Breitbandoffensive für Bopfingen

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Glasfaseranschlüsse für das Bildungszentrum und die Schule am Ipf bis 2022 geplant. Digitale „weiße Flecken“ in Bopfingen und den Ortsteilen sollen bis Ende 2023 beseitigt sein.

Bopfingen

Schnelles Internet für alle! Das ist die Zielsetzung von Bund und Land. Viele Millionen Euro werden in die Infrastruktur investiert, auch in Bopfingen. Rund 90 Prozent der Kosten übernehmen hier Berlin und Stuttgart, die restlichen zehn Prozent bleiben an der Stadt unterm Ipf hängen. Ein Kraftakt, angesichts einer nun nötigen Investition im Gesamtvolumen von zunächst rund 17,7 Millionen Euro.

Im Gemeinderat hat die Stadtverwaltung nun das Gremium über den Sachstand und das weitere Vorgehen auf diesem Feld informiert. In zwei Bereichen läuft die Breitbandoffensive. Es werden die „weißen Flecken“ beseitigt und zum anderen werden die Schulen vollends mit schnellem Internet ausgestattet.

„Eigentlich waren Bürgerinformationsveranstaltungen geplant, um den Menschen genau zu sagen, was geschehen soll, wegen Corona sind diese aber leider nicht möglich“, bedauert Bürgermeister Dr. Gunter Bühler.

Schulen ans Netz

Die Schule am Ipf und das Bildungszentrum warten noch auf schnelles Internet. Zwar verfügten beide über passable digitale Lösungen, „aber wenn 50 Klassen und die Lehrerschaft wegen Homeschooling gleichzeitig auf Daten zugreifen, stoßen wir an Leistungsgrenzen“, sagt Bühler.

Am Ende der Maßnahmen sollen beide Bildungseinrichtungen mit Glasfaserkabeln direkt angeschlossen sein. Hierfür sei eine rund 3,8 Kilometer lange Kabeltrasse nötig. Zum einen geht es dabei vom Verteiler am Bahnhof zum Bildungszentrum, zum anderen vom Bahnhof mitten durch die Innenstadt und über die Ortsdurchfahrt zur Schule am Ipf. Verkehrsbehinderungen sind unvermeidlich.

Kosten soll die Schul-Maßnahme insgesamt rund 1,4 Millionen Euro. Vom Bund kommen 697 000 Euro, vom Land 557 000 Euro und die Stadt muss hier 139 000 Euro aufbringen.

Im Sommer 2022 soll hier alles erledigt sein, vorausgesetzt, die Stadt findet einen Anbieter, der die Leistungen erbringt. Das sei nicht einfach, sagt Bühler, die Ausschreibungen seinen kompliziert und zeitaufwendig. So komplex und voller Fallstricke, dass die Stadt eine Anwaltskanzlei für die Ausschreibung hinzuziehen musste. „Das mussten wir bisher noch nie“, sagt Bühler.

Glasfaser für weiße Flecken

Anwaltschaftliche Dienste und die Expertise eines externen Planungsbüros erforderte erst recht der größere Brocken. Die Beseitigung der digitalen „weißen Flecken“ im Stadtgebiet verschlingt rund 16,3 Millionen Euro.

Als „weiße Flecken“ mit eher schlechter Versorgung ausgemacht wurden vor allem Oberdorf, Flochberg und Schloßberg, sowie Teile von Kerkingen, Michelfeld, das Heidmühltal, einige Aussiedlerhöfe, Teile von Trochtelfingen und die Röhrbachsiedlung dort. Alle Haushalte sollen Glasfaseranschlüsse bis ans Haus erhalten.

„Ich verstehe die Ungeduld der Menschen. Aber die Ausschreibung kostet viel Zeit. Es gibt definierte Fristen, die wir einhalten müssen und auf die wir keinen Einfluss haben. Wir wollen Ende Oktober 2023 mit allem fertig sein, aber das wird sportlich“, sagt Bühler. Haushalte in den weißen Flecken müssten am längsten warten, hätten am Ende aber die beste und schnellste Technik, macht er Mut.

Eingehalten werden kann der Zeitplan nur, wenn Bopfingen einen Generalunternehmer findet. „Wir sind als Stadt zu klein, um alle Bereiche einzeln auszuschreiben“, sagt Bühler. Daher suche man ein Unternehmen, das alles als Paket erledige, und hoffe auf eine regionale Lösung.

Frühestens Anfang November 2021 könne ein Zuschlag erteilt werden. „Da ist noch keine Schaufel Erde bewegt worden“, so Bühler. Es gehe beim Projekt um den Tiefbau und die Netzarchitektur. Anbieten würde es sich, wenn die EnBW ODR, die ohnehin in einigen der betroffenen Gebiete Stromleitungen von Hausdächern unter die Erde bringen will, inhaltlich und konzeptionell mit im Boot wäre.

Eine Herausforderung in jedem Fall werden die Bauarbeiten in Schloßberg, wo an vielen Stellen der Einsatz schwerer Maschinen unmöglich ist. „Hier geht es oft wohl nur mit Schubkarren“, meint Bühler.

Einen Zeitplan, wann in welcher Straße gearbeitet werde, könne es hier nicht geben, beantwortet der Bürgermeister Fragen. Der Generalübernehmer müsse die Entscheidungshoheit haben, wann er wo arbeite. „Wir können nur ein Enddatum definieren, wann alles fertig ist, so ist die Rechtslage“, sagt Bühler.

„Fleckenlöser“ werden teuer

Kosten soll die Beseitigung der „weißen Flecken“ rund 16,3 Millionen Euro. Der Bund steuert 8,16 Millionen Euro bei, vom Land rechnet die Stadt mit einem Zuschuss von rund 6,53 Millionen Euro, wenngleich hier der Bewilligungsbescheid noch aussteht. Die Stadt Bopfingen muss demnach rund 1,63 Millionen Euro aufbringen.

Ob diese Summe reicht, ist jedoch fraglich, weil es bei den Bauarbeiten sicher die ein oder andere Maßnahme geben wird, die die Stadt parallel dazu erledigen wird und muss. „Wir können aber nicht jede Straße, die aufgerissen wird, komplett neu richten“, warnt Bühler vor allzu großen Erwartungen.

Raus aus dem Haushalt?

Zur Finanzierung der Beseitigung der „weißen Flecken“ und im nächsten Schritt dann der Beseitigung der „grauen Flecken“, die mit Kosten von weiteren 50 Millionen Euro taxiert wird, kann sich Bühler vorstellen, die Maßnahme komplett aus dem Haushalt herauszunehmen und mit externen Krediten zu finanzieren. Dies würde der Stadt finanziellen Gestaltungsspielraum an anderen Stellen erhalten. Die Kredite könnten über eine Art Pacht, die jeder entrichtet, der die neuen Leitungen in Anspruch nehmen will, refinanziert werden.

Diese Idee findet bei den Fraktionsvorsitzenden Dr. Carola Merk-Rudolph (SPD) und Thomas Trautwein (CDU) Anklang. Weiter gibt es im Gemeinderat einhellige Zustimmung und große Freude darüber, dass sich in Sachen Breitbandausbau in Bopfingen und seinen Teilorten endlich Entscheidendes und für die Zukunft Nötiges bewege.

Es wird schwierig, aber am Ende ist das eine riesige Verbesserung.“

Dr. Gunter Bühler, Bürgermeister zum Breitbandausbau
breitband Bopfingen Collage

Rubriklistenbild: © opo und ca

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