Er kennt die Bopfinger Geschichte(n)

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Winfried Mundt in seiner „Dienstkleidung“.
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Woanders zu leben, das käme für Winfried Mundt überhaupt nicht in Frage. Der gebürtige Bopfinger liebt seine Stadt und weiß als Nachtwächter dort allerhand über sie zu erzählen.

Bopfingen

Imposant steht er da in seinem Häs - mit dem dunklen Umhang, der Hellebarde und der Laterne. Der Nachtwächter Winfried Mundt aus Bopfingen. Seit 2016 führt der Mann bei Festlichkeiten durch die Straßen der Altstadt von Bopfingen. Und dabei weiß er dann so manch interessante Anekdote zu berichten. Beispielsweise die von dem zum Tode Verurteilten, der nicht gehängt werden konnte, weil der Galgen defekt war. So bat man ihn, doch bitte in einem halben Jahr wieder zu kommen und sich dann hängen zu lassen. Als er tatsächlich nach einem halben Jahr wieder in die Stadt kam, fand er einen Menschenauflauf am Galgen vor. Auf seine Frage, was denn los sei, wurde ihm geantwortet: „Da kommt gleich einer, der gehängt werden soll.“

Winfried Mundt ist ein Bopfinger durch und durch. Er wurde in der Stadt unterm Ipf geboren. Im Krankenhaus in der Nördlinger Straße. Dieses wurde später Altenheim, heute sind dort Wohnungen untergebracht.

Mundt wurde Fernmeldehandwerker bei der Bundespost und war für die Bopfingerinnen und Bopfinger der Ansprechpartner, wenn das Telefon mal nicht funktionierte.

Der 73-Jährige liebt Bopfingen innig und weiß fast alles über die Stadt, kennt jede Anekdote und jedes Haus. Kein Wunder, betreibt er auch Ahnenforschung rund um Bopfinger Bürger.

„Eigentlich war es Zufall, dass ich Nachtwächter wurde,“ erzählt Mundt. Sein Vorgänger stammte aus Unterkochen und führte die Besucher als Nachtwächter durch die Stadt – kannte aber nicht so viele Geschichten. Er zeigte mehr den ehemaligen Beruf des Nachtwächters auf, der für die Schließung der Stadttore zuständig war, der Zecher aus den Wirtshäusern nach Hause schickte und darüber wachte, dass nachts kein Feuer ausbrach.

Als der Mann aufhörte, stand die Stadt ohne Nachtwächter da. Irgendwann habe er sich mit Rudi Blankenhorn, ebenfalls ein Bopfinger Original, über Alt-Bopfingen unterhalten. Ein stummer Zeuge des Gespräches sagte: „Winfried, warum machst Du es nicht? Du weißt doch so viel über Bopfingen.“

Die Idee war geboren und die Generalprobe fand dann bei der Hochzeit von Mundts Tochter Daniela 2016 statt. „Einige Gäste aus dem hohen Norden wollten noch kurz Verwandte in Dillingen besuchen. Nachdem sie angerufen wurden und man ihnen gesagt hatte, was ich mache, drehten sie um,“ lacht Mundt. Überhaupt hat Winfried Mundt ein fröhliches Wesen. Stets ist ein leichtes Lächeln in seinem Vollbart zu erkennen.

Auf die Frage, was für ihn das Schönste an Bopfingen ist, kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Die Ipfmesse natürlich! Hier treffen sich alte und junge Bopfinger von überallher.“

Auf Tour mit dem „Bälthes“

Auf seiner einstündigen Tour zeigt Winfried Mundt das Rathaus mit der Rathausuhr und dem Pranger, die Stauferstele und den Stadtmauerrest dahinter. Er weiß Geschichten zu jedem Haus. Egal, ob das Ellinger Haus, den Seifenladen Gnann oder das Bergmüller Haus. Die Bachgasse, die früher Theatergasse genannt wurde, „weil die Frauen immer so ein Theater machten, wenn ihre Männer aus dem Wirtshaus kamen.“ Er geht mit den Besuchern in den Hänlesturm und auf die Stadtmauer, was sonst nicht möglich ist.

Winfried Mundt kann lebendig erzählen und der Zuhörer fühlt sich sofort in die alte Zeit versetzt. „Die Bopfinger werden Gelbfüßler oder Bälthes genannt,“ erzählt er zum Schluss. „Der Bälthes war Balthasar Ensslin, Stadtschreiber in Bopfingen, der dafür bekannt war, die besten Konditionen für die Stadt auszuhandeln.“ Wieder etwas gelernt über Bopfingen.

Bekannter Kopf

Albert Kratzel ist über Bopfingen hinaus bekannt. Als Ortsvorsteher in Schloßberg ist er seit über 25 Jahren in seinem Heimatort fest verwurzelt. Er hat die Burgnarren mitgegründet und deckt auch mal illegale Müllentsorgungen auf. Als wegen Corona die Ipfmesse ausfiel, hat Kratzel ein Feuerwerk in Schloßberg organisiert. Auch Schlager-Fans kennen „Bert“. Sein Hit „Schön wie ein Traum“ ist ein Evergreen. Sogar Alt-Kanzlerin Angela Merkel hat eine CD von „Bert“.

Instagram-Fotomotiv

Die Ipfmess ist in Bopfingen quasi Religion, das Fest der Feste eben. Und mit dem für viele fast heiligen Berg, dem Ipf, an dessen Fuße sie gefeiert wird, wohl das meist fotografierte Motiv in Bopfingen. Nach zwei Jahren Corona-Pause soll ab 1. Juli 2022 wieder gefeiert werden. Entstanden ist das Volksfest 1811, anlässlich eines Besuches von König Friedrich Wilhelm Karl von Württemberg. 200.000 bis 300.000 Besucher kommen alljährlich und feiern vier Tage lang. 

Schon gewusst?

Die Kartbahn auf dem Breitwang ist mit 606 Meter ü.N.N. die höchste Deutschlands. Sie ist die einzige im Kreis. Seit 50 Jahren läuft dort Motorsport. Waren es früher Speedrennen, so ist es heute das Kartfahren. Am 5. Juni gibt es dort den alljährlichen Lauf zum Süddeutschen ADAC Kart Cup (SAKC). Einmal im Jahr ist der ADAC Mini-Bike-Cup zu Gast. Laufen sonntags keine Veranstaltungen, können Fahranfänger hier auf dem Verkehrsübungsplatz trainieren.

Eigentlich war es Zufall, dass ich Nachtwächter wurde.“

Winfried Mundt, Nachtwächter
Winfried Mundt in seiner „Dienstkleidung“.
Spannende Rennen gibt es auf dem Breitwang.
Ipfmess
Albert Kratzel

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