Brillante Klassik bei den Rosetti-Festtagen

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Die Kammermusiker um Johannes Moesus spielten eine Komposition von Antonio Rosetti, die Sinfonie G-Dur Murray.

Bayerisches Kammerorchester Bad Brückenau unter Johannes Moesus und Bratschist Georgy Kovalev begeistern in Bopfingen.

Bopfingen. Klassisch ist in Musik und Kunst nicht umsonst ein Synonym für schön, formvollendet und wohltemperiert. Davon konnten sich die Zuhörer in der Bopfinger Stadtkirche beim Konzert des Bayerischen Kammerorchesters Bad Brückenau überzeugen. Anlass des Konzerts waren die 21. Rosetti-Festtage im Ries, zu deren Ehren die Musiker lauter Komponisten der musikalischen Klassik auf dem Programm hatten.

Wen wundert es? Zu Beginn ihres Konzertes kredenzten die Kammermusiker um Johannes Moesus eine Komposition von Antonio Rosetti, die Sinfonie G-Dur Murray. Hier – wie während des ganzen Konzerts – gefiel die Akkuratesse des Orchesters, dessen Spiel in homophonen Passagen wie aus einem Guss war und ansonsten viel Raum für exakten musikalischen Dialog bot. Die Tempi wurden durchweg frisch gespielt, das dynamische Spiel klappte vorzüglich. Akzentuierte Punktierungen ließen schöne Legati umso kantabler erscheinen. Im Menuet sang sich die Oboe in brillanter Diktion in die Herzen ihrer Zuhörer. Das Vibrato der hohen Streicher flirrte im Presto, die Bläser setzten Signaltöne dagegen.

Herzstück des Abends war das Konzert für Viola und Orchester D-Dur von Johannes Sperger. Und hier erhöhte sich für einen Moment die Herzschlagfrequenz: Der Solist fehlte und es wurde kurz vermutet, er stehe vor der verschlossenen Kirche. Doch dann war Georgy Kovalev da – und zwar in bestechender Präsenz. Im ersten Satz dominierte er nicht durch Lautstärke, wohl aber durch eine luzide Tonführung. Legendär waren seine Lagenwechsel, wobei der Bratschist in der hohen Lage die Flageoletts zelebrierte. Mit Transparenz in der Höhe und einer vollen und warmen Tongebung in den mittleren Lagen zog Georgy Kovalev das Publikum in seinen Bann. Das Orchester erwies sich in Spergers Komposition als kongenialer Partner. Besonders im Rondo spielten Streicher, Holzbläser und der Solist einander Motive und Motivfragmente synergisch zu.

Ohne eine Komposition von W.A. Mozart wäre das Konzert schwerlich denkbar gewesen. Die Musiker hatten sich die nicht zu bekannte Sinfonie A-Dur KV 201 ausgewählt. An manchen Stellen zeigte sich diese Sinfonie als Lehrstück der Wiener Klassik, ohne jedoch die großen mozartschen Glanzmomente aufzuweisen. Ein ums andere Mal punkteten die Holzbläser mit brillantem Ton. Hohe und tiefe Streicher gestalteten das Menuetto mit Verve. Solide und trotzdem geistvoll inszenierten die Kammermusiker das Allegro con spirito.

Johannes Moesus – im Programm als musikalischer Entdecker mit Faible für bekannte und unbekannte Klassiker ausgewiesen – leitete seine Musiker souverän. Sein Dirigat war wie das gesamte Konzert: edel und unaufgeregt heiter. Simone Robitschko

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