Katholische Kostbarkeit in evangelischer Kirche

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Das kunsthistorische bedeutsame Altarretabel.

Der Herlin-Altar in der evangelischen Kirche St. Blasius wird restauriert.

Bopfingen „Wir wissen gar nicht hoch genug einzuschätzen, was für ein bedeutendes kunsthistorisches Werk wir hier in Bopfingen haben“, sagt Bürgermeister Dr. Gunter Bühler beim Vor-Ort-Termin in der Stadtkirche. Pfarrer Steffen Schmid hat eingeladen, anwesend sind Vertreter des Landesamts für Denkmalpflege und Restauratoren. Auch die Akadamie der Bildenden Künste Stuttgart ist eingebunden.

Der von Friedrich Herlin 1472 gebaute Flügelaltar gilt als in Expertenkreisen als eines der herausragendsten kunstgeschichtlichen Denkmale der Region, weshalb die evangelische Kirchengemeinde zusammen mit der Stadt im kommenden Jahr eine vielfältige Veranstaltungsreihe planen will. Pfarrer Steffen Schmid taucht ein in die Historie.

Friedrich Herlin sei ein überregional bedeutender Altar-Unternehmer mit Sitz in Nördlingen gewesen und habe sich in ganz Süddeutschland künstlerisches Renommee erworben. Bereits 1465 habe Graf Johann von Helfenstein eine Schenkung in Form einer „Blasius-Reliquie“ an die Kirche getätigt - so die Legende. Die Kirche war schon auf Blasius geweiht und sollte durch die Reliquien-Verehrung auf feste Beine gestellt werden, so Pfarrer Schmid.

Der Altar sei besonders wertvoll, weil er aus dem späten Mittelalter stamme und nur wenige Kirchen einen solchen Altar besäßen, erklärt Schmid. Ein Marienaltar mit der Marienfigur in der Mitte – und dies in einer evangelischen Kirche. Einige Kirchen hätten solche Altäre verkauft und dies später bereut. „Wir wollen den Altar als Kunstdenkmal wahrnehmen“, fügt Schmid hinzu.

2022 wird der Herlin-Altar 550 Jahre alt. Die letzte Restaurierung erfolgte in den 1970er Jahren. Das Landesdenkmalamt habe das Altarretabel in den letzten fünf Wochen begangen und minuziös begutachtet, so Jochen Ansal vom Referat Spezialgebiete des LDA. Es folgen noch wissenschaftliche Untersuchungen mit Infrarot-Aufnahmen, um die Entstehungsgeschichte zu eruieren. Der Gesamtzustand sei positiv, es handle sich nur um Konservierungsmaßnahmen. Die letzte Reparatur des Retabels erfolgte 1978. Einige pflegerische Eingriffe seien noch vorzunehmen. Dem LDA gehe es um die Bewahrung des Bestands, da sich in der Stadtkirche noch weitere wertvolle Ausstattungsstücke befänden, betont Jochen Ansel.

Ende August soll das Gerüst abgebaut werden, dann soll der Herlin-Altar in noch größerem Glanz erstrahlen. Pfarrer Schmid rechnet mit Gesamtkosten von etwa 50000 Euro. Einen Zuschuss gibt's vom Landesamt für Denkmalpflege. Starten will man ins „Herlin-Jahr“ mit einem Festgottesdienst am 20. März. Über's Jahr verteilt gibt es dann eine Vortragsreihe und Führungen. „Wir wollen diese Kostbarkeit einer breiten Öffentlichkeit nahebringen“, blickt Pfarrer Schmid aufs kommende Jahr. ls

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