Ipfmess 2021 nun offiziell abgesagt

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Keine Chance, das größte Volksfest in Ostwürttemberg trotz Corona abzuhalten, sehen die Verantwortlichen in Bopfingens Rathaus. Ein kleines Programm gibt es aber im Stadtgarten.

Bopfingen

Nun ist es amtlich. Die Ipfmess fällt auch im Jahr 2021 Corona zum Opfer. „Schweren Herzens“ sage Bopfingen das Fest der Feste ab, informiert Bürgermeister Dr. Gunter Bühler am Freitagvormittag Medienvertreter. „Die geltenden und bis Anfang Juli absehbaren Corona-Regeln machen die Durchführung der größten Veranstaltung der Region nach unserer Einschätzung aber leider unmöglich“, fügt Bühler hinzu.

Der Gemeinderat wurde bereits in der vergangenen Sitzung im nichtöffentlichen Teil entsprechend informiert, die Schwäbische Post hatte eine Absage bereits vermutet. „Der Gemeinderat unterstützt diese Entscheidung einhellig“, sagt Bühler. Und: „In diesem Jahr ist uns die Entscheidung noch schwerer gefallen, wie 2020. Wir haben voller Zuversicht darauf hin gearbeitet, dass die Ipfmesse 2021 stattfindet. Alles ist fertig. Wir könnten loslegen“. Die Verwaltung habe daher mit der Absage erneut so lange gewartet, wie dies nur irgend möglich war, um auch noch die kleinste Chance nutzen zu können. Vergebens.

Gründe für die Absage

Eine Ipfmess in Pandemiezeiten wäre nur unter besonderen Rahmenbedingungen überhaupt vorstellbar. Warum es nicht geht, listet der Bürgermeister auf:


Zugangskontrollen: Es werden Kontrollen an den Zugängen verlangt. Dazu müsste die offene Ipfmesse umzäunt werden. Dadurch würde die Mess aber den Regeln der Versammlungsstättenverordnung unterliegen.


Versammlungsstättenverordnung: Der organisatorische Aufwand diese Vorgaben zu erfüllen, wäre nicht leistbar und die Kosten viel zu hoch. Beispielsweise wäre dann eine Securitykraft pro 100 Besucher vorgeschrieben, somit am Ende täglich eine 300-köpfige regelrechte Security-Armee nötig. Allein dies, so hat man im Rathaus überschlagen, bedeute einen Kostenaufwand von rund 450 000 Euro und wo man so viele Kräfte auftreiben könne, sei auch völlig offen.


Kontrollen: Die Kontrolle des jeweiligen Corona-Status der Besucher - geimpft, genesen, getestet- sei nicht umsetzbar.


Wirtschaftliche Aspekte: Marktbeschicker und Wirte brauchten viel Frequenz, um ihre Standgebühren zu decken. Erst nach zwei, drei Tagen Betrieb werde für sie die Ipfmess lukrativ. Eine Obergrenze für die Besucherzahlen verhindere aber wirtschaftlichen Erfolg.


Offene Rechtslage: Zudem, so Bühler, sei aktuell noch nicht abschließend bekannt, wie in Baden-Württemberg mit den weiteren Öffnungsschritten verfahren wird. Bleibt es beim 14-Tage-Rhythmus von Lockerungsschritt zu Lockerungsschritt, wird der Rhythmus ganz abgeschafft oder zwingt vielleicht ein punktueller Anstieg im Infektionsgeschehen zur Rückkehr zu härteren Regeln? Zu unsicher sei die Lage, so Bühler


Corona-Regeln: Auch das Einhalten der Hygiene- und Abstandsregeln sei nicht vorstellbar. „All dies widerspricht doch völlig dem Charakter der Ipfmesse. Ipfmesse ist Freiheit, Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und Enge. Und nicht Kontrolle, Vorsicht und Abstand“, so Dr. Bühler.

Ipfmess light ist keine Option

Die Ipfmesse zu verschieben, sei keine Option. „Wir würden mit zu vielen anderen Volksfesten konkurrieren“, meint Bühler. Und auf eine „Ipfmesse light“ will sich Bopfingen bewusst nicht einlassen und folgt damit dem Beschluss der Münchener Oktoberfestmacher. „Ipfmess-light ist nicht unser Fest“, sagt Bühler. Das bringe auch den Beschickern nichts und könnte langfristig das positive Mess-Image mehr beschädigen, als dies kurzsichtig vorstellbar sei.

Wieder eine Mess dr'hoim

Völlig auf das Ipfmess-Gefühl verzichten muss aber auch in diesem Jahr keiner. Im Stadtgarten gibt es Biergarten, Musik, Schausteller und Imbisswagen. „In etwa wie im vergangenen Jahr“, sagt Bühler. Das Programm werde gerade gezurrt.

Auch Aktionen in der Innenstadt sind geplant und die Gastronomie werde sich auch etwas einfallen lassen. „Aber das wird natürlich nichts so Großes“, meint Bühler. Denkbar aber sei, dass der Biergarten im Stadtgarten den ganzen Sommer laufe.

Messbier ohne Bügelflasche

Auch ein Ipfmessherz wird es geben, wieder in Schwarz und wieder traurig, aber mit Regenbogen sicher ein Hingucker. Messwürste bieten die Metzgereien und das Messbier kommt von der Fürstlichen Brauerei Wallerstein. Wohl mehr als im vergangenen Jahr, „zumindest haben wir vorgeschlagen, doppelt so viel zu brauen“, meint Bühler.

Dieses Mal gibt es sogar limitierte 1000 Fünfliter-Partyfässer der fürstlichen Brauerei zum selber zapfen. Was fehlt ist aber das Messbier in einer Bügelflasche. „Das ist sehr bedauerlich. Viele haben sich bei uns beschwert und sind enttäuscht“, sagt Bühler. Das Messbier sei hervorragend und die Bügelflasche ein Qualitätsmerkmal, „ich würde mich sehr freuen, wenn die Brauerei hier umdenken würde“, meint er. Eine Bierprobe, wie im vergangenen Jahr, ist nicht geplant.

Merchandising-Produkte werden wieder angeboten. Und als Trost für alle Ipfmess-Fans wird es am Freitag das Feuerwerk geben. Das sei längst nicht so teuer, wie manche kolportierten, ein mittlerer vierstelliger Betrag reiche aus und im vergangenen Jahr sei das Feuerwerk aus Spenden bezahlt worden, so Bühler.

Messfeuer brennt weiter

„Letztes Jahr war ich wirklich total begeistert, wie viele Menschen und auch ganze Ortschaften trotzdem ihre kleine Ipfmesse gefeiert haben. Dieses Feuer müssen wir gemeinsam am Brennen halten. Ipfmesse ist einfach ein Teil der DNA unserer Bevölkerung!“, so Bühler.

Ipfmess-Managerin Marina Gerner richtet den Blick bereits auf 2022. „Wir hoffen erneut und werden dann im kommenden Jahr einen regelrechten Neustart hinlegen. Da lassen wir uns noch etwas einfallen“, verspricht sie.

Ipfmess-light ist für uns

Dr. Gunter Bühler, Bürgermeister

Es ist beschlossen. Die Ipfmess 2021 wurde nun offiziell abgesagt. Archivfoto: opo

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