante Logo. Aus einem Umkreis von 25 Kilometer kamen die Kunden nach Bopfingen "zum Arnold". "Wir haben sehr liebe und treue Stammkunden", sagt Diana Arnold, doch wird die Frequenz weniger, und das bereits seit Jahren. "Mein Mann denkt und plant sehr weitsichtig", sagt Diana Arnold. Schon oft habe er die richtigen Entscheidungen getroffen. Diana und Stefan Arnold haben sich intensiv darum gekümmert, dass es für die Mitarbeiterinnen in der einen oder anderen Form weitergeht. "Wir haben mit den Mitarbeiterinnen gesprochen und sie nach ihren Stärken gefragt. Dementsprechend konnten wir ihnen eine Zukunft bieten", erzählt Stefan Arnold.

Stahlgeschäft und Post bleiben

Das Stahlgeschäft in Essingen bleibt erhalten und ist von der Schließung nicht betroffen. Ebenso wird die Poststelle weiterhin in der Hauptstraße im Arnold-Haus bleiben. Stefan Arnold bedauert, dass es in Deutschland keine Chancengleichheit gebe. "Der Gesetzgeber legt uns viele bürokratische Hürden in den Weg", sagt er.

Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler zeigt sich betrübt. "Es ist schade, wenn ein solches traditionelles Geschäft schließt", sagte er. Doch er stellt auch klar, dass die Kunden darüber zu entscheiden haben. "Die Verbraucher müssen sich fragen: Will ich die Online-Riesen noch größer machen, oder will ich in einem lebenswerten Ort mit guter Versorgung wohnen?", sagt das Stadtoberhaupt. Für Peter Altrichter, Vorsitzender des Gewerbe- und Handelsvereins, fällt mit Haushaltswaren Arnold ein Kronjuwel aus dem Bopfinger Geschäftepuzzle. "Nun verschwindet ein Name, der über Jahrzehnte hinweg die Bopfinger Ladenwelt mitgeprägt hat." Und: "Da bricht auch eine Stütze des GHV", sagt er.

Familie Arnold ist den Bopfingern und den treuen Kunden für die jahrelange Loyalität dankbar. "Unserer Welt wird immer schnelllebiger, davor können wir nicht die Augen verschließen", sagt Stefan Arnold. Ab Mitte April bis Ende Juni wird nun der Räumungsverkauf stattfinden.

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