Bopfingen: Die ersten Ukraine-Familien sind da

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34 Menschen aus dem Kriegsgebiet in sieben Familienverbünden finden im ehemaligen DRK-Pflegeheim in Bopfingen eine sichere Unterkunft. Es werden weitere Flüchtlinge erwartet.

Bopfingen

Der Krieg in der Ukraine bringt unsagbares Leid. Die Hilfsbereitschaft in Deutschland ist groß, auch in Bopfingen. Das DRK stellt sein geräumtes Pflegeheim in Bopfingen für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen zur Verfügung. „Die erste vierköpfige Familie ist am Montag eingezogen“, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Matthias Wagner im Gespräch mit der SchwäPo. Weitere 30 Menschen in sieben Familienverbünden aus der Ukraine ziehen am Dienstag, ab 10 Uhr ein. 20 seien weiblich, zehn männlich. Mütter, Kinder, Großeltern, Schwestern, Onkel und Tanten. Die jüngsten Kinder seien zwei und vier Jahre, zehn seien unter 18 Jahren, 17 Menschen zwischen 18 und 60 Jahren und drei über 60, sagt Wagner.

„Es war abzusehen, dass der Krieg auch die Zivilbevölkerung trifft und es zu Fluchtbewegungen kommt. Uns als DRK war klar, wir müssen helfen. Die Einrichtung in Bopfingen kam sofort ins Gespräch. Wir können dort mindestens 100 Menschen unterbringen“, sagt Wagner.

Wäscherei auf Sperber-Areal

Zum Hintergrund: Das DRK muss wegen gesetzlicher Vorgaben das Pflegeheim in Bopfingen aufgeben, abreißen und einen Neubau errichten. Die Vorarbeiten hierzu laufen und seien auch im Zeitplan, sagt Wagner. Aktuell werden in Bopfingen noch die Tagespflege und die zentrale Wäscherei betrieben. „Die Tagespflege bleibt am Standort erhalten und die Wäscherei in Bopfingen brauchen wir dringend“, sagt Wagner. Das DRK wird eine neue Wäscherei auf dem ehemaligen Sperber-Areal bauen. Bis der Neubau fertig ist und die Wäscherei in Betrieb geht, in 18 Monaten soll das sein, ändert sich am alten Standort nichts.

Gut in Schuss ist das ehemalige Pflegeheim. „Wir haben uns reingekniet, dass die Räume sofort bezogen werden können“, sagt Wagner. Der Landkreis mietet die Immobilie für die Unterbringung der Flüchtlinge. 43 Zimmer stehen zur Verfügung.

„Die Familienverbünde kommen in einem, zweien oder drei Zimmern unter“, erklärt Wagner. Auf jeder Etage gibt es eine kleinere Küche, die zentrale Küche ist nicht mehr in Betrieb. Wie werden die Leute versorgt? „Wir haben einen Dienstleister gesucht, der die Leute mit Mittagessen versorgt. Unser Partner ist das Wirtsehepaar Senz vom Kreuz & Quer. Frühstück und Abendessen sollen sich die Menschen selbst zubereiten“, erklärt Wagner diesen „Sonderfall“.

Erste Anlaufstelle für alle Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sei die LEA in Ellwangen. Dort würden die Menschen ins System erfasst und vom Landkreis verteilt. „Wir holen die 30 Menschen am Dienstagmorgen in der LEA ab und bringen sie nach Bopfingen“, sagt Wagner. Wie viele und wann weitere Flüchtlinge kommen, weiß er noch nicht, man sei aber gerüstet, sagt er.

„Am 20. März 2022 feiern wir die Gründung des DRK-Verbandes in Aalen vor 75 Jahren und 1947 waren die Aufgaben dieselben wie heute. Es ging darum, Kriegsflüchtlinge mit Nahrung, Kleidung und Unterkünften zu versorgen. Eine Blaupause für heute quasi“, meint Wagner nachdenklich.

Bopfingen hilft gerne mit

Bürgermeister Dr. Gunter Bühler freut sich, über die „große Hilfsbereitschaft in Bopfingen“, die er täglich wahrnimmt. Manche hätten über private Kontakte bereits Flüchtlinge bei sich aufgenommen. Viele fragten im Rathaus an, wie sie helfen können. Es gebe Privatleute, die Wohnraum anböten - zur Miete, aber auch kostenlos. Leider müsse man diese noch vertrösten, weil die Koordination bei Landkreis und übergeordneten Stellen erst richtig anlaufe.

Als Faustregel nennt Bühler: Kommen 500.000 Flüchtlinge aus der Ukraine, muss Bopfingen mindestens 19 aufnehmen, kommt eine Million Menschen, muss Bopfingen 38 Flüchtlinge aufnehmen. „Wir bringen die Menschen alle unter“, versichert er und verweist darauf, dass auch die Stadt hierzu einige ihrer Immobilien fit macht.

Momentan sei noch offen, wie den Kriegsflüchtlingen darüber hinaus geholfen werden könne, beispielsweise mit Sachspenden. „Die Leute, die jetzt kommen, haben nicht mehr als das, was in einen Rollkoffer passt“, kündigt Bühler gemeinsame Sammlungen mit dem DRK an. Wagner begrüßt dies. Er will erst die konkreten Bedarfe eruieren. Kleidung für Kinder, Frauen und Männer als Erstausstattung sei aktuell zumindest ausreichend vorhanden.

Keine LEA-Außenstelle am Ipf

Überlegungen im Vorfeld, im ehemaligen DRK-Pflegeheim, einen Ableger der LEA zu installieren, sei er deutlich entgegengetreten, sagt Bürgermeister Bühler. „Das würde in Bopfingen nicht funktionieren. Der Landrat hat mir versprochen, dass der Gedanke vom Tisch ist“, sagt Bühler. Mütter mit Kindern, allgemein besonders schutzbedürftige Menschen, wolle Bopfingen sehr gerne aufnehmen. Die Stadt werde hier das DRK und den Landkreis gerne unterstützen. „Wir tun, was wir können und müssen“, sagt Bühler.

Herausforderungen der Zukunft

Neben der schnellen Hilfe, die nun primär der Landkreis und das DRK leisteten, bleibe für die Stadt Bopfingen auch eine große Herausforderung. „Wir müssen die Flüchtlinge menschlich aufnehmen und gut mit ihnen umgehen“, sagt Bühler. Traumatisierte, vor allem Kinder, bedürfen niederschwelliger Angebote. Die Stadt wolle daher eine Struktur aufbauen mit Angeboten für Kinder, wie Erlebnissen in der Natur, Bastelaktionen oder Ähnlichem. Ehrenamtliche seien hier willkommen. Kinderbetreuung nach Maßgabe der aktuell gesetzlichen Regelungen sei aber kurzfristig nicht zu stemmen. „Da müssten wir bei 50 Kindern, die neu dazu kommen, neue Kindergärten bauen und Personal einstellen, dass es derzeit gar nicht gibt auf dem Markt. Ich hoffe daher, dass der Staat uns Kommunen die Geländegängigkeit gibt, für die Bewältigung solcher, ganz konkreter Probleme“, sagt Bühler.

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