Henkel: Mit Bopfingen verhaftet

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Wird mit Holzklebstoffen von Henkel zusammengehalten: das Elefantenhaus im Zoo Zürich.
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Im Werk unter dem Ipf werden Klebstoffe für die Verpackungsindustrie, aber auch den weltweit boomenden Holzbau produziert. In diesem Jahr stehen Millioneninvestitionen an.

Bopfingen

Bauen mit Holz boomt. Davon profitiert Henkel am Standort Bopfingen. Denn hier laufen unter anderem die Klebstoffe vom Band, die Holzwerkstoffe, auch Engineered Wood genannt, zusammenhalten. Neben Klebstoffen für Holz fertigt Henkel Bopfingen auch solche für Verpackungen. Abnehmer sind größtenteils Gewerbebetriebe. Bopfinger Kleber hält Türen und Fenster, aber auch Briefumschläge, Laufschuhe und Bücher zusammen.

200 Personen arbeiten in der Fabrik am Ufer der Eger. Sie blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits im Jahr 1893 begann August Schieber unter dem Ipf mit der Produktion von Tierleim. Später erhielt das Unternehmen den Namen Dorus, nach Dr. Rudolf Schieber, dem Enkel des Gründers. Der Düsseldorfer Henkel-Konzern übernahm das Werk im Jahr 1995.

Bopfinger Holzleim sorgt dafür, dass Geschirrspüler, auch wenn sie heißem Dampf ausgesetzt sind, sauber und sicher verklebt bleiben. Aber Klebstoff der Henkel-Marke Loctite aus Bopfingen hält auch das Holzdach im 2014 eröffneten Elefantenhauses im Züricher Zoo zusammen. Mit einer Spannweite von mehr als 80 Metern ist es laut Henkel wie „ein übergroßes Puzzle aus übereinander liegenden mehrschichtigen Brettsperrholz-Elementen“. Insgesamt knapp acht Tonnen Klebstoff waren nötig.

„Holzbau ist ein Wachstumsmarkt“, sagt Standortleiter Michael Roling. Er hat die Verantwortung für das Werk in Bopfingen zum Jahreswechsel vom langjährigen Leiter Dr. Michael Rudolph übernommen. Vorher war Roling in Bopfingen für die Produktion verantwortlich. Der Manager ist seit 2008 im Konzern tätig. Nach einer Zeit in der Düsseldorfer Zentrale wechselte er 2018 nach Amsterdam, von wo aus die weltweite Lieferkette des Konzerns betreut wird.

Fast 53.000 Beschäftigte weltweit arbeiten für die Henkel-Gruppe, die ihr Geschäft in drei große Bereiche aufteilt: Einer davon ist Laundry & Home Care - bekanntestes Produkt hierzulande dürfte die Waschmittelmarke Persil sein. Im Bereich Beauty Care hat unter anderem die Marke Schwarzkopf einen Namen – hier betreibt Henkel ein Werk in Wassertrüdingen am Hesselberg. Der dritte Unternehmensbereich Adhesive Technologies (Klebstoffe) ist mit Abstand der größte. Er sorgte für fast 8,7 Milliarden Euro Umsatz - fast die Hälfte des gesamten Konzernumsatzes.

Bei den Industrieklebstoffen sieht sich Henkel als globale Marktführer. Von 179 Produktionsstandorten weltweit gehören 133 zum Klebstoffbereich. Henkel wirbt mit „Zusammenarbeit mit mehr als 130.000 Kunden“.

Verbrauchermarken wie Pattex, Pritt oder Ponal kennt jedes Kind. Aber mehr als 80 Prozent macht das Geschäft mit den Gewerbekunden aus. Hier gehören zum Henkel-Konzern Marken wie Loctite, Technomelt und Bonderite. Die Klebstoffe kommen in Autos - für diese Industrie betreibt Henkel ein Werk in Heidelberg -, Smartphones, Elektronik, Industrie, Verpackungen, Konsumgütern, Handwerk, Bau und Gewerbe zum Einsatz.

Klebstoff für Bücher

„Wir sehen Bopfingen als einen der strategischen Standorte in Europa“, betont Henkel-Sprecher Sebastian Hinz. Für die Hot-Melt-Technologie, also die Heißklebstoffe, ist Bopfingen sogar der europaweit größte Produktionsstandort. Insgesamt verlassen rund 57.000 Tonnen Kleber pro Jahr das Werk. Der Holzklebstoff wird außer für Konstruktionsholz auch für Möbelbauteile, Schreinerei, Türen, Küchen- und Badmöbel, Bedachung, Fenster , Isolation, Paneele, Möbel und Bodenbeläge verwendet.

Der andere große Abnehmer für Henkel-Klebstoffe aus Bopfingen ist die Verpackungsindustrie, insbesondere die Lebensmittelbranche sowie die Buchbinderei. Verschlüsse, Produktetiketten, Faltschachteln, Schokoriegel, Briefumschläge, Schuhe, Bänder, Bücher und Magazine, Flaschenetiketten ... Die Vielfalt ist enorm.

Was bringt die Zukunft in Bopfingen? Roling nennt mehrere große Schwerpunkte: „Wir setzen auf nachhaltiges Wachstum“, so der Standortleiter. Es gelte, die Produktivität weiter zu stärken. So investiert der Konzern dieses Jahr einen höherstelligen Millionenbetrag in Infrastruktur und Technologie am Standort - unter anderem, um die Digitalisierung voranzubringen. Die Anlagen der ab 1999 in Betrieb genommenen Europlant östlich der Kirchheimer Straße werden modernisiert. Außerdem: Qualität und Service für die Kunden, ein Augenmerk auf die Mitarbeiter und auf die Umwelt. Im Zuge der konzerneigenen Nachhaltigkeitsstrategie gelte es, den CO2-Fußabdruck zu senken, grüne Energie zu nutzen, den Einsatz von Photovoltaik zu prüfen und Abfälle - auch in den Lieferketten - zu minimieren. „Wir haben neue Produkte im Blick, die auf Bio-Rohstoffen basieren“, fügt Roling hinzu. Er verweist darauf, dass Henkel als eines der ersten großen Unternehmen bereits 1990 einen Nachhaltigkeitsreport veröffentlicht hat. Im Vergleich zu 2010 habe der Konzern trotz Wachstums seinen CO2-Ausstoß um mehr als 40 Prozent gesenkt.

Holzbau ist ein Wachstumsmarkt.“

Michael Roling, Standortleiter

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