„Der Ipf ist für mich der schönste Berg der Welt“

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Experte Prof. Dr. Rüdiger Krause berichtet über den Zeugenberg in der Bronze- und Eisenzeit.

Bopfingen. Gleich zu Beginn seines Vortrages wies Prof. Dr. Rüdiger Krause auf die besondere Situation hin, da keine Interaktion möglich war. „Die einen nicken und die anderen nicken ein“, scherzte Krause.

Der Experte beschrieb zum Einstieg über den aktuellen Stand der Forschung den Ipf und seine Geschichte. „Der schönste Berg der Welt“, wird er von Rüdiger Krause immer wieder genannt.

In den aktuellen Ausgrabungen konnte festgestellt werden, dass einige Wälle um den Ipf bereits in der Urnenfeldkultur entstanden. Krause verwies auch auf die Ausgrabungen in Osterholz und am Goldberg, die offensichtlich als Herrenhöfe für privilegierte dienten.

Sehr interessant sind die mediterranen Importfunde, die aus dem östlichen Alpenraum, Italien und Griechenland stammen. Die Funde datieren aus dem sechsten Jahrhundert vor Christus. Prof. Dr. Rüdiger Krause geht davon aus, dass der Zufluss von mediterranen Gütern auf den Ipf über hundert Jahre Bestand hatte.

Der Ipf war zu dieser Zeit ein komplexes Zentrum für Handel, Schutz, Religion und Herrschaft.

Bereits der Name des Ipf ist, so vermutet Jost Gippert, von der nördlichen Adriagegend über die Alpen gekommen. „Dies ist zum ersten Mal belegt, dass ein Name aus dieser Gegend adaptiert, wurde“, sagt Rüdiger Krause.

Drei Bauphasen

In seinen Ausgrabungen von 2018 konnte Krause, unterhalb der sogenannten Hertlein-Mauer, eine stark verschliffene Befestigung feststellen. So können nun drei Bauphasen am Ipf vermutet werden. Für die dritte Phase liegen aber noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Was jedoch sicher gesagt werden kann, ist dass die Reduktion der Fläche circa 480 vor Christus erfolgte. „Das ist einmalig“, sagte Krause dazu.

Dafür war diese neue Befestigung mächtiger, größer und strahlender als die Vorige. „Das war zur Blütezeit des Fürstensitzes“, stellt Krause fest.

Nun möchte sich in den neuesten Untersuchungen sich Rüdiger Krause mit den drei Trichtergruben auf der Nordseite des Berges befassen. Durch sie soll die Wasserversorgung auf dem Plateau geklärt werden.

Ebenso möchte Prof. Dr. Rüdiger Krause herausfinden, ab wann verschiedene Quellen am Ipf genutzt wurden. Dazu wurden im vergangenen Jahr Rammkernbohrungen durchgeführt. Dabei wurde in einer Tiefe von 2,5 Metern Feuchtsedimente gefunden. Diese hatten viel organisches Material und auch kleine Holzstückchen. Diese Holzstückchen wurden durch eine Radiocarbonuntersuchung auf die die erste Hälfte der Hallstattzeit datiert. Die in der Bohrung enthaltenen Pollen lassen den Schluss zu, dass diese Wasserstelle überdacht war. Des Weiteren wurden Beifußpollen gefunden die auf Ackerbau schließen lassen sowie Pilze, die auf Vieh an der Wasserstelle zurückzuführen sind.

Der Abend war mit 137 Teilnehmern sehr gut besucht und die gelieferten Informationen lassen bereits Neugierde für die weitere Forschung aufkommen. Michael Scheidle

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