Dauerhafter Wohnraum für Ukrainer wird in Bopfingen langsam knapp

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Die Lage ukrainischer Geflüchteter war Thema im Gemeinderat Bopfingen.
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161 Menschen aus der Ukraine leben in Bopfingen. Die Lage in der Flüchtlingshilfe schildern Bürgermeister Dr. Gunter Bühler und Amtsleiterin Marina Gerner dem Gemeinderat.

Bopfingen. Noch immer tobt der Krieg in der Ukraine und spült Flüchtlinge auch nach Bopfingen. Über die Lage in der Stadt hat Bürgermeister Dr. Gunter Bühler nun im Gemeinderat informiert. Demnach leben derzeit insgesamt 161 Menschen aus der Ukraine in Bopfingen – 89 im ehemaligen DRK-Pflegeheim und 72 in privaten Unterkünften. „Aktuell haben wir die Lage im Griff. Das ist auch den vielen Ehrenamtlichen zu verdanken, ohne deren Einsatz, wäre die Situation eine ganz andere“, sagte der Bürgermeister.

Nach wie vor sei der Zulauf groß. Und die Bürokratie sei häufig alles andere als pragmatisch, so Bühler. Hauptproblem sei es inzwischen, Wohnungen für die Anschlussunterbringung zu finden. Die Stadt verfüge derzeit noch über zehn Wohnungen unterschiedlichen Zuschnitts. Auf dem Wohnungsmarkt aber konkurrierten die Ukrainer mit Menschen, die mit ohnehin schmalem Geldbeutel ebenfalls eine bezahlbare Wohnung suchten. „Die Politik muss sich hier schleunigst Gedanken machen, damit da nichts kippt“, fordert Bühler.

Die private Unterbringung von Ukrainern sei in der Anfangsphase ein probates Mittel für schnelle Hilfe gewesen, erläuterte Marina Gerner als Leiterin des Amtes für Familie und Bildung. Inzwischen aber zeige sich deutlich, dass eine Unterbringung in nur einem Haushalt nicht funktioniere. Flüchtlingsfamilien brauchten eigene, abgeschlossene Wohnungen, warb sie erneut bei der Bürgerschaft, der Stadt nutzbaren Wohnraum anzubieten.

Die Arbeit im ehemaligen DRK-Pflegeheim laufe gut, sagte Gerner. Zehn bis 15 Menschen pro Woche zögen dort ein oder aus, informierte sie. Die Bewohner brächten sich bei der Essensausgabe oder der Gartenarbeit ein. Gebe es Störer, nehme der Landkreis diese sehr schnell wieder aus der Einrichtung. Es liefen inzwischen drei Sprachkurse in der Stadt, einer davon im ehemaligen DRK-Pflegeheim. Es gebe auch ein Begegnungscafé dort. Das Helfernetzwerk leiste großartige Arbeit, bedankte sich Gerner, der städtische Bauhof bringe sich beim Möbeltransport ein.

Erst nach vier Wochen werde für Kinder aus der Ukraine ein Kindergartenplatz gesucht. Die Erfahrung zeige, dass viele Familien nur kurz in Bopfingen blieben und dann wegziehen. Man wolle die Kinder nicht mehrmals aus einer gewohnten Umgebung reißen, begründete Gerner das Vorgehen. Für die Kindergärten Schloßberg, Baldern und Oberdorf gebe es aktuell jeweils eine Anmeldung, im städtischen Kinderhaus zwei. Die Grundschule am Ipf besuchten derzeit neun Kinder, die Grundschule in Schloßberg sechs Kinder aus der Ukraine. Alle älteren Kinder aus der Ukraine, 45 sind dies, gehen auf die Werkrealschule Bopfingen. Viele Kinder erhielten zudem Fernunterricht via Internet aus der Ukraine. Die Schulpflicht für Kinder aus der Ukraine beginnt erst nach sechs Monaten Aufenthalt in Deutschland.

Für die CDU dankte Dr. Berthold Herdeg „allen Menschen, die für Gotteslohn dabei helfen, anderen das Leben besser zu machen“. Für die SPD schloss sich Dr. Carola Merk-Rudolph diesem Dank an. Sie wollte noch wissen, ob die Umnutzung des ehemaligen DRK-Heims die Neubaupläne dort verzögere. Viele ältere Menschen könnten es nämlich kaum erwarten , wieder in Bopfingen zu leben.

Bürgermeister Dr. Gunter Bühler sagte hierzu, dass sich am Zeitrahmen des DRK nichts geändert habe. Sobald die zentrale Wäscherei im Neubau auf dem ehemaligen Sperber-Areal in Betrieb gehe, vielleicht sei dies schon in einem Jahr der Fall, könne der Abriss des ehemaligen DRK-Pflegeheims beginnen.

Danach müsse der Landkreis andere Wege der Flüchtlingsaufnahme finden. „Das DRK-Pflegeheim und die Klöster in Neresheim und Kirchheim – wir haben im Osten des Landkreises drei dieser insgesamt vier Einrichtungen und tragen einen erheblichen Anteil an diesen Aufgaben“, sagte Bühler.

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