Michael Scheidle kann auch Krimi

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Als ob er jeden jeden Freitagabend in der Schranne auf der Bühne säße: Michael J. Scheidle bei seiner allersten Autorenlesung. Und seinem allerersten Roman: "Tomatidin".
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Der Bopfinger Michael J. Scheidle gastiert mit seinem Krimi-Debüt „Tomatidin“ in der Schranne und macht beim Vorlesen Lust auf mehr.

Bopfingen

Es war sein erstes Mal. Und das vor Publikum. Zum Glück. Für beide. Michael J. Scheidle ist ein Bopfinger Urgewächs. Freier Mitarbeiter bei der SchwäPo. Streckensprecher bei Motorsportveranstaltungen. Beobachter. Wortspieler. Geschichtenseher und -erzähler. Und – ganz neu – Krimiautor.

Die Damen vom Einhorn-Verlag bringen ihm karton- und stapelweise druckfrisch „Tomatidin“ in die Bopfinger Schranne. Zum ersten Mal hält er seine 180 Seiten starke Krimi-Eigenproduktion in den Händen. Doch nicht lange. Denn die Bopfinger strömen in die Schranne, wollen ihr eigenes Exemplar, ihn sehen und hören, den Micha, wenn er auf der Bühne sitzt, im lachsfarbenen Hemd.

Es ist seine erste Lesung, bei der er nicht derjenige ist, der mit Stift und Block im Publikum hockt als SchwäPo-Mann, sondern selbst im Scheinwerferlicht steht. Auf den alle Augen, Ohren und Erwartungen gerichtet sind. Schließlich will man ja wissen, was er so drauf hat als Krimiautor. Das treibt den Puls nach oben. Frei gibt er zu Beginn seine Aufregung zu. Dabei ist er schnell warm, liest sicher, plaudert und scherzt mit dem Publikum, erzählt Geschichten aus dem Leben, erntet viele Lacher. Es funktioniert. Er kann's. Und das Krimischreiben? Das auch. ⋌
Beim Lesen steigt er ganz vorne ein in die Geschichte, die in Ipfingen spielt. Jegliche Parallele zu seinem Heimatort und deren Bewohner ist ... - eine spaßige Möglichkeit für den Leser, auf Entdeckungstour beim Schmökern zu gehen. Scheidle grinst auffordernd: „Wer sich drin entdecken will, bitte - tut Euch keinen Zwang an.“ Da lasse sich schon manches hineingeheimnissen.

Jetzt aber zur Story: Seine Hauptfigur ist Otto Meisner. Rechtsanwalt im Ruhestand. Mit verdammt grünem Daumen. Otto will Silke Sternheimer helfen herauszufinden, ob das hinter den vielen Fortbildungen und den süßlich duftenden Hemden steckt, was die Frau befürchtet. Doch bevor Meisner ernsthaft recherchieren kann, stirbt Silkes Mann, Hochschulrektor Thorsten Sternheimer. Und zwar nicht an Herzinfarkt. Da braucht's dann schon Meisners ehemalige Rechtsanwaltsfachangestellte Julia Proske - deren Mutter, die auf peinlichster Schwiegersohnsuchmission ist, ist dabei eher verzichtbar -, um die Wirrungen zu entknoten, Licht ins Dunkel zu bringen. Auch was die Rolle des Tomatidins betrifft, einer steroidähnlichen Substanz in Tomaten, die dem Krimi seinen Namen gab.

Beim großen Showdown in Otto Meisners Küche, da ist der Mittsiebziger aber ganz auf sich gestellt. Und Scheidle bei atemloser Spannung angekommen.

Was Michael Scheidle bestens beherrscht: das Bilder-im-Kopf-entstehen-lassen. Er beschreibt jede Szene sorgfältig und detailliert. So ist es für den Leser – oder eben Zuhörer - ein Leichtes, den inneren Film ablaufen zu lassen. Man weiß genau, in welcher Form die Buxbüsche zurechtgestutzt sind, wie das Tiffanyfenster des Bäckereicafés ausschaut, wie tief Julias nikosiagrüner Ausschnitt ist und welche Blumen die Möchtegernschwiegermutter als Tischschmuck gewählt hat.
Der 55-Jährige spielt mit seiner Stimme, nimmt Tempo auf, wenn nötig, und macht das Zuhören kurzweilig und verschafft seinen Besuchern einen entspannten, unterhaltsamen Abend. Doch wer der Mörder ist, das verrät er nicht. Das lässt sich aber leicht mit einem Kauf von „Tomatidin“ im Buchhandel herausfinden. Und wer weiß, wer sich so alles wiederfindet zwischen den 180 frisch gedruckten Seiten?

„Tomatidin“, 180 Seiten, Einhorn-Verlag, Preis: 14,80 Euro

Wer sich drin entdecken will, bitte - tut Euch keinen Zwang an.“

Michael J. Scheidle, Krimiautor
Als ob jeden jeden Freitagabend in der Schranne auf der Bühne säße: Michael J. Scheidle bei seiner allersten Autorenlesung. Und seinem allerersten Roman: "Tomatidin".
Sonst SchwäPo-Schreiber, jetzt auch Krimi-Autor: Der Bopfinger Michael J. Scheidle hat in der Schranne sein Krimi-Debüt „Tomatidin“ präsentiert.

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