Magna knipst die Lichter aus

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Haben mit der Magna-Geschäftsleitung Konditionen für die Mitarbeiter ausverhandelt, die „über das übliche Maß“ hinausgehen (von links): Josef Mischko (IG Metall), Nuri Ünal und Georgios Petridis (Betriebsrat) sowie Jörg Klevar.
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Die Schließung des Bopfinger Autozulieferwerks Ende 2022 ist fix. Immerhin stehen 17,9 Millionen Euro für Abfindungen und Qualifizierung der 220 Beschäftigten zur Verfügung.

Bopfingen

Ende 2022 ist im Bopfinger Magna-Werk Schluss. Das hat der weltweit tätige Autozulieferer bereits im November verkündet. Für die Beschäftigten zumindest wird es vergleichsweise hohe Abfindungen, Qualifizierungsmöglichkeiten und eine Transfergesellschaft geben. Dieses Ergebnis seiner Verhandlungen mit der Geschäftsleitung hat der Betriebsrat nun verkündet. Die IG Metall begrüßt das Ergebnis als außergewöhnlich gut, erhebt aber zugleich schwere Vorwürfe.

Rund 17,9 Millionen Euro stellt der Magna-Konzern zur Verfügung, dass die zuletzt 220 Beschäftigten nicht ins Bodenlose fallen, wenn unter dem Ipf keine Achsen und warmumgeformte Karosserieprodukte für die Autoindustrie mehr hergestellt werden. „Magna wollte die Beschäftigten zuerst mit 10,9 Millionen Euro abspeisen“, sagt der 2. Bevollmächtigte der IG Metall Aalen, Josef Mischko. In insgesamt zehn Verhandlungsrunden konnte der Betriebsrat deutliche Verbesserungen erreichen: So steht eine Million Euro für Qualifizierung und Umschulungen zur Verfügung. Bis April 2022 haben die Mitarbeiter zunächst freiwillig die Möglichkeit zu Aufhebungsverträgen oder dem Wechsel in eine Transfergesellschaft für ein Jahr. Auch die Abfindungen und entsprechenden Zuschläge, etwa für Eltern und Alleinerziehende, sind vergleichsweise hoch. „Unser Ziel war, für die Beschäftigten so viel herauszuholen wie möglich“, betont Betriebsratsvorsitzender Nuri Ünal.

Dass es überhaupt zur Schließung der Magna IHV Gesellschaft für Innenhochdruckverfahren in Bopfingen kommt, kritisieren Gewerkschafter ebenso wie regionalpolitisch Verantwortliche. Der österreichisch-kanadische Magna-Konzern mit weltweit mehr als 160 000 Mitarbeitern begründet den Schritt auf Anfrage mit dem Pandemie-bedingten Abschwung in der Automobilindustrie. Das 1996 eröffnete Bopfinger Werk „konnte bereits in der Vergangenheit nicht kostendeckend betrieben werden“, fügt ein Konzernsprecher auf Anfrage hinzu.

Gewerkschafter Josef Mischko lässt dies nicht gelten: „Der Magna-Konzern hat 2020 trotz Corona einen Reingewinn von vier Milliarden Euro erwirtschaftet.“ Magna Bopfingen sei bis 2025 mit Aufträgen versorgt, die Magna nun unter anderem in Tschechien, Spanien und Thüringen abarbeiten lasse. Noch im Oktober 2020 habe die Geschäftsführung der Belegschaft mitgeteilt: „Alle Zahlen gehen nach oben.“ Kurz darauf die Nachricht vom Aus. „Wir wurden hinters Licht geführt“, so Mischko.

„Magna räumt gerade deutschlandweit auf“, prophezeit der IG-Metall-Bevollmächtigte. So würden unter anderem in Heilbronn und Bad Mergentheim Stellenstreichungen oder gar Standortschließungen befürchtet. Die Bemühungen regionaler Politiker, Magna zur Einrichtung eines Forschungs- und Entwicklungszentrums am Standort Bopfingen zu bewegen, hätten bisher kein Ergebnis gebracht.

Unser Ziel war, für die Beschäftigten so viel herauszuholen wie möglich.“

Nuri Ünal, Betriebsratsvorsitzender

Von 450 Magna-Jobs auf Null in wenigen Jahren

Von ehemals 450 Beschäftigten - Leiharbeiter eingeschlossen - waren im November nach mehreren Sparrunden der vergangenen Jahre noch 220 übrig. Derzeit sind es 170, zum Ende des Jahres sollen es 150 sein. Nur noch fünf Beschäftigte sollen nach Ende 2022 den Standort aufräumen. Laut Magna sollen die restlichen Mitarbeiter „in etwa gleich verteilt über die Quartale abgebaut werden“. Die Aussichten auf einen neuen Job seien in der Region „recht gut“, so ein Magna-Sprecher: „Derzeit suchen einige Unternehmen in der Region massiv nach Arbeitskräften (Zeiss, Varta, TE)“, teilt er mit.

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