Eine Motorradrunde um die Pfanne in der Landschaft

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An der Wörnitz in Harburg, unterhalb der alten Brücke.
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Der Reporter umrundet das Nördlinger Ries von Bopfingen aus im Uhrzeigersinn. Was er auf dieser Tour erlebt.

Bopfingen

Warum nicht mal das Ries umrunden?“, fragt sich der Motorrad- Reporter. Schließlich geht’s an den Rändern des fast kreisrunden Kraters kurvenreich rauf und runter. Er entscheidet sich für eine Tour im Uhrzeigersinn, beginnend in Bopfingen.

Der Parkplatz des Ipf-Treffs ist ein idealer Startplatz oder auch Treffpunkt, wenn mehrere unterwegs sind. Von dort aus geht’s nach Kirchheim am Ries. Kaum hat man Bopfingen hinter sich, öffnet sich gegen Osten ein weiter Blick über die Ebene, an deren Ostrand die Wallfahrtskirche Maria Brünnlein nahe Wemding grüßt. Aber zuerst geht die Fahrt nach Norden. Kaum hat er Kirchheim erreicht, biegt der Motorradpilot links ab, passiert Wössingen, durchquert Zipplingen und erreicht schließlich Geislingen. Wohin in diesem Fall kein Zug fährt, denn es liegt nicht an der Steige, sondern an der Ostgrenze des Ostalbkreises, also ganz weit draußen gewissenmaßen.

Jetzt biegt man ab nach Marktoffingen, düst durch sanfte Kurven auf griffigem Asphalt. Der Reisende überquert die Grenze zu Bayern, wenig später die Bundesstraße 25 und landet im hübschen Dorf Maihingen, das eine Klosterkirche ziert. Ein Haken nach Norden, sieben Kilometer weiter wartet ein weiteres hübsches Dorf: Hochaltingen. „Die Perle des Rieses“ nennt es sich ohne Bescheidenheit, obwohl diese hier nicht ganz falsch gewesen wäre. Okay, ein netter Ortskern, eine hübsche Kirche und ein altes Schloss, das heute den Zweck eines Seniorenheims erfüllt. Das war’s dann aber auch.

Hübscher ist ganz sicher das Städtchen Oettingen, das man über Belzheim und Ehingen erreicht. Wer beim Ortsnamen nicht sofort an Bier denkt, dem fällt es sicher spätestens ein, wenn er im Zentrum des Kreisverkehrs einen kupfernen Sudkessel sieht. „Oettinger“ ist eine der führenden Brauereien Deutschlands, zumindest was den Bierausstoß anbelangt. Gilt es hierzulande auch als „Billigbier“, so verkauft es sich etwa in Italien oder in Norddeutschland unter der Flagge Bayerns zu edlen Preisen.

Doch ein Motorradfahrer sollte sich nicht zu lange mit Bier aufhalten. Und so tuckert der Reporter zunächst durch das hübsche, mittelalterlich anmutende Städtchen (etwa 5300 Einwohner). Dann holpert er über Hainsfarth, Steinhart und Hüssingen zum Hahnenkammsee. Am Montag dieser Woche war dort kein Badewetter, aber bei entsprechenden Temperaturen sind die großzügigen Liegewiesen des klaren Sees gut belegt. Auch die Infrastruktur stimmt: Frischwasserduschen, Toiletten, ein Restaurant samt Kiosk. Neuerdings haben sie dort sogar einen Stellplatz für Wohnmobile angelegt.

Jetzt nimmt der Reporter Wemding ins Visier. Er erkennt, dass West- und Nordrand des Rieses spärlich bewaldet sind, was viele Fernblicke ermöglicht hat. Am Ost- und vor allem am Südrand der Pfanne sieht das ganz anders aus.

„Let’s get dirty!“, fordert eine Plakatwand an der Einfahrt zum Enduro-Park Hechlingen gleich südlich des Hahnenkammsees. Dort kann man Motorradfahren im Gelände („offroad“) trainieren. Nicht optimal für eine knapp 30 Jahre alte R 80 mit Straßenbereifung, und so brummt der Reporter weiter. Von Polsingen aus (abbiegen in Richtung Hagau!) geht’s auf einer schönen Berg-und-Tal-Route durch den Wald bis Wemding. Der Biergarten bei der Wallfahrtskirche Maria Brünnlein hat geschlossen. Das Wetter ist nicht ausreichend schön; klassischen Ruhetag haben sie dort jedoch keinen. Aber der Blick ins Ries ist berückend. Der Reporter fährt ein paar Meter Richtung Amerbach und knattert dann rechts einen geschotterten, öffentlichen Feldweg hoch, um auch die Kirche im Blick zu haben.

Harburg ist das nächste Zwischenziel, das man über Gosheim und Huisheim erreicht. Der „Pfannenrand“ des Rieses ist ja meistens nicht sonderlich steil, mit einer Ausnahme: Die Wörnitz vor Harburg und die sie ein Stück weit begleitende Straße schlängeln sich an einer imposanten senkrechten Felswand entlang. Die Kleinstadt ist etwas größer als Oettingen (5800 Einwohner) und wirkt etwas romantischer. Durch den Fluss – und sicher auch wegen der mächtigen Burg, die über ihr thront.

Die Burg kann besichtigt werden. Aber es ist kurz vor 13 Uhr, der Reporter hat ein Loch im Magen und er weiß: Weit ist es nicht mehr bis nach Eisbrunn zum dortigen Biergarten mitten im Wald. Und so steuert er die Bundesstraße 25 an, kurz vor dem Nordportal des Tunnels unter dem Burgfelsen biegt er ab, düst durch eine liebliche Heidelandschaft den Berg hoch Richtung Schaffhausen, überquert eine Kreuzung und nach zwei Kilometern geht’s links rein nach Eisbrunn. Der Selbstbedienungs-Biergraten hat geschlossen. Hm. Aber dafür ist der Garten des Restaurants geöffnet. Pause!

Der Schweinsbraten mit Kümmelkruste, Kartoffelklößen und Krautsalat war vorzüglich, der doppelte Espresso auch, aber beim Aufbrechen: Donner. Durch den Wald sieht man wenig, aber als vor Mönchsdeggingen die Fahrbahn nass glänzt und er den Wald hinter sich hat, sieht der Zweiradpilot ein Gewitter über dem Ries schweben, und dunkle Wolken auch an dessen Rand. Auf neuem, aber nassen Asphalt düst er nach Hohenaltheim, um von dort aus den Riesrand in Richtung Härtsfeld zu erklimmen. Es geht trocken über Bollstadt nach Aufhausen. Dort verkündet ein Schild, die Ortsdurchfahrt sei wegen Baustelle gesperrt. Aber entweder das Bauen ist bereits erledigt (so sieht es aus), oder es steht erst bevor: Das Dorf ist ohne Hindernis passierbar. Eine tolle Motorradstrecke hinunter nach Christgarten und rüber nach Ederheim will jetzt unter die Räder genommen werden. Doch nach ein paar Kilometern wird der Asphalt wieder nass – und dann auch der Reporter. Tatsächlich: Es regnet. Da kann sich die Schutzkleidung mal bewähren und die Gas- und Bremshand können Vorsicht walten lassen. Fünf Kilometerweiter ist’s schon wieder trocken.

Aber ätsch – von Trochtelfingen aus muss man den Umweg über Pflaumloch, Goldburghausen und Kirchheim nach Bopfingen nehmen, weil auch dort die B 29 gesperrt ist. Und da schüttet es dann auch schon wieder. Am Parkplatz Ipftreff stehen 140 Kilometer auf dem Zähler. Zehn Prozent davon waren nass.

Weitere Infos:

www.geopark-ries.de

www.oettingen.de

www.enduropark-hechlingen.de

www.burg-harburg.de

www.stadt-harburg-schwaben.de

www.eisbrunn-harburg.de

  • Das Ries
  • Zweite LE, knapp 40 Zeilen:
  • Das Ries
  • Wie eine Pfanne liegt das Ries in der Landschaft zwischen dem Härtsfeld (Schwäbische Alb) und den westlichen Ausläufern der Fränkischen Alb. Es dehnt sich zum größten Teil auf den schwäbischen Landkreis Donau-Ries in Bayern aus, ein kleiner Anteil im Westen gehört zum baden-württembergischen Ostalbkreis. Ein geringer Anteil im Nordosten entfällt auf den mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, ebenfalls in Bayern. Die fast kreisrunde, ebene Vertiefung in der Landschaft hat einen Durchmesser von etwa 25 Kilometern und sie liegt 100 bis 150 Meter unter den Hochflächen, die sie umgeben. Sie geht zurück auf den Einschlag eines Meteoriten vor etwa 15 Millionen Jahren. Dessen Durchmesser wird auf 1,5 Kilometer geschätzt, die Aufprallgeschwindigkeit auf etwa 100.000 km/h. Die freigesetzte Energie entsprach mehreren 100.000 Hiroshima-Bomben. Der Krater war nach dem Aufprall mehrere hundert Meter tief. Im Laufe der Zeit entstand ein See, der sich später mit Sedimenten füllte. Der Rieskessel wird heute hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt und ist nur gering bewaldet. Gesäumt wird der Rand des Rieses im Gegensatz dazu von größeren Waldflächen. (mam)
Zwei Motorrad-Oldtimer parken beim Biergarten Eisbrunn: eine DKW (hinten) und eine Horex, beides Einzylinder aus den 50er-Jahren.
AUFMACHERFOTO Blick übers Ries von oberhalb der Wallfahrtskirche Maria Brünnlein aus, unweit von Wemding.
Karte Motorradtour ums Ries
kupferner Sudkessel auf dem Kreisverkehr in Oettingen
Der Reporter und sein Motorrad: eine BMW R 80 R "Boxer" , Baujahr 1993
Oettingen, Stadtmitte
Hahnenkammsee, Bootsanlegestelle
Schloss Hochaltingen, heute Seniorenheim
Hahnenkammsee, Bootsanlegestelle
Hahnenkammsee, Blick über die Restauratterasse
Der Reporter und sein Motorrad: eine BMW R 80 R "Boxer" , Baujahr 1993

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