Ledertech wird zu Nabore GmbH

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Das Schild am Eingang der Ledertech, der auch zu Henkel führt, muss weg. Die Ledertech GmbH ist verkauft. Neuer Besitzer ist die "NABORE" GmbH.
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Alle 32 Beschäftigten werden übernommen. Geschäftsidee: Lederreste der Auto- und Modeindustrie sammeln, "upcyceln" und als "NABORE-Leder" wieder in deren Fertigung bringen.

Bopfingen

Für 32 Beschäftigten gibt es eine neue Perspektive: Die "NABORE" GmbH hat die insolvente Ledertech GmbH gekauft und geht mit einer neuen Geschäftsidee an den Start. Am Montag, 15. März, soll es losgehen.

Das Amtsgericht Aalen hat am 1. März 2021 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Ledertech-Deutschland GmbH eröffnet und Wirtschaftsprüfer Patrick Wahren, von Schneider Geiwitz & Partner, zum Insolvenzverwalter bestellt. Der hatte sich zuvor in seiner Funktion als vorläufiger Insolvenzverwalter ein Bild von der Lage gemacht. Nun kann er einen Erfolg melden: "Die NABORE GmbH übernimmt per 1. März 2021 den Geschäftsbetrieb der Ledertech Deutschland GmbH sowie die gesamte Belegschaft, welche aus 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besteht." Dank gelte Bürgermeister Dr. Gunter Bühler, der sich für den Erhalt der Arbeitsplätze stark eingesetzt habe.

Die neu gegründete NABORE GmbH gehört Holger Hain, Bernhard Machhein und Ewald Wilka, allesamt Profis in der Lederbranche. "Wir sind sehr zufrieden, dass alles in trockenen Tüchern ist", freut sich Hain.

Innovatives Geschäftsmodell

Das Geschäftsmodell umreißt Holger Hain so: Anfallende Lederreste aus ganz Europa sollen eingesammelt und mit einem von NABORE entwickelten und patentierten Verfahren zu einem "innovativen Oberflächenmaterial" vergütet werden. Upcycling nennt sich das.

"NABORE-Leder" entspreche optisch zu 100 Prozent dem Naturleder und könne in allen bekannten Branchen, wie Fashion oder Automobil, eingesetzt werden, sagt Hain. "NABORE wirkt damit positiv auf die CO2-Bilanz und verbindet parallel die Begriffe Zero-Waste und Nachhaltigkeit. Auch unsere Kunden können damit werben. Wir lösen deren Entsorgungsproblem. Eine Win-Win-Situation", erklärt er.

Potenzielle Abnehmer seien Modehersteller in Italien aber auch die nahe Automobilindustrie. Hain nennt ein Beispiel: "Bei der Lederausstattung eines Autos fällt viel Verschnitt an. Es wird nur Bullenleder verwendet. Die Haut etwa eines halben Tieres landet in einem Auto, die andere Hälfte muss entsorgt werden", so Hain. Lange gingen diese Lederabfälle nach China. Dort bestehe inzwischen aber einen Importstopp, weshalb "Europa momentan mit Lederresten überschwemmt ist", sagt Hain. NABORE liefere die Lösung. Lederstanzabfälle werden eingesammelt und in Bopfingen zu einem neuen Produkt aufbereitet und als Material wieder zurück zum Automobilhersteller gebracht. "Damit reicht am Ende ein Tier für ein Auto", so Hain.

Das sind die neuen Chefs

Bernhard Machhein sei Experte für das Thema Leder in der Autoindustrie, er, Holger Hain, bringe das kaufmännische Wissen ein und Ewald Wilka, der in Unterschneidheim lebt und vor Jahren selbst bei der Ledertech gearbeitet hat, habe den patentierten Binder entwickelt, mit dem aus Lederresten neues Material gefertigt werden könne, erläutert Hain. NABORE gehöre ihnen gemeinsam, sagt Hain.

Die Lederfaserbranche sei übersichtlich, es gebe nicht viele Akteure. Auf der Suche nach einer geeigneten Plattform für ihre Geschäftsidee habe Wilka die Ledertech ins Spiel gebracht. Gespräche mit dem Besitzer aus der Türkei wurden aufgenommen, seien aber mehrfach gescheitert, sagt Hain. Mit der Insolvenz kam nun die Chance.

So geht es weiter

Lederfaserstoffe, dieser Bereich sei wenig zukunftsträchtig, werde aber zunächst parallel weiterverfolgt. Er soll aber rasch von der NABORE-Lederproduktion abgelöst werden, meint Hain. Auf der Maschine in Bopfingen wird nun damit begonnen. Genau so wichtig sei die Belegschaft dort. "Wir haben uns für die Technik und das Know-how hier entschieden", sagt Hain. Auch er lobt Bürgermeister Dr. Gunter Bühler, der als Vermittler in vielen Bereichen geholfen habe und immer noch helfe.

Der ehemalige Ledertech-Betriebsrat Sezayi Ilhan ist glücklich: "Wir sind alle froh, dass es weitergeht. Die letzten Monate waren sehr schwer. Jetzt haben wir wieder Hoffnung", sagt er. Das Geschäftsmodell sei vielversprechend und die Belegschaft motiviert. Ilhan bedankt sich bei "den Investoren, der SchwäPo, bei Rechtsanwältin Hasret Cancilleri vom Insolvenzverwalterbüro Schneider Geiwitz & Partner, die sich mit Herzblut für uns eingesetzt hat, wie auch unser Bürgermeister Dr. Bühler".

Zuschüsse vom Land?

Der viel gelobte Bürgermeister freut sich, dass es für die Belegschaft weitergeht. "Das Geschäftsmodell ist neu, innovativ und verspricht eine Perspektive, die über den Tag hinausreicht", sagt Bühler. Das sei wichtig, zumal die Vergangenheit gezeigt habe, wie schwierig es sei, eine Firma wie Ledertech profitabel zu führen. "Hier ist jetzt ein ganz neues Unternehmen am Werk, das eine Chance verdient", betont er mit Blick auf Partner und Zulieferer, bei denen der Name Ledertech nicht ungeteilt positiv besetzt sei. Bopfingen wolle nun versuchen, an Gelder aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum für den Start der NABORE zu kommen, sagt er.

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