Bürgermeisterwahl in Bopfingen: Bereit zum Neustart nach Corona

+
Dr. Gunter Bühler (55) bleibt Chef in „seinem“ Rathaus. Im Gespräch mit der SchwäPo blickt er auf die Top-Themen der kommenden acht Jahre seiner Amtszeit.
  • schließen

Dr. Gunter Bühler ist der einzige Bewerber um das Amt in Bopfingen. Wohnen, Breitband, Veranstaltungshalle und der Sport - für die kommenden acht Jahre setzt er Top-Themen.

Bopfingen.Ohne Gegenkandidaten tritt Bopfingens Bürgermeister Dr. Gunter Bühler bei der Wahl am 7. November 2021 an. Damit ist klar: Er bleibt für weitere acht Jahre Chef im Rathaus in der Stadt unterm Ipf. Dass sich keiner traut, das wertet Bühler ein Stück weit auch als Erfolg seiner Arbeit. „Vielleicht sieht man einfach, dass in Bopfingen viel passiert ist und offenbar wird die Arbeit anerkannt.“ Er hofft dennoch auf eine gute Wahlbeteiligung, denn die sei zusätzlicher Ansporn für die künftige Arbeit.

Ein Rückblick

Am 2. Februar 2022 werden es 16 Jahre, dass Bühler im Amt ist. Vieles hat sich verändert in Bopfingen unter seiner Ägide. In der noch laufenden Legislaturperiode sticht dabei sichtbar die städtebauliche Entwicklung heraus.

Die neue Bahnunterführung, vor allem aber der neue Ipftreff haben der Stadt ein modernes, attraktives Gesicht gegeben. „Das Ipftreff-Areal war die härteste Nuss, der langwierigste Prozess, aber was nun entstand, hat hohe Qualität, inhaltlich und städtebaulich“, ist Bühler überzeugt.

Auch in den acht Bopfinger Ortsteilen habe sich viel getan, erinnert Bühler. Es wurde unter anderem Bauland geschaffen, es wurde in Dorfplätze investiert. „Es ist wichtig, dass die Ortsteile vital bleiben und ihre Identität bewahren. Wir brauchen sie. Zusammen sind wir Bopfingen und manchmal ist es wichtig, bei Prozessen und Entscheidungen auf anderen Ebenen, das gesamte Potenzial von 12.000 Einwohnern einzubringen“, sagt Bühler.

Schulen, Betreuung, Verwaltung

Die Sanierung der Schulen war ein weiterer Kraftakt. Ins Bildungszentrum allein flossen bislang rund 15 Millionen Euro, in die drei Grundschulen wurden insgesamt knapp drei Millionen investiert. Aktuell und in den kommenden Monaten schreitet an den Schulen die Digitalisierung weiter voran. „Wir haben 200 digitale Tafeln gekauft und müssen weiter massiv in das Thema Digitalisierung einsteigen. Übrigens auch in der Verwaltung. Auch die wollen wir in den nächsten Schritt bringen - eine große Herausforderung.“

Daneben wurde ein Kinderhaus gebaut und das Thema Betreuung sukzessive weiter ausgebaut. „Wir haben insgesamt eine hohe Qualität in der Infrastruktur geschaffen, sind hier deutlich weitergekommen. Kläranlagen, Wasserwerk - auch hier wurde vieles verbessert“, sagt der Bürgermeister. Und er bedankt sich an dieser Stelle bei seinem Rathausteam und beim Gemeinderat, der bereit gewesen sei, Risiken und neue Wege zu gehen, und mitgezogen habe bei der Entwicklung der Stadt, und es dabei geschafft habe, „dass wir den Haushalt gut im Griff haben“.

Mitgezogen hätten auch die Unternehmen, bedankt er sich. Wenngleich die Magna-Schließung ein Dämpfer sei, hofft Bühler, dass sich die Stadt weiter wirtschaftlich positiv entwickelt, „denn Gewerbesteuereinnahmen machen uns beweglich“.

Top-Thema Wohnen

Mit Blick auf die kommende Amtszeit nennt Bühler einige Schwerpunktthemen. Wohnen werde ein solches. Bopfingen und die Teilorte seien wieder sehr gefragt als Wohnort. „Junge Leute wollen hier leben und Familien gründen, das ist sehr erfreulich“, sagt er. Deshalb werde Bauland ausgewiesen, deshalb gelte es, in der Kernstadt Brachen zu entwickeln und Häuser im Besitz der Stadt als Wohnraum zu erschließen.

Drei Mehrfamilienhäuser sind auf dem Schieber-Areal entstanden, die Kreisbau plane dort nun weitere vier Mehrfamilienhäuser. Im Neufeld seien vier Mehrfamilienhäuser geplant. „Wohnen in der Innenstadt muss in Qualität entwickelt werden, mit modernen Zuschnitten“, sagt Bühler. Investor müsse hier nicht zwingend die Stadt sein, Private seien herzlich willkommen.

Teurer Breitbandausbau

Ein weiterer Schwerpunkt wird der Breitbandausbau. Was bislang, wenn auch teuer, eher nebenher lief, rückt nun in den Fokus. Zur Beseitigung der grauen Flecken werden in den nächsten zwei, drei Jahren rund 17 bis 18 Millionen Euro verbaut. Vor allem in Oberdorf, Schloßberg und Flochberg. Zehn Prozent davon hat die Stadt zu tragen.

In den kommenden fünf Jahren sollen auch die weißen Flecken in der Breitbandversorgung beseitigt sein. „Da müssen wir wohl mit derselben Summe rechnen“, meint Bühler.

Der Traum von der Halle

Angehen will Bühler in der kommenden Amtszeit auch das Thema Sport- und Veranstaltungshalle. „Wir haben keine Halle in der Abi-Feiern würdig ablaufen könnten. Wettkampfsport ist unmöglich, und dies, obwohl wir am OAG ein Sportprofil haben. Auch für größere Veranstaltungen fehlt uns eine Halle“, konstatiert Bühler.

Ziel ist es daher, eine Mehrzweckhalle auf dem Areal der ehemaligen Lederfabrik zu schaffen. „Die Verträge liegen nun beim Land. Wir wollen das Gelände kaufen, wenn die Konditionen stimmen, und dann entwickeln“, sagt Bühler.

Gedacht ist an eine Halle in der Dimension, wie sie Neresheim hat. Die übrige Fläche soll als Logistikfläche für die Ipfmess bereitstehen. „Ohne diesen Platz kann es keine Mess geben“, sagt Bühler. Weil aber Mess nur einmal im Jahr ist, sei es denkbar, das Areal mit seinen Fließgewässern zu einer Grünzäsur zu entwickeln. Es soll Aufenthaltsqualität für Bopfinger geschaffen werden. „Das soll kein Stadtpark werden, aber eine grüne Lunge“, sagt Bühler.

Kultur bleibt im Blick

Steht die Halle erst, dann sind noch mehr und auch größere kulturelle Veranstaltungen möglich, als bisher. Denn, dass Bopfingen in puncto Kultur kräftig wirbelt, hat sich herumgesprochen im Kreis und findet Nachahmer. „Das kulturelle Angebot hat das Image von Bopfingen positiv verändert, vielleicht ist auch das ein Grund, weshalb immer mehr Menschen hier wieder wohnen wollen“, sagt Bühler.

Sport-Allianz Bopfingen?

Den Sport in der Stadt voranbringen, auch hierzu will Bühler seine kommende Amtszeit nutzen. Für denkbar hält er eine Bopfinger Sport-Allianz. Es gebe viele gute Angebote im Breitensport, aber nicht jeder Verein könne alles gleich gut anbieten. Kooperationen könnten die Lösung sein, zum Wohle aller Bopfinger, die Sport treiben wollen und denen es dabei egal ist, welcher Verein diesen anbietet. Ein runder Tisch zum Start könnte klären, wo Kooperationen möglich sind, meint Bühler.

Ausdrücklich ausgenommen davon sei das „Emotionsthema Fußball“, lacht Bühler. Selbst fußballbegeistert weiß er um die Konflikte. Sein Traum wäre es, wenn es gelänge, den Jugendfußball zwischen dem Raum Bopfingen und der bayerischen Grenze unter einen Hut zu bringen. „Aber in den Vereinen geht es oft primär um die erste Mannschaft und Jugendfußball trägt eben erst nach langer Zeit Früchte. Klar ist aber auch, ohne Jugendarbeit gibt es irgendwann auch keine aktiven Mannschaften mehr“, sagt Bühler.

„Back to Normalität“

Zum Schwerpunkt in den kommenden zwei Jahren will Bühler das Thema „Neustart nach Corona“ machen. „Ich denke, dass die Corona-Einschränkungen in absehbarer Zeit vorbei sein werden, aber es gingen inzwischen viele Strukturen kaputt. Die Vereine haben gelitten. Die Stadt hat versucht, ihnen bei den kulturellen Veranstaltungen die Möglichkeit zu geben, wenigstens ein paar Einnahmen zu erzielen. Das kam gut an“, sagt Bühler. Das Leben in Vereinen müsse wieder aktiviert werden, im Einzelfall könne die Stadt unterstützen.

Wie stark der Handel unter Corona gelitten hat und leidet, wie viel an den Internethandel verloren ging und ob und wie effektiv die Corona-Hilfen ankamen, darüber hat Bühler keine belastbaren Zahlen. Es sei aber spürbar, dass die Menschen wieder in die Stadt kommen, um einzukaufen. „Das hat der verkaufsoffene Sonntag an den Heimattagen unterstrichen“, meint Bühler. Die Lage in der Gastronomie, vor allem die Personalfrage, sei schwierig. „Wir müssen sehen, ob und wo wir unterstützen müssen“, sagt er.

„Wir haben in der Pandemie im Zusammenhalt gemeinsam viel erreicht in Bopfingen. Die Impfaktion hier war auch ein starkes Signal: Wir schauen nach unseren Leuten. Und in diesem Miteinander wollen wir nach vorne schauen. Back to Normalität, quasi. Wir planen aktuell für die Ipfmess 2022 und hoffen dort auf einen Neustart auch für das Volksfest“, kündigt Bühler an.

Zurück zur Übersicht: Stadt Bopfingen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL

Kommentare