Kein „Blitzer“ auf Kirchheimer Straße

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Die Kirchheimer Straße bleibt „blitzerfrei“. Mehrere Messungen gab es in den vergangenen beiden Jahren, die Zahlen geben schärfere Maßnahmen nicht her, auch wenn jüngst ein Verkehrsteilnehmer mit Tempo 129 bergauf registriert wurde.
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Mit Geschwindigkeitsanzeigegeräten, im Volksmund „Smileys“ genannt, wollen Verwaltung und Gemeinderat dafür sorgen, dass Tempo 50 auf der L 1078 eingehalten wird.

Auf der Kirchheimer Straße wird zu schnell gefahren, das ist gefährlich und macht Lärm, beschwert sich eine Anwohnerin aus dem Wilhelm-Nagel-Weg seit Jahren. Nun hat sich der Gemeinderat mit dem Thema befasst. Für Tempolimits und „Blitzer“ gebe es kaum Chancen, ein Geschwindigkeitsanzeigegerät soll aber wieder installiert werden, hieß es in der Sitzung.

Bereits im September 2019 hat sich die Anwohnerin an die Landkreisverwaltung gewandt. Viel Verkehr sei auf der Straße und viele seien zu schnell unterwegs, machte sie dort klar. Sie schlug vor, Geschwindigkeitsanzeigegeräte (Smileys) aufzustellen oder am besten gleich Tempo 30 einzuführen.

Mehrere Verkehrszählungen

Die Kreisverwaltung hat die Stadt Bopfingen daraufhin gebeten, den Sachverhalt zu untersuchen. Gesagt, getan. Bopfingen hat im Zeitraum vom 24. September 2019 bis zum 2. Oktober 2019 den Verkehr gemessen. Dabei wurde eine „V 85“ von 66 Stundenkilometer festgestellt. Das bedeutet, dass 85 Prozent aller Verkehrsteilnehmer dort im Schnitt mit 66 Stundenkilometern statt der erlaubten 50 Stundenkilometer unterwegs seien. 15 Prozent fuhren noch schneller. Die Verkehrsbelastung pro Tag lag bei 3163 Fahrzeugen.

Die Anwohnerin blieb hartnäckig, weshalb die Kreisverwaltung erneut gemessen hat. Dies geschah in der Zeit vom 29. September 2020 bis zum 7. Oktober 2020. Ergebnis: Die V 85 (km/h) lag diesmal bei 60,4 Stundenkilometer, die Verkehrsbelastung lag bei 3619 Fahrzeugen am Tag.

Interessant ist, dass auch hier bergauf in Richtung Kirchheim tendenziell etwas schneller gefahren wird, als in umgekehrter Fahrtrichtung. Ausreißer nach oben gab es auch, so wurde der traurige Spitzenreiter dort mit Tempo 129 gemessen, und zwar von der Stadt, die im Zeitraum vom 7. bis 18. Mai 2021 erneut den Verkehr gemessen hat. Im Gemeinderat hieß es dazu aber, dass dies sehr gut ein Rettungsfahrzeug gewesen sein könnte.

Diese Zahlen legte Klaus Kurz, der Leiter der Abteilung Bauhof, Verkehrsrecht und Arbeitsschutz, dem Gemeinderat dar. Auch, dass laut Polizei in diesem Bereich keine relevanten Verkehrsunfälle in den vergangenen Jahren bekannt wurden.

Wenig Fußgänger kreuzen

Der kreuzende Fußgängerverkehr über die L 1070, die Kirchheimer Straße, wurde ebenfalls bewertet. Demnach wurden im Zeitraum zwischen 7 Uhr und 13.30 insgesamt zehn Fußgänger gezählt. Diese Zahlen bewerten die Fachleute als gering.

Kaum Chancen auf Tempo 30

Die Aussicht, auf der Straße Tempo 30 einzuführen, sei sehr gering, da es sich um eine Landstraße handelt. Nach Aussage des Landratsamtes läge bei einer V 85 von 60 bis 65 Stundenkilometern keine gefährliche Situation vor. Temporeduzierungen könnten daher nur mit übermäßigem Verkehrslärm begründet werden. Hierzu müsste ein Lärmgutachten erstellt werden. Ein Erfolg wäre aber fraglich, weil die Wohnbebauung von der Straße ein Stück weit entfernt liege. Auch die durchschnittliche Zahl der Fahrzeuge pro Tag von 3000 bis 3500, bei einem Schwerlastverkehrsanteil von 6,2 Prozent, verspreche nicht, dass hier Tempo 30 eingeführt werden könne, machte Kurz die Lage klar.

Zwar überschreiten viele Verkehrsteilnehmer die vorgegebene Geschwindigkeit, laut Landratsamt seien die Zahlen aber zu gering, als dass hier ein „Blitzer“ aufgestellt werde, so Kurz.

Acht Tempomessanlagen aktiv

Anders sieht es mit Geschwindigkeitsanzeigegeräten aus. Die Anwohnerin hat bekundet, dass diese „Smileys“ eine Linderung brachten. Das Gerät, das an der Kirchheimer Straße installiert war, sei defekt und deshalb vor Zeiten abgebaut worden, erklärte Kurz. Die Stadt habe insgesamt neun solcher „Smileys“, acht seien im Einsatz. In der Regel gingen diese Geräte nach zwölf Jahren kaputt, die Reichweite werde geringer, die Lasermessung werde ungenau, dies sei technisch einfach so, erklärte Kurz. Eines der Geräte koste rund 2800 Euro, die Nachrüstung sei teuer.

Stimmen im Rat

Einen „Blitzer“ hält Bürgermeister Dr. Gunter Bühler dort für „überzogen“. Smileys seien der bessere Weg und die Landkreisverwaltung solle erneut messen, meint der Bürgermeister.

CDU-Fraktionschef Thomas Traut konstatierte, dass bergauf schneller gefahren wird. „Wir sollten daher mal in diese Richtung denken“, sagte er.

Für Hans-Martin Lechler (SPD) bringen „Smileys“ die beste Kosten-Nutzenrechnung. Und diese sollten im Wechsel in beiden Fahrtrichtungen aufgestellt werden. Eine Verkehrsinsel sei nicht sinnvoll. Klar sei aber, dass hier zu viele zu schnell unterwegs seien und Fußgänger geschützt werden müssten.

Nun wird sich die Verkehrsschau die Situation ansehen und ein „Smiley“ wird aufgestellt.

Die V 85-Regel - Faustformel für Verkehrsingenieure

Bopfingen. Wenn eine Geschwindigkeitsmessung vorgenommen wird, ergibt sich eine große Zahl von Messwerten, oft sind dies mehrere tausend. Aus diesen umfangreichen Daten muss dann eine griffige Zahl ermittelt werden, um das Geschwindigkeitsniveau zu beurteilen. Dazu ist die „85-Prozent-Geschwindigkeit“ einer Straße aufschlussreich. Diese Kennzahl wird von Verkehrsingenieuren verwendet als die Geschwindigkeit, die von 85 Prozent der gemessenen Fahrer eingehalten und von 15 Prozent überschritten wird. Dabei werden die sehr schnellen Fahrer außer Betracht gelassen und hat damit einen praktisch gut nutzbaren Indikator.

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