Ideen, Tatkraft und Zuversicht trotz manch schlafloser Nacht

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Martina Senz in ihrem Bopfinger Lokal, dem "Kreuz & quer" .
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Die Ipfmess-Wirtsleute Martina und Andreas Senz betreiben drei Lokale und finden kreative Lösungen in schwieriger Zeit.

Bopfingen

Martina Senz ist eine Powerfrau. Drei Lokale betreibt sie mit ihrem Mann Andreas und als Ipfmess-Festwirtin ist sie alljährlich zudem gefordert. Corona ist für sie ein "Alptraum". "Als der erste Lockdown kam, war Schockstarre. Aber nur kurz. Dann haben wir überlegt, wie wir unsere Gäste und Mitarbeiter halten können", erinnert sich Martina Senz. Das "Kreuz" in Dirgenheim, das "Kreuz & quer" in Bopfingen und das "Riesling" in Nördlingen betreiben sie. Mitten in der Pandemie, am 24. Juni 2020, wurde Letzteres eröffnet. Mutig? "Wir mussten umstrukturieren, nur so konnten wir einen Teil unserer Mitarbeiter weiter beschäftigen", meint sie.

80 bis 100 Beschäftigte im Schnitt habe sie auf der Lohnliste, zehn Köche, zwei Azubis und zur Ipfmess gar rund 250 Leute. "Guter Service ist personalintensiv und auf mein Team ist 100-prozentig Verlass. Da will man doch keinen in die Kurzarbeit schicken", verweist sie auf manch schlaflose Corona-Nacht, die sie hat: "Was passiert, wenn einer erkrankt, wenn ich meine Power verliere, wie finanzieren wir alles, halten wir die Leute, die verlassen sich auf uns, haben Häuser gebaut, ja, das kann dir den Schlaf rauben", gesteht sie.

Ganz schlimm sei es gewesen als "plötzlich klar war, es gibt keine Ipfmess. Die Mess ist der Höhepunkt unserer Gastro-Familie. Viele hatten extra Urlaub genommen, um im Zelt zu arbeiten. Wenigstens gab es die Mess-Light – mit Murmelprinzip." Für jeden Gast, legte sie eine Murmel in den Korb, damit ja nicht zu viele im Stadtgarten feierten.

Hochzeiten, Jubiläen, Firmenfeste – Tausende gebuchte Essen fielen weg. Investiert wurde in Hygienekonzepte, Trennscheiben und mehr. "Alles umsonst."

Immerhin der Sommer und die Außengastronomie halfen etwas. "Doch mehr als 70 Prozent Umsatzverlust, das geht an die Substanz", weiß sie.

Wir haben stillgehalten, zum Wohle aller, aber nun brauchen wir eine Öffnungsperspektive.

Martina Senz Gastronomin

"Du musst flexibel sein, dazulernen", weiß Martina Senz aber auch. "Ich bin nun quasi im Dauer-Callcenter und nehme telefonisch Bestellungen entgegen, schnipple Salate, helfe in der Küche, aber der Kontakt mit den Leuten fehlt mordsmäßig. Wenn du ein Brautpaar glücklich machst, weil alles passt, deshalb habe ich diesen Beruf ergriffen, weil ich Menschen glücklich machen will, meine Lebensaufgabe", sagt sie.

Doch bei aller Tristesse gab es auch das: Hochzeiten für Vier, oder einen 90., bei der die Jubilarin fünf Mal Essen-to-Go bestellt hat, das an vier verschiedene Haushalte geliefert wurde. Und die Solidarität im ersten Lockdown. "Da holten sich einige viel öfter Essen, als sie früher bei uns zu Gast waren", erinnert sie sich.

Geblieben sei der gute Draht zu den Verwaltungen und Bürgermeistern in Bopfingen, Kirchheim und Nördlingen. Inzwischen aber sei die erste Solidarität abgeebbt. Schade, aber Martina Senz ist kreativ, erfand die "Super-Bowl-" oder die Angrill-Box" – alles to-Go. "Und weil mich dieses Plastik nervt, haben wir Recup-Becher und -Schalen bestellt, ein Pfandsystem, und jetzt können die nicht liefern."

Was sie von der Politik erwartet? "Wir haben stillgehalten, zum Wohle aller, aber jetzt brauchen wir eine Öffnungsperspektive", sagt sie, meint aber auch: "Würden wir so arbeiten wie die Politik, wären wir bankrott." Denn was im ersten Lockdown noch funktioniert hat, laufe jetzt gar nicht mehr. "Wir warten seit Monaten vergeblich auf versprochene finanzielle Hilfen."

Hoffnung machen ihr die ersten Sonnenstrahlen, "aber vor Ostern dürfen wir wohl nicht aufmachen." Wovon sie träumt? "Das wir alle geimpft sind und ohne Maske miteinander unbeschwert feiern können." Auf der Ipfmess? "Geht das mit dem Impfen nicht schneller, sehe ich schwarz. Aber vielleicht gibt es ja eine Ipfmess-Light, mit offenem Zelt. Wir müssen Ideen sammeln", ist sie schon wieder tatkräftig in die Zukunft gewandt. Eine Powerfrau eben.

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