Ein Haus zum Beten, nicht für Politik

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Im Schwäpo-Interview spricht Ersin Üstün vom türkisch-islamischen Kulturverein über die Änderungen beim Moscheebau, die Stimmung in der türkischen Gemeinde, über Politik und Religion

Bopfingen

Am einstigen Kino wird seit Montag wieder gewerkelt. Der türkisch-islamische Kulturverein errichtet dort eine Moschee samt Gemeindezentrum. Das Baugesuch ist genehmigt, einen Änderungsantrag für die Glaskuppel hat der Gemeinderat aber abgelehnt. Ein Gespräch mit Ersin Üstün vom Kulturverein.

Herr Üstün, was sagen Sie zur Ablehnung des Änderungswunsches?

Zunächst einmal, unser größtes Anliegen war es immer, das Moscheeprojekt in enger Abstimmung mit der Stadt so zu gestalten, dass alle Parteien damit leben können. Es war für uns aber auch von vornherein ein wichtiges Argument, die Moschee innenarchitektonisch so zu gestalten, dass die Gemeindemitglieder sich mit dem Bau identifizieren und wohlfühlen. Hierfür waren wir auch bereit, bei der Außenansicht auf typisch orientalische Bauweise zu verzichten und ein modernes Gebäude zu bauen.

Warum nun die geplante Änderung?

In der weiteren Planung der Innenarchitektur hat sich die genehmigte Kuppel mit einem Durchmesser von 5,5 Metern als wenig inspirativ herausgestellt. Daraufhin wurde intern entschieden, dass die Kuppel vergrößert wird, ohne in der Höhe zu variieren. Diese Vorgabe hat sich in der Statik aber als problematisch erwiesen, sodass wir – um den Wunsch, einer harmonierenden Innenarchitektur zu erfüllen – die Kuppel erhöhen mussten.

Im Gemeinderat kam die spontan geänderte Planung nicht gut an.

Dass diese Vorgehensweise auf wenig Zustimmung stößt, haben wir vermutet. Leider hatten wir aber keine Zeit mehr, um unseren Änderungswunsch mit der Stadt detailliert zu besprechen. Das bedauern wir sehr.

Haben Sie eine Alternativlösung?

Nach einem Gespräch mit Bürgermeister Dr. Gunter Bühler und Andreas Rief haben wir als Kompromiss vorgeschlagen, die Kuppel von 5,5 auf lediglich 7 Meter Durchmesser zu vergrößern. So würde sich die Kuppel nur um 25 Zentimeter erhöhen. Zugleich könnten wir die Attika um 25 Zentimeter erhöhen. Das würde in der Außenansicht gleiche Verhältnisse schaffen, wie in der genehmigten Planung.

Wie geht es jetzt weiter?

Wir werden das Thema in den nächsten Tagen mit der Stadtverwaltung besprechen und hoffen am Ende auf einen Konsens.

Es gibt kritische Stimmen im Gemeinderat, die das bislang gute Miteinander in der Stadt zwischen Türken und Deutschen inzwischen gefährdet sehen. Was sagen Sie dazu?

Ich kenne Peter Wüst seit meiner Kindheit und weiß seine gute Freundschaft und tolerante Weltsicht sehr zu schätzen. Umso mehr hat mich seine Aussage irritiert und nachdenklich gemacht. Warum ist es so weit gekommen, dass ein weltoffener Mensch und guter Freund nun Weltpolitik auf einen örtlichen Verein projiziert?

Inwieweit lenkt die Türkei, was sich in der Bopfinger Gemeinde tut?

Von einer Lenkung oder Kontrolle durch die türkische Regierung kann nicht die Rede sein.

DITIB wird aber von der türkischen Regierung finanziert.

Fakt ist, dass der Dachverband DITIB eine Kooperation mit der Religionsbehörde hat, indem er studierte Theologen entsendet. Selbstverständlich teilt die DITIB die gleiche theologische Auslegung und Praxis des Islams. Und das ist gut so.

Gut weshalb?

Weil nicht wir und auch nicht unsere Gelehrten aus der Türkei täglich auf deutschen Straßen nach der Scharia schreien und massenhaft Jugendliche zum Cihat werben. Das sind alles perfekt Deutsch sprechende Möchtegern-Gelehrte, die größtenteils deutsche Staatsbürger sind und sich dem Salafismus gewidmet haben. Wir können alle froh sein, dass wir unsere türkischen Imame haben, die uns vor diesen gefährlichen Menschen durch Aufklärung schützen.

Trennt der Kulturverein Religion und Politik?

Wir sind ein eigenständiger Verein in Bopfingen. Dieser war stets gesetzestreu und nie politisch aktiv und wird es auch nie werden. Wir werden nicht durch Entschlüsse des DITIB-Landes- oder DITIB-Bundesverbandes gelenkt. Wir handeln einzig auf Basis unserer eigenen Beschlüsse. Hier entsteht auch keine Moschee der türkischen Regierung, sondern ein Gebetshaus für Bopfinger Muslime.

Trotzdem wird doch über Politik gesprochen, oder?

Türkische Innenpolitik war immer Thema in der türkischen Gemeinde. Nur war sie bisher nie so kontrovers und auch nicht öffentlich so bedeutsam. Die türkische Gemeinde ist in puncto Politik sehr heterogen. Die meisten aber sind friedlich und beobachten die Entwicklung mit Sorge. Fakt ist, dass sich der Verein aus jeder politischen Diskussion ‘raushält, aber wir können nicht jedem den Mund verbieten.

Manche in ihrer Gemeinde fühlten sich denunziert oder gar bedroht, sagte Bürgermeister Dr. Bühler.

Von so etwas weiß ich nichts. Auch bei der Polizei liegen, so weit ich weiß, keine Anzeigen wegen Bedrohung vor. Für uns gilt: Regierungen kommen und gehen. Wir können Entscheidungen befürworten oder kritisieren. Wenn wir miteinander diskutieren wollen, dann nur sachlich und respektvoll. Zudem: Wir haben in Bopfingen doch viel wichtigere Themen als die türkische Innenpolitik. Anstatt unsere Energie sinnlos in Angelegenheiten zu stecken, die wir nicht ändern können, sollten wir uns um Probleme kümmern, die wir direkt beeinflussen können, wie zum Beispiel die Bildung unsere Kinder, Integrationsarbeit oder das Thema Lebenswerte Stadt.

Zurück zur Moschee, wie steht es um deren Finanzierung?

Wir sind auf sehr gutem Weg, die Finanzierung ist gesichert.

Wie sieht der zeitliche Rahmen aus?

Wir haben die Arbeiten für den Rohbau komplett vergeben. Wo möglich, kommen hiesige Firmen zum Zuge. Wenn das Wetter mitspielt, könnten wir im Frühjahr 2017 damit fertig sein.

Wie steht es mit Eigenleistungen?

In dieser Bauphase wären Eigenleistung nur schwer einzukalkulieren, aber wenn es an den Innenausbau geht, dann setzen wir auf tatkräftige Unterstützung.

Wann wollen Sie einziehen?

Geht alles glatt, dann kann der Bau in eineinhalb bis zwei Jahren komplett fertig sein. Wir planen zuvor einen Tag der offenen Tür, bei dem jedermann sehen soll, was entstanden ist.

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