Einzelhandel steht in den Startlöchern

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Nicht viel los in Bopfingens Innenstadt. Der Einzelhandel seht die Ladenöffnung herbei.
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Mit einem "kleinen Paukenschlag" will Bopfingens GHV die Rückkehr zur Ladenöffnung feiern. Viele Einzelhändler sind indes verärgert und skeptisch, ob es am 8. März tatsächlich losgeht.

Bopfingen

Corona hält die Welt im Würgegriff. Besonders betroffen ist der Einzelhandel. Wir haben mit Händlern in Bopfingen gesprochen. Die Stimmung reicht von Optimismus bis Frustration.

GHV-Vorsitzender Peter Altrichter sagt mit Blick auf eine mögliche Öffnung der Geschäfte zum 8. März: "Die Hoffnung stirbt zuletzt", denn er ist nicht überzeugt, dass die Geschäfte in Bopfingen dann wieder durchstarten können. Die "Leistungsfähigkeit der politischen Entscheider in der Bundes- und Landespolitik" sei zweifelhaft, meint er. Unternehmen brauchten Planbarkeit und die fehle komplett. "Wenn in Bayern die Geschäfte nun öffnen dürfen und hier muss alles zu bleiben, hilft das Bopfingen sicher nicht", sagt Altrichter.

"Erst am Ende des Jahres werden wir sehen, wer und was übrig bleibt", fürchtet er um den städtischen Einzelhandel. Viele, auch ältere Menschen, hätten sich an Online-Handel gewöhnt, hat er festgestellt, aber auch, dass Bopfingens Einzelhandel hier vielleicht zu klein ist und nicht jeder dort optimal aufgestellt sei. "Click & collect" habe der GHV organisiert, aber die Nachfrage sei überschaubar.

Sobald aber die Geschäfte öffnen, will der GHV dies mit einem "Paukenschlag" begehen. "Wir entwickeln gerade ein Konzept, mit Dingen, die Leuten Freude machen und es lohnenswert machen, in Bopfingen einzukaufen. Die Stadt ist im Boot", sagt er, mehr aber noch nicht.

Sigrid Fried: Einen Paukenschlag, den wünscht sich auch Sigrid Fried in ihrem Modehaus Linse herbei. Die Lage nach drei Monaten Schließung sei unerträglich, sagt sie. Sie hofft auf eine Öffnung zum 8. März. "Wir haben neue Ware bestellt, die Schaufenster werden dekoriert. Die gesamte Winterware muss raus. 50 Prozent Rabatt sind vorgesehen", sagt sie. Jedoch hadert sie mit möglichen Vorgaben. "Ich bin gespannt, was ersonnen wird, und wie wir das hier im Laden umsetzen können, wenn beispielsweise nur ein Kunde gleichzeitig rein darf", sagt sie.

Felix Kauffmann: "Eine Öffnung muss jetzt her", sagt auch Schuhhändler Felix Kauffmann. Neue Ware werde bereits eingeräumt, "wir bereiten uns vor", meint er. Jedoch: "Solange die Gastronomie zu ist, und die Homeoffice-Empfehlung besteht, fehlt uns viel Laufkundschaft", hat er in Aalen festgestellt. In Bopfingen fehlten XXXLutz und die Gastronomie im eigenen Haus als Frequenzbringer. Zudem sei zu befürchten, dass Kunden aus Angst vor Corona, zunächst daheim bleiben, statt auf Bummel zu gehen.

Viele der Corona-Vorgaben seien ungerecht, beispielsweise, dass flächenmäßig größere Läden schließen mussten, Lebensmittelhändler aber sehr voll sein dürfen. Kauffmann ist seit Jahren im Internetgeschäft: "Der Online-Shop ist ein gutes Standbein, aber längst nicht alles. Der Kunde will Schuhe anprobieren, anfassen, Beratung und den sozialen Kontakt", sagt Kauffmann.

Stefan Arnold: Genau so sieht dies Stefan Arnold für das Haushaltswarengeschäft der Familie. "Wir fiebern auf die Öffnung hin, dann können wir wieder unsere Ware präsentieren und verkaufen", sagt er. "Click & collect" funktioniere für ein beratungsintensives Geschäft nur sehr bedingt. Ungerechtigkeit in den Corona-Vorgaben ärgern ihn. "Wollen Politiker nun ihren Garten richten oder warum dürfen Gartenmärkte erst jetzt öffnen", fragt er. Lebensmittelmärkte sieht er im Wettbewerbsvorteil. "Die Märkte sind nötig und es ist gut, dass sie geöffnet sind, aber ich entdecke bei Rewe immer häufiger Produkte von WMF/Silit. Wer dort jetzt eine Pfanne kauft, kommt so schnell nicht zu uns", sagt er. Er vermisst auch die Liefertreue. "Unternehmen wie WMF verkaufen eben an jeden, der ordert. Sie sehen nicht, dass dies den Fachhandel nachhaltig schädigt", ärgert er sich.

Sandra Nille: "Hoffnung haben wir immer, aber an die Öffnung glaube ich erst, wenn sie da ist. Das dauert doch bestimmt bis Ende März, und dann sehen wir mal, welche Auflagen uns aufgeladen werden", sagt Sandra Nille. Uhren oder Trauringe, das sei gerade kaum zu verkaufen, auch nicht über "Click & collect". "Wer heiratet denn gerade?", fragt sie. Der GHV bemühe sich, aber es sei eben schwer. Von der Stadtverwaltung wünscht sie sich mehr Zuspruch: "Man könnte sich ruhig mal nach uns erkundigen, das wäre eine schöne Geste", sagt sie. Die Situation sei frustrierend, von der großen Politik ist sie enttäuscht. "Wir müssen das jetzt aussitzen", sagt sie.

Jochen Wengert: Von Aussitzen hält Jochen Wengert gar nix. Sein Blumenladen darf seit Montag wieder öffnen. Im Lockdown war er aber die ganzen Monate nicht wirklich. "Seit Weihnachten bin ich quasi in der Sieben-Tage-Woche", lacht er. "Click & collect" habe gut funktioniert, Aufträge und Bestellungen habe er reichlich gehabt. Laufkundschaft gebe es eh kaum, "solange alles zu ist", daher sei der Montag eher ruhig verlaufen. "Die Leute sind lieber zum Friseur", lacht er. Kein Problem, zu tun habe er genug. Frustrierend seien allenfalls Hochzeitsgespräche: "Es weiß ja gerade keiner, ob und wann solche Feste endlich wieder möglich sind. Was soll man da planen?"

In seiner Branche zähle ganz besonders persönlicher Einsatz. "Man muss die Situation annehmen, kreativ sein und muss da sein, wenn man gefragt ist, inklusive der Sonntags-Rufumleitung auf mein Handy", sagt er – und muss dann auch schon wieder weitermachen.

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