Corona plagt Gastronomie unterm Ipf

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Geimpft, genesen, getestet oder geboostert. Der Zugang zu Lokalen hat Hürden. Archivfoto: opo
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FFP2-Maskenpflicht, Sperrstunde ab 22.30 Uhr, maximal Zehn-Personen-Gruppen: So bewerten die Gastronomen Martina Senz, Marica Enczman-Jungwirth und Felice Catalano die Lage.

Bopfingen. Corona setzt der Gastronomie zu. Die Umsätze brechen ein. Die SchwäPo hat in Bopfingen Innenstadt-Gastronomen gefragt, wie sie die Lage erleben.

Martina Senz: „Die Lage ist sehr schwierig“, sagt Martina Senz. Sie betreibt in Bopfingen das „Kreuz & quer“, in Dirgenheim das „Kreuz“ und im bayerischen Nördlingen das „Riesling“. Familienfeiern, Hochzeiten, Geburtstage - all das sei ihr wieder weggebrochen, bedauert sie. „Die Leute sind vorsichtiger und verunsichert“, sagt Martina Senz. Kaum einer wisse mehr, was darf ich und was nicht, und welche Nachweise sind nötig. „Von der Politik wünschen wir uns da eine klare Kommunikation“, sagt sie.

„Nach einem ganz guten Sommer und einem passablen Herbst haben wir gehofft, ein Ende der Krise ist in Sicht. Das war ein Irrtum“, sagt die Wirtin. Im „Kreuz“ in Dirgenheim habe sie extra eine Fläche abgetrennt und dort eine Teststation eingerichtet. Eine bis zwei Service-Mitarbeiterinnen kümmerten sich darum, auch um die Dokumentation.

Die FFP2-Maske sei kein Hemmschuh, die Pflicht, um 22.30 Uhr zu schließen, und die Personenobergrenze innen, aber schon. „Das macht Feste unmöglich“, sagt Martina Senz. In Bayern, im Nördlinger „Riesling“ beginnt die Sperrstunde bereits um 22 Uhr. Dafür gelte dort 2G, was die Dinge vereinfache.

Sehr bedauerlich sei, dass die Ipfmesse schon zweimal abgesagt werden musste. Die Festwirte Senz haben viel Geld in Festzelt und Technik investiert. Ob es 2022 eine Mess gibt, sei völlig offen. Die Alternativen im Stadtgarten der vergangenen Jahre seien zwar gut gewesen, könnten aber die Ipfmess natürlich nicht ersetzen, sagt sie.

Froh ist Martina Senz, dass sie ihr Personal halten und durch Umstrukturierungen alle beschäftigen kann. Trübsal blasen kommt für die Powerfrau nicht infrage. „Wir starten wieder Sonderaktionen im 'Kreuz & quer' wie zum Superbowl oder zum Valentinstag“, kündigt sie an. „Und irgendwann kommt der Frühling und damit die Außengastronomie“, hat sie Zuversicht.

Felice Catalano: Bei „da Felice“ will sich keiner beklagen. „Insgesamt sind wir bislang ganz gut durchgekommen, aber auch bei uns gibt es Umsatzverluste“, sagt der Chef in der Pizzeria in der Hauptstraße, Felice Catalano. Das Mittagsgeschäft falle inzwischen nahezu vollständig weg, konstatiert er. „Man muss spontan sein, auch was die Personalplanung angeht“, sagt er. Kompensieren müsse er die Ausfälle mit dem Abend- und dem Wochenendgeschäft. Das To-go-Geschäft habe zugenommen, aber im Dezember 2021 und im Januar 2022 verzeichnet auch Felice Catalano „einen Knick“ bei den Geschäftszahlen. Die FFP2-Maskenpflicht sei machbar, dass die Sperrzeit verlängert wurde, dagegen ein Problem. „Die Leute müssen leider früher gehen, der Umsatz fehlt dann“, sagt er. Klagen will er aber nicht, „denn wir sind ein Familienbetrieb und das ist ein Glücksfall. Unsere Töchter springen ein, und helfen mit, wenn nötig“, freut er sich.

Felice Catalano bietet auch fünf Gästezimmer. „Teils verzeichnen wir auch hier einen Rückgang. Wanderer oder Radtouristen fehlen noch und das Business ist noch zu schwach, viele sind wegen Corona im Homeoffice“, sagt er. Insgesamt aber ist er aber optimistisch, dass die Lage sich bald bessert.

Marica Enczman-Jungwirth: Sie ist Bopfingens dienstälteste Wirtin, auch wenn man ihr das nicht ansieht. Seit 43 Jahren ist Marica, wie sie alle nur nennen, in der Gastronomie tätig, seit Jahrzehnten wirkt sie in ihrem Bürgerstüble. Ihr Lokal leide besonders unter der Pandemie, sagt sie. Vor zwei Jahren starb ihr Mann, seither ruht die Verantwortung allein auf ihren Schultern. Die Pandemie sei eine Katastrophe für die gesamte Gastronomie, meint sie. Aus Angst, sich anzustecken, blieben viele Gäste inzwischen weg. Bei den Essen verzeichnet sie einen starken Einbruch, auch am Stammtisch gebe es mehr freie Plätze als früher, „und die die kommen, müssen nun wegen der Sperrstunde früher gehen“.

Ihr Biergarten habe im Sommer und Herbst geholfen, „aber aktuell ist das keine Möglichkeit“, sagt sie. „Ipfmesse, Heimattage – das waren wichtige Einnahmequellen für uns. Das ist ja jetzt seit Jahren nicht mehr möglich“, sagt sie. Die Aussicht insgesamt bewertet sie als trüb: „Zum Coronavirus kommt jetzt noch das politische Virus. Ich hoffe, unsere Gesellschaft zerbricht nicht daran“, sagt sie.

Geöffnet ist ihr Bürgerstüble von 9.30 bis 22.30 Uhr. Zusammen mit einer Aushilfe stemmt sie das alleine, inklusive Küche. Aufgeben und in Rente gehen? Keine Option. „Wenn ich nichts tue, keine Aufgabe habe, dann werde ich depressiv“, sagt sie.

  • Diese Regeln gelten beim Lokalbesuch
  • Wer in ein Lokal will, muss geimpft oder genesen sein und einen negativen Testnachweis vorweisen.Ausgenommen von der Testpflicht sind Geboosterte; vollständig Geimpfte oder Genesene, deren letzte Einzelimpfung mindestens 14 Tage und maximal drei Monate zurückliegt; Kinder bis sieben Jahre, die noch nicht eingeschult sind und alle, für die es keine Empfehlung für eine Auffrischungsimpfung der Ständigen Impfkommission gibt. Die Regeln gelten so zunächst bis 2. Februar 2022. Geimpfte und Genesene dürfen sich in Räumen zu zehnt treffen. In Außenbereichen dürfen maximal 50 Geimpfte und Genesene zusammenkommen. Es gilt eine Sperrstunde von 22.30 bis 6 Uhr. Seit dem 12. Januar 2022 gilt für den Lokalbesuch die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. 

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