Ideen für Boostern und PCR-Tests

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Menschenschlange auf dem Ipftreff-Parkplatz. 250 Personen ließen sich am Mittwoch dort impfen.
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Die Stadt sei bereit, Infrastruktur für Boosterimpfungen an Wochenenden und PCR-Tests zu stellen, sagt Bürgermeister Dr. Gunter Bühler. Verhindert werde die Initiative aber durch Vorgaben.

Bopfingen.

Die Coronazahlen explodieren. In Bopfingen, im gesamten Grenzbereich zu Bayern, werden überdurchschnittlich viele Fälle registriert. Gegensteuern sei dringend nötig, sagt Bürgermeister Dr. Gunter Bühler.

Besonders unter jungen Leuten seien die Fallzahlen aktuell hoch, konstatiert Bühler. Eine stichhaltige Erklärung dafür hat er nicht, man könne letztlich nur spekulieren. Möglicherweise liege dies an der Nähe zu Bayern, wo die Inzidenzen teilweise noch weit höher sind als in Bopfingen. Dort galten jüngst noch deutlich weniger strikte Regeln als in Baden-Württemberg. „Es gibt zumindest in mehreren Fällen wohl einen Zusammenhang mit Veranstaltungen“, so Bühler. Viele junge Leute verbringen halt ihre Abende auch dort. Ein mögliches Indiz dafür sei, dass auch die Corona-Zahlen in Neresheim und Unterschneidheim überproportional hoch seien. Auch in diesen Orten gebe es viel kleinen Grenzverkehr. Vielleicht liege es aber einfach an Arbeitsbeziehungen oder verwandtschaftlichen Verbindungen.

Doch wichtiger als Ursachenforschung auf diesem Felde ist für Bühler nun ein Handlungskonzept. Das Land habe die Corona-Zuständigkeit erneut von den Gesundheitsämtern nach unten durchgereicht auf die Kommunen. Die hätten es nun schwer. „Die Leute rufen jetzt halt auf dem Rathaus an und sie haben sehr viele und sehr differenzierte Fragen. Wenn sie mehrere Dutzend dieser Anrufe am Tag haben, nimmt das Teile des Rathauses schon sehr in Anspruch“, weiß Bühler.

Grundsätzlich gelte es doch, das Problem zu erkennen, es zu akzeptieren, dann zu analysieren und Handlungsmuster zu entwickeln, fordert Bühler. Was vom Land komme, sei teils aber handwerklich schlecht gemacht. „Der Workflow passt zum Teil einfach nicht. Und man ist wieder sehr spät dran.“

Keine Zulassung für PCR-Tests

Beispielsweise die PCR-Tests. Hier fehle die Verlässlichkeit für die betroffenen Bürger. „Es kann doch nicht sein, dass jemand sich testen lassen will und dann drei oder vier Stellen anrufen muss, bis er einen Test bekommt. Da läuft doch etwas schief.“

Arztpraxen seien gerade sicher sehr belastet oder gar überlastet. Aber dann müsse man bei steigenden Zahlen eben zusätzliche Kapazitäten schaffen, etwa über Apotheken oder Hilfsorganisationen, meint Bühler. Die wären zum Teil bereit, dürfen das aber nicht, weil ihnen die Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung nicht erteilt wird, weiß er. Schade, denn die Stadt hätte hierfür die Infrastruktur gestellt, sagt Bühler.

Ein zweiter Ansatzpunkt sind für Bühler die Booster-Impfungen. „Ich habe das Gefühl, das könnte schneller gehen“, meint er. Man könne den Eindruck haben, die große Politik sei wieder zu spät dran. Dabei habe doch seit dem Start der Impfungen im Raum gestanden, dass nach sechs, sieben Monaten eine Auffrischungsimpfung nötig werde.

Mit dem Boostern von älteren Leuten, die ja als Erste geimpft wurden, hätte man für die Masse bereits im August und September mit Nachdruck beginnen können. Doch die Politik sei offenbar davon überrascht worden, schüttelt Bühler den Kopf. Jetzt noch eine Impfkampagne zu fahren, dauere Wochen, zumal diese ja offenbar nicht langfristig vorbereitet worden sei.

Boostern am Wochenende

Wenn die Arztpraxen, nicht nur die Schwerpunktpraxen, momentan durch die aktuelle Mehrbelastung wegen saisonaler Krankheiten ohnehin überlastet seien, müsse man ihnen helfen. Er könne sich daher sehr gut vorstellen, dass Ärzte und Stadt gemeinsam Impfaktionen am Samstag und/oder Sonntag abhalten, sagt er in Richtung der Bopfinger Ärzteschaft. Damit wäre der Praxisbetrieb nicht gestört. Impfstoff sei ja offenbar ausreichend vorhanden. Die Stadt würde Räumlichkeiten und Infrastruktur zur Verfügung stellen, die Ärzteschaft das Impfen übernehmen. „Das könnte Dampf aus dem Kessel für die überlasteten Praxen nehmen.“

Den Landkreis kritisiert Bühler nicht. Dort tue man, was möglich sei, versichert er. Die mobilen Impfzentren in Städten und Gemeinden hätten sich damals bewährt. Vielleicht könne eine solche Strategie beim Boostern wieder helfen. Dazu müssten seitens des Landes aber mehr Freiheiten ermöglicht werden. Gespräche zwischen den Bürgermeistern und dem Landrat liefen permanent und dies sei gut so. Die kommunale Familie im Ostalbkreis ziehe an einem Strang.

„Der Winter ist noch lange, die Zahlen werden weiter steigen in den nächsten Wochen“, prophezeit er. „Wir dürfen die Menschen nicht alleine lassen, sondern wir müssen nach pragmatischen Lösungen suchen, die schnell funktionieren“, sagt er.

Pop-up-Impfung läuft gut

Dass Menschen die Impfung wollen, hat die jüngste Pop-up-Impfung gezeigt. Am Mittwoch ließen sich 250 Personen auf dem Ipftreff-Parkplatz vom mobilen Impfteam aus Schwäbisch Hall impfen. Es wurde nicht nur geboostert, sondern es seien viele Erstimpfungen verabreicht worden, war dort zu erfahren. Es gab jedoch bis zu zwei Stunden Wartezeit, weshalb einige empfahlen, das nächste Mal Nummern zu verteilen. Viele Menschen kamen, um die Hausärzte zu entlasten, sie hatten dort erst für Januar oder Februar einen Impftermin bekommen.

Impftermin Nächste Gelegenheit zur Impfung ohne Termin ist am Montag, 22. und Dienstag, 23. November, jeweils von 10 bis 16 Uhr, in der Stauferhalle.

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