Gegen das Vergessen

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Ostalb-Gymnasium Bopfingen wirkt kontinuierlich Antisemitismus entgegen

Wie das Ostalb-Gymnasium Bopfingen kontinuierlich daran arbeitet, dass die Erinnerung an das Verbrechen nicht verblasst.

Bopfingen

Das Ostalb-Gymnasium Bopfingen hat sich schon seit vielen Jahren verpflichtet und positioniert sich mit verschiedenen außerschulischen Aktionen gegen Antisemitismus und tritt für respektvolles und vorurteilsfreies Miteinander von Menschen verschiedener Religionen und Kulturen ein.

Neben der bereits fachbezogenen Auseinandersetzung vor allem in den Fächern Geschichte, Religion und Ethik fanden in den vergangenen Wochen verschiedene Veranstaltungen statt, die vor allem SchülerInnen der Jahrgangsstufen 9 und 10 sowie der Kursstufe 1 zu einer lebendigen Erinnerungskultur an den Genozid der europäischen Juden bewegten.

Stadtarchivarin gibt Einblicke

Eine besonders intensive Auseinandersetzung gegen das Vergessen erfuhr die Jahrgangsstufe 9 initiiert durch die Lehrkräfte Matthias Müller und Jennifer Mailänder. Die Bopfinger Stadtarchivarin Johanna Fuchs nahm sich gleich zweimal Zeit, um die SchülerInnen über das Leben der jüdischen Religionsgemeinschaft in Bopfingen-Oberdorf zu informieren. Zum einen erhielten die SchülerInnen eine außerschulische Führung durch die ehemalige Synagoge Oberdorf. Hier gab die Stadtarchivarin Einblicke in das Leben der einst größten jüdischen Gemeinde Ostwürttembergs, angefangen von deren Gründung bis zu deren gewaltsamen Ende während des Nationalsozialismus. Besonders nah erfahrbar wurde der Vortrag für die 9.-Klässler durch vielfältige Rekonstruktionen persönlicher Schicksale Oberdorfer Juden. Vor allem die oft noch heute andauernde Suche nach vermissten Familienangehörigen, die in der Zeit des Nationalsozialismus aus Angst geflohen oder aber deportiert wurden, bewegte die SchülerInnen in besonderem Maße. Ebenso zog die eindrucksvolle Schilderung der Besitzrecherche der 1990 zufällig gefundenen Tora eines im Holocaust ermordeten Bopfinger Ehepaares die Zuhörerschaft in ihren Bann. Erst 2017 konnte das Geheimnis um die Besitzer gelöst werden und führte zu noch lebenden Familienangehörigen in New York.

Zum anderen setzte Johanna Fuchs Ihre Arbeit gegen das Vergessen kurze Zeit darauf mit einem Besuch an der Schule fort. Dazu ließ sie die 9.-Klässler selbst in die Rolle eines Archivars schlüpfen. Nach einer kurzen Einführung in das Tätigkeitsprofil und die Methodik ihres Berufes legte sie ausgewähltes Archivmaterial über die Oberdorfer Juden zur NS-Zeit aus. Darunter fanden sich etwa Ausweise von jüdischen Bürgern als auch Polizeiprotokolle über die Verfolgung von Bopfinger Juden. Johanna Fuchs vermittelte den SchülerInnen einen sehr anschaulichen Zugang zur Geschichte der Oberdorfer Juden, um so für die jüdische Religion zu sensibilisieren und für ein harmonisches Miteinander der Religionen, so wie es damals zu Zeiten der Gründung der jüdischen Gemeinde Oberdorf der Fall war, einzutreten.

Fahrt nach Dachau

Die Kursstufe 1 erhielt einen anderen Zugang zum jüdischen Holocaust während des Nationalsozialismus. Mit ihren Betreuungslehrkräften Hendrik Kamin und Jonas Lieberknecht fuhren sie jüngst zur Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau. Vor Ort erhielten die SchülerInnen eine knapp dreistündige Führung über das Gelände. Für die meisten von ihnen, aber auch für die betreuenden Lehrkräfte eine beeindruckende und zugleich auch bedrückende Erfahrung. Während der einen Gruppe zahlreiche Schilderungen von Zeitzeugen wiedergegeben wurden, erhielt die andere Gruppe Einblicke in die Unmenschlichkeit des NS-Systems, indem unter anderem ,Verfehlungen` gegen die KZ-,Ordnung‘ und deren Folgen in Form überharter Strafen veranschaulicht wurden. Damit erhielten beide Gruppen einen schonungslosen Einblick in die Brutalität gegenüber den Inhaftierten. Mit dieser Gedenkfahrt bietet sich der Schule eine wichtige Möglichkeit, um die Shoah eben nicht als ,normale Geschichte` im Unterricht zu behandeln. Hier wird an die Shoah als etwas erinnert, das für jede und jeden eine Mahnung der Geschichte darstellt und sich nie mehr wiederholen darf.

Im Übrigen hat das OAG vor Kurzem eine umfangreiche private Spende religiöser Gegenstände des Judentums für unterrichtliche Zwecke erhalten. Religionslehrerin Nathalie Baßler pflegt seit ihrer Tätigkeit im Verein der ehemaligen Synagoge Oberdorf einen persönlichen Kontakt zu einer ehemaligen jüdischen Familie Noymer (Neumetzger) aus Bopfingen, die im Zuge der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 nach Amerika auswanderte.

Die Ausgewanderten sind leider mittlerweile verstorben, doch ist es vor allem den Enkeln ein Bedürfnis, den Kontakt zu ihren Bopfinger Wurzeln aufrechtzuerhalten und mit ihrer Spende für eine Akzeptanz der jüdischen Religion zu motivieren. Ein möglicher Besuch der Nachkommen noch in diesem Jahr ist angedacht.

Mit diesen Modulen betreibt das OAG kontinuierlich historische Achtsamkeit gegen das Vergessen und wirkt – im Sinne einer Demokratiebildung – Antisemitismus entgegen. Im Sinne einer nachhaltigen Erinnerungsarbeit geschieht dies im Unterricht und bei außerunterrichtlichen Veranstaltungen begleitend und dauerhaft.

Ostalb-Gymnasium Bopfingen wirkt kontinuierlich Antisemitismus entgegen

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