Bei Ledertech gehen die Lichter aus

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Bei der Ledertech ruht der Betrieb seit dem Lockdown im April 2020. Nun wird die Eröffnung des Insolvenzverfahrens geprüft.
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Rund 40 Beschäftigte stehen vor dem Nichts. Wirtschaftsprüfer Patrick Wahren ist im Insolvenzantragsverfahren zum Sachverständigen bestellt worden.

Bopfingen

Schon wieder eine Hiobsbotschaft: Nach womöglich 250 Arbeitsplätzen bei Magna verliert die Stadt unterm Ipf rund 40 weitere Jobs bei der Ledertech GmbH. Für die dort Beschäftigten ist das eine Katastrophe, wenngleich die Belegschaft in der drohenden Insolvenz nun auch eine Chance für die Zukunft sieht.

Die Ledertech in Bopfingen hat eine turbulente Geschichte. Gegründet 2002 muss das Unternehmen 2011 erstmals in Insolvenz. Retter wird damals der türkische Konzern Bereket Energy, dem die GmbH bis heute gehört. Den Kontakt zum türkischen Investor hatte damals Sezayi Ilhan hergestellt. Der Mann war lange Betriebsrat im Unternehmen und arbeitet bis heute dort. Er ist besonders enttäuscht von der Entwicklung, wie er im Gespräch mit der SchwäPo sagt.

"Für uns Beschäftigte ist das eine absolute Katastrophe. Die meisten sind zwischen 50 und 60 Jahre alt, das wird schwer auf dem Arbeitsmarkt", sagt Ilhan.

Seit April 2020, seit dem ersten Corona-Lockdown, stehe der Betrieb in der Bopfinger Ledertech faktisch still. Die Belegschaft sei in Kurzarbeit geschickt worden. Aufträge seien damals noch vorhanden gewesen, auch Material für ungefähr eine oder zwei Wochen war da, sagt Ilhan. Produziert wurde aber nicht mehr, "bis auf ein paar Wochen im Juli 2020", so Ilhan.

Lohn hätten die Mitarbeiter zwar erhalten, wenngleich unregelmäßig, für den Dezember 2020 gab es aber gar nichts mehr. Und dabei habe die Belegschaft in der Vergangenheit stets auf Lohnerhöhungen, Urlaubs- oder Weihnachtsgeld verzichtet, erinnert sich Ilhan. Nun seien alle besorgt, "ob überhaupt noch Abgaben für die Sozialkassen für die Mitarbeiterschaft" bezahlt worden seien.

Wer eine andere Chance gesehen habe, der sei gegangen und arbeite nun woanders. "Das tut besonders weh, denn das Kapital der Ledertech ist neben der Maschine, mit der wir Lederfaserstoffe produzieren, vor allem das Wissen der Mitarbeiter", sagt Sezayi Ilhan.

Für uns ist das eine absolute Katastrophe.

Sezayi Ilhan Beschäftigter bei Ledertech

Fertigungsleiter Wolfram Süß sei seit September 2020 nicht mehr bei der Ledertech. Seit Monaten gebe es faktisch keinen Ansprechpartner mehr in Bopfingen, sagt Sezayi Ilhan. Auch aus der Türkei habe es keine Nachrichten gegeben. Ende August vergangenen Jahres seien auch Gas und Strom im Betrieb abgestellt worden. "Da haben wir darauf gehofft, dass nun rasch Insolvenz angemeldet wird, denn es gab Interessenten an der Firma", sagt Sezayi Ilhan.

Neue Investoren in Sicht

Es habe nämlich bereits Verhandlungen über einen Verkauf gegeben, berichtet Ilhan. Die Investoren hätten ein Konzept und ein Verfahren entwickelt, mit dem Lederfaserstoffe für die Automobilindustrie gefertigt werden könnten und hier gleichzeitig deren Lederabfälle entsorgt würden. Die Bopfinger Belegschaft und die Maschine hier seien Auslöser für das Interesse gewesen. Gescheitert sei ein Verkauf aber an den unterschiedlichen Preisvorstellungen, meint Sezayi Ilhan. Dennoch ruhen seine und die Hoffnungen der Belegschaft nun auf diesen möglichen Investoren.

Wie es weitergeht, wird sich in den nächsten Tagen konkretisieren. Auf Anfrage der Schwäbischen Post sagte der zuständige Wirtschaftsprüfer Patrick Wahren, Geschäftsführer der Stuttgarter Kanzlei Schneider Geiwitz, am Dienstagabend: "Der Auftrag des Amtsgerichts Aalen liegt mir erst seit gestern vor. Ich habe kurzfristig einen Termin in Bopfingen vereinbart, sodass ich derzeit noch keine belastbaren Informationen in der Angelegenheit erteilen kann."

Bürgermeister Dr. Gunter Bühler meint, dass Ledertech schon lange nicht sehr profitabel gewesen sei, wegen Corona überrasche es daher nicht, dass es nun vielleicht zur Insolvenz kommt. Aber ein Schnitt sei nötig für eine neue Perspektive, die durchaus möglich sei.

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