Bopfingen hat einen I(m)pfstoff

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Prosit vor den Sudkesseln mit Corona-Abstand: Borgny und Michael Schieber freuen sich mit Bürgermeister Dr. Gunter Bühler (von links) über den "I(m)pfstoff" aus dem "Brauwerk".
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Die Stadt hat wieder eine Brauerei. In Sonnenwirt Michael Schiebers "Brauwerk" entstehen Export, Pils und Weizen – aktuell verkauft er die Halbe "Beldes" in edlen Ampullen.

Bopfingen

Hart sind die Corona-Zeiten für alle, besonders aber für die Gastronomie. Zur Untätigkeit verdammen lassen will sich Sonnenwirt Michael Schieber aber nicht – und hat deshalb kräftig gewirbelt. Eine professionelle Hausbrauerei hat er in seiner Scheuer inzwischen installiert, sein "Brauwerk".

Die Braukunst hat sich der Küchenchef selbst in Kursen "drauf geschafft". Weil Schiebers Brauen aber keine Privatsache ist, hat er sich einen Meister ins Boot geholt: Achim Schneller ist dabei, wenn gebraut wird.

Seit etwa 20 Jahren gehe er mit der Idee schwanger, mit dem Brauwerk habe sich ein Traum erfüllt, sagt Schieber. Rund eineinhalb Jahre Arbeit hat er investiert. Die Brauanlage hat er gekauft, alles Drumherum aber hat er selbst gefertigt. Respekt.

Eigentlich, so Schieber, soll sein Bier in seiner Gaststätte ausgeschenkt werden. Doch Corona verhindert dies. Also füllt er seinen Gerstensaft nun in Flaschen ab. In ganz besonderen. Die sind als Trinkflasche wiederverwendbar und kommen als Halb-Liter-Impf-Ampullen daher. Passt. Die Schiebers nennen ihr Produkt "I(m)pfstoff".

"Die Pandemie ist schlimm, sie bringt für manche Leid und für viele große Einschränkungen. Der Name soll bitte keinen kränken", erklärt Michael Schieber. Und: "Der Ipfstoff hilft zwar nicht gegen die Corona-Problematik, aber er macht sie mit einem Zwinkern erträglicher – Humor ist doch die beste Medizin."

Bürgermeister, Gemeinderat und Bopfinger Ärzte hat Schieber schon vorab mit einer Dosis Ipfstoff versorgt. Der Rest wird verkauft, und es gilt: Wer zuerst kommt, erhält die "Ipfung".

Humor ist doch die beste Medizin.

Michael Schieber Sonnenwirt und Küchenchef

Der Impfstoff wirkt zumindest auf dem Gaumen ganz hervorragend. Da ist Schieber ein feines Bier gelungen, wie der Reporter erschmeckt hat. 12,5 Prozent Stammwürze, 4,9 Promille Alkohol. Ein Export ist es und es firmiert als "Beldes".

Der Name hat Tradition, galt der einstige Stadtschreiber Balthasar Enslin im Mittelalter doch als besonders pfiffig und belesen und vor allem als einer, der schaute, dass "seine" Stadt Bopfingen nirgends übervorteilt wurde, wie Bürgermeister Dr. Gunter Bühler weiß. So groß war die Achtung für den Mann in den Stadttoren, dass viele ihre Söhne ebenfalls Balthasar tauften und das Umland die Bopfinger auch deshalb bald "Beldes" nannte.

Der Bürgermeister freut sich, dass Bopfingen wieder eine Brauerei hat, und er frotzelt: "Bei uns klappt das mit dem Stoff, weil nicht die EU bestellt hat, sondern Bopfinger zuständig sind". Die Stadt freue sich über diese Bereicherung. Das Bier sei handwerklich fein gebraut und von hoher Qualität, sagt Bühler und nimmt einen Schluck.

Im Gewölbekeller unter seinem Lokal hat Schieber die Lagerkessel untergebracht. Durch eine Pipeline läuft das Bier in die Zapfhähne in der Gaststube. Brauen will er auch ein Pils, mit Namen "Lias", der an die hiesigen Gesteinsschichten erinnert, und auch ein Weizenbier hat er in petto. Das heißt "Anton", als Reminiszenz "an einen wunderbaren und großzügigen Menschen", lacht Schieber. Für alle Biere gilt: Sie werden aus heimischen Zutaten gebraut. Weiches Bopfinger Wasser, Getreide vom Härtsfeld und die Mälzerei ist in Nördlingen.

Um die Bierleidenschaft zu komplettieren, gibt es auch einen Bierbrand und Sonnenwirtin Borgny Schieber hat ein Biergelee ersonnen: "Das schmeckt besonders zu Käse sehr fein." Glaube ich ihr unbenommen. Prost.

Michael Schieber vor seinen Lagerkesseln im Keller.
"I(m)pfstoff" gibt es in Halbliter- und Zweiliterflaschen oder im Fünf-Liter-Partyfässchen – solange der Vorrat reicht.

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